Realist, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Realisten · Nominativ Plural: Realisten
Aussprache
WorttrennungRe-alist · Rea-list (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Realist‹ als Letztglied: ↗Fotorealist
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
entsprechend der Bedeutung von Realismus (1)
Beispiel:
diese Erzählung zeigt den Dichter als Realisten
2.
entsprechend der Bedeutung von Realismus (2)
Beispiele:
er war, blieb immer Realist
lassen Sie einmal Ihre moralische Entrüstung beiseite und seien Sie Realist [JohoWendemarke168]
3.
Philosophie
entsprechend der Bedeutung von Realismus (3 a u. b)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

real · irreal · Realität · realisieren · Realismus · Surrealismus · surreal · Realist · realistisch · reell
real Adj. ‘dinglich, sachlich, wirklich, tatsächlich, der Wirklichkeit entsprechend’ (Mitte 17. Jh., vgl. schon Realwerk, Anfang 17. Jh.), entlehnt aus spätlat. reālis ‘wirklich’, mlat. ‘die Sache betreffend, sachlich, wesentlich’, zu lat. rēs ‘Sache, Ding, Wesen, Angelegenheit, Ereignis, Erscheinung, Interesse, Vorteil, Rechtssache’. Vielfach erstes Glied in Zusammensetzungen im Sinne von ‘auf die Wirklichkeit, auf die Praxis ausgerichtet, die Dinge betreffend’, vgl. Realschule, Reallexikon ‘Sachwörterbuch’, Realwissenschaften (18. Jh.), Realpolitik (19. Jh.). Dazu die verneinende Bildung (s. ↗in-) irreal Adj. ‘nicht wirklich, nicht der Wirklichkeit entsprechend’ (20. Jh.; vgl. frz. irréel, Ende 18. Jh.). Realität f. ‘Wirklichkeit, Tatsache, tatsächliche Beschaffenheit, künstlerische Wahrhaftigkeit’ (Mitte 17. Jh.), auch (meist im Plur., besonders in Bayern und Österreich) ‘Grundbesitz, Liegenschaften’ (Ende 18. Jh.), entlehnt aus mlat. realitas (Genitiv realitatis) ‘Sache, Ding, Wirklichkeit, Grund und Boden’. realisieren Vb. ‘(einen Gedanken, ein Vorhaben) verwirklichen, durchführen’ (Mitte 17. Jh.), speziell ‘Papiergeld in klingende Münze umsetzen, eine Sache zu Geld machen’ (Mitte 18. Jh.), heute auch ‘ein Musik-, Theaterstück aufführen, verfilmen’ (1. Hälfte 20. Jh.); entlehnt aus gleichbed. frz. réaliser (mfrz. realiser ‘ein Kapital vertraglich zu regelmäßigen Zahlungen umwandeln’). In jüngster Zeit (unter Einfluß von engl. to realize) auch ‘klar erkennen, verstehen, begreifen’. Realismus m. ‘Wirklichkeitssinn, der Wirklichkeit entsprechende Haltung gegenüber den tatsächlichen Gegebenheiten und Verhältnissen, Sachlichkeit’, in der Philosophie Bezeichnung für erkenntnistheoretische Grundrichtungen, die von der Realität der Außenwelt ausgehen (zuerst bezogen auf die Scholastik, die die Allgemeinbegriffe als bewußtseinsunabhängige Wirklichkeit auffaßte), gelehrte Bildung (Ende 18. Jh., Kant, Schiller, Goethe) zu real. Als Gestaltungsprinzip in der Kunst seit etwa 1830 geläufig (gleichzeitig mit frz. réalisme). Surrealismus m. Bezeichnung für eine (in Paris entstandene) Strömung in bildender Kunst und Literatur, die, auf Psychoanalyse und Symbolismus fußend, das Irrationale und Unbewußte sowie auch Traum- und Rauscherlebnisse ohne Rücksicht auf Logik und Kausalität darzustellen sucht (1. Hälfte 20. Jh.), nach frz. surréalisme (1924, vgl. frz. sur ‘auf, über’, afrz. sor, sur, aus lat. super ‘oben, auf, darüber’). Dazu im Dt. (ohne frz. Vorbild) surreal Adj. ‘fern der Realität, unwirklich’ (20. Jh.). Realist m. ‘Vertreter des (philosophischen, künstlerischen) Realismus’ (Mitte 18. Jh.), allgemein ‘sachlich denkender und handelnder Mensch’ (Ende 18. Jh.), gebildet (unter Einfluß von frz. réaliste, 16. Jh., engl. realist, 17. Jh.) zu real. realistisch Adj. ‘zum Realismus gehörend, wirklichkeitsnah, sachlich, an der Wirklichkeit orientiert’ (2. Hälfte 19. Jh.). reell Adj. ‘dinglich, sachlich, wirklich, tatsächlich vorhanden’ (um 1700), Entlehnung von gleichbed. frz. réel, afrz. reel, real, das auf spätlat. reālis (s. oben) beruht; im Dt. verwendet wie real. Daneben entwickelt sich (ebenfalls seit etwa 1700) die heute vorherrschende, jedoch unabhängig und abweichend vom Frz. entstandene Bedeutung ‘anständig, ehrlich, ordentlich’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Expressionist Idealist Impressionist Konstruktivist Moralist Mystiker Naturalist Nomenliste Optimist Pessimist Phantast Pragmatiker Romantiker Schlage Surrealist Symbolist Träumer Utopist Visionär Zyniker bekennend expressiv hartgesotten illusionslos kalkulierend knallhart magisch norddeutsch nüchtern phantastisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Realist‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber das tut ohnehin keiner, auch der Schweizer selbst ist dafür zu sehr Realist.
Süddeutsche Zeitung, 23.07.1999
Er sei ein "Realist", sagt er, einer "konservativen Ästhetik" verpflichtet.
Der Tagesspiegel, 15.12.1998
Eine Stunde später bekannte er, daß er froh sei, nach langer Zeit wieder mit einem Realisten von Format zu sprechen.
Nadolny, Sten: Selim oder Die Gabe der Rede, München: Piper 1997 [1990], S. 251
Andere waren es ursprünglich, öffneten aber später auch den Realisten ihre Tore.
o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 20852
Er selbst sei ein Realist; dies müsse auch der Generalsekretär sein, sonst werde er keinen Erfolg haben.
Nr. 2: Gespräch Kohl mit Gorbatschow vom 12. Juni 1989. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 708
Zitationshilfe
„Realist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Realist>, abgerufen am 20.11.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Realismus
Realisierungsmöglichkeit
Realisierungsform
Realisierungschance
Realisierung
Realistik
realistisch
realistischerweise
Realität
Realitätenhändler