Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Reaktion, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Reaktion · Nominativ Plural: Reaktionen
Aussprache 
Worttrennung Re-ak-ti-on
Herkunft zu reactiomlat ‘Rückwirkung’ < reageremlat ‘entgegenwirken’ (reagieren)
eWDG

Bedeutungen

1.
Wirkung, Antwort, die durch etw., besonders durch einen äußeren Reiz, hervorgerufen wird
Beispiele:
eine heftige, scharfe, nervöse, normale Reaktion
ihre erste, unmittelbare Reaktion war Verblüffung
es war keinerlei Reaktion der Zuhörer sichtbar
durch die schnelle Reaktion des Kraftfahrers wurde ein Unfall verhindert
etw. löst eine Reaktion aus
die Reaktion der ausländischen Presse auf diese Note war stark, sehr unterschiedlich
nach der Impfung traten nur bei einigen Patienten leichte lokale Reaktionen auf
im Alter ist die Reaktion des Körpers auf Schäden oder Krankheiten stark herabgesetzt
Meinungsforschung … wäre völlig sinnlos, wenn es nicht weitgehende Gleichheiten der menschlichen Reaktionen gäbe [ SteenbeckWissen196]
die Reaktionen seiner Knie wurden geprüft [ CramerKonzessionen388]
2.
Chemie chemische Umwandlung von chemischen Elementen oder Verbindungen in andere chemische Elemente oder Verbindungen
Beispiele:
eine chemische, basische, alkalische Reaktion
anorganische Reaktionen
die Reaktion von Basen und Säuren verläuft verschieden schnell
beim Rosten von Eisen vollzieht sich eine Reaktion, läuft eine Reaktion ab, findet eine Reaktion statt
3.
abwertend politisches Festhalten an überholten, nicht mehr zeitgemäßen Einstellungen, Gegebenheiten
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
die Hauptkraft der Reaktion in der Gegenwart ist das System des staatsmonopolistischen Kapitalismus
In der Zeit der Reaktion [seit den Karlsbader Beschlüssen 1819] blieb Jena bei allen reaktionären Bestrebungen vieler seiner Professoren die freiheitlichste Hochschule in Deutschland [ Natur u. Heimat1961]
4.
abwertend Gesamtheit von Klassen, Schichten, Personen, Organisationen, die 3 verkörpert
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
die Reaktion schlagen, vernichten
den Kampf gegen die Reaktion führen
er ist ein Opfer der Reaktion geworden
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reagieren · abreagieren · Reagens · Reagenz · Reaktor · Reaktion · reaktionär · Reaktionär
reagieren Vb. ‘eine chemische Veränderung, Umwandlung eingehen, auslösen, zeigen’, entlehnt (18. Jh.) in die Sprache der Chemie aus spätlat. reagere ‘zurücktreiben’, mlat. ‘entgegenwirken’; vgl. lat. agere ‘treiben, handeln, tätig sein’ (s. agieren, aktiv). Gegen Ende des 18. Jhs. wird das Verb in die Sprache der Medizin und Biologie übernommen im Sinne von ‘auf einen äußeren Reiz ansprechen’ (von lebenden Organismen), danach (Anfang 19. Jh.) in allgemeiner Verwendung ‘eine Gegenwirkung ausüben, zeigen, für etw. empfindlich sein’. abreagieren Vb. ‘(durch bestimmte Erlebnisse angestaute) Affekte, eine seelische Spannung durch Handlung verringern, ableiten, neutralisieren’ (Ende 19. Jh.). Reagens n. ‘mit einem anderen chemisch reagierender Stoff, Nachweismittel’ (2. Hälfte 18. Jh.; anfangs mit dem Plur. Reagentia, später Reagentien), in der Gelehrtensprache substantiviertes Part. Präs. von spätlat. reagere. Reagenz f. ‘das Reagieren, chemische Reaktion’ (Mitte 19. Jh.). Reaktor m. ‘Anlage zur großtechnischen Durchführung chemischer, physikalischer Reaktionen’, Übernahme (Mitte 20. Jh.) von gleichbed. amerik.-engl. reactor, zu engl. to react ‘zurückwirken, reagieren’. Reaktion f. ‘durch Einwirkung hervorgerufene Gegenwirkung’. Als Entlehnung von mlat. reactio (Genitiv reactionis) ‘Rückwirkung’ zuerst (17. Jh.) in der Sprache der Naturwissenschaft für ‘Widerstand, den ein Körper leistet, wenn ein anderer Körper auf ihn einwirkt’ (seit der 1. Hälfte des 19. Jhs. auch von physischen und psychischen Verhaltensweisen des Menschen), in der Rechtssprache ‘Erneuerung eines abgeschlossenen Streites’ (2. Hälfte 18. Jh.). Frz. réaction entwickelt während der französischen Revolution die Bedeutung ‘Bewegung gegen die Meinung der Mehrheit der Bürger, politische Partei (oder Parteiengruppe), die sich gegen Demokratie und sozialen Fortschritt stellt’ und wird zur Bezeichnung aller der ‘Kräfte (in einem Staat), die sich dem Fortschritt entgegenstellen’. Diese Verwendung wird gegen Ende des 18. Jhs. ins Dt. aufgenommen und danach besonders bei den Vertretern des Vormärz, des jungen Deutschland und in der Revolution von 1848 geläufig. reaktionär Adj. ‘rückschrittlich, fortschritts-, neuerungsfeindlich, streng konservativ’ (1. Hälfte 19. Jh.), aus gleichbed. frz. réactionnaire (um 1790). Reaktionär m. ‘Anhänger, Vertreter der Reaktion’ (Mitte 19. Jh.), aus gleichbed. frz. réactionnaire m.

Thesaurus

Synonymgruppe
Antwort · Auskunft · Entgegnung · Erwiderung · Gegenbemerkung · Gegenrede · Reaktion · Responsion · Rückmeldung · Rückäußerung · Widerrede  ●  Konter  ugs. · Replik  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Gegenwirkung · Reaktion  ●  Echo  ugs.
Synonymgruppe
Auswirkung · Effekt · Einfluss · Folge · Reaktion · Wirkung
Chemie
Synonymgruppe
chemische Reaktion  ●  Reaktion  Kurzform
Synonymgruppe
Reaktion  ●  Response  fachspr.

Typische Verbindungen zu ›Reaktion‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Reaktion‹.

Verwendungsbeispiele für ›Reaktion‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Reaktionen, die ich darauf verspürte, waren verheerend für mich. [Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 118]
Sie werden aus den verschiedenen Reaktionen auf ihre eigene Agitation lernen können. [o. A.[Autorenkollektiv am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin]: Sozialistische Projektarbeit im Berliner Schülerladen Rote Freiheit. Frankfurt: Fischer Bücherei 1971, S. 139]
Damit ist die Reaktion der Deutschen aber noch nicht erklärt. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 280]
Sie ließen sich dahin bringen, die Arbeit der Reaktion zu verrichten. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 690]
Vermutlich löst das bei den Kindern auch unterschiedliche Reaktionen aus? [Der Spiegel, 10.03.1980]
Zitationshilfe
„Reaktion“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Reaktion>.

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