Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Redensart, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Redensart · Nominativ Plural: Redensarten
Aussprache  [ˈʀeːdn̩sˌʔaːɐ̯t]
Worttrennung Re-dens-art
Wortbildung  mit ›Redensart‹ als Erstglied: redensartlich
eWDG

Bedeutung

häufig gebrauchte Verbindung von Wörtern, geläufige, oft schablonenhafte Wendung
Beispiele:
eine alte, sprichwörtliche, lateinische, übliche, geläufige, förmliche, steife, unwahre, spitze, derbe, dumme, banale Redensart
abwertendeine hausbackene, eingelernte, geschraubte, hochtrabende Redensart
umgangssprachlicheine abgedroschene, alberne Redensart
die Redensart von dem Sohne, der es einst besser haben solle als der Vater [ NablOrtliebsche Frauen92]
abwertend inhaltsloses Gerede
Grammatik: meist im Plural
Beispiele:
das ist nur so eine Redensart, sind nur (allgemeine) Redensarten
leere, faule Redensarten machen
umgangssprachlichjmdn. mit (schönen, freundlichen, tröstlichen) Redensarten abspeisen
saloppjmdn. mit (schönen, freundlichen, tröstlichen) Redensarten besoffen machen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Rede · reden · Redner · rednerisch · beredt · beredsam · Beredsamkeit · redselig · Redensart
Rede f. ‘Äußerung, sinnvolle Wortfolge, Ansprache, Vortrag’, ahd. reda (8. Jh.), redī (9. Jh.), mhd. rede ‘Rechenschaft, Vernunft, Verstand, Sprache, Gespräch, Erzählung’, asächs. reðia ‘Rechenschaft’, mnd. mnl. rēde, nl. rede ‘Verstand, Bewußtsein, Rechenschaft, Argument, Rede’, afries. retha, got. raþjō ‘Abrechnung, Zahl, Rechenschaft’ (mit dazu gebildetem garaþjan ‘zählen’) führen auf germ. *raþjōn und sind wie lat. ratio (Genitiv ratiōnis) ‘Rechnung, Rechenschaft’ Ableitungen mit dem Suffix ie. -i̯ō(n) von mit Dental erweitertem ie. *rē-; dazu auch gerade1, das zweite Kompositionsglied von hundert, raten (s. d.) sowie lat. rērī (ratus sum) ‘bei sich bestimmen, glauben, meinen’ und möglicherweise lit. ríeti ‘(Holz) schichten’. Es handelt sich dabei um eine Form der Wurzel ie. *ar(ə)- ‘zusammenfügen, passen’ (s. Arm). In fester Wendung gebundene Rede ‘Poesie’, eine Prägung der Sprachgesellschaften (17. Jh.). Vom Substantiv abgeleitet reden Vb. ‘sprechen, sich sinnvoll äußern, sagen’, ahd. redōn (9. Jh.), mhd. reden, asächs. reðion, mnd. rēden, redden; mnl. reden, afries. rethia (germ. *raþjan) und (ohne Nachfolge im Nhd.) ahd. redinōn (9. Jh.), mhd. redenen, asächs. reðinon. Redner m. ‘wer eine Rede hält, Vortragender’, ahd. redināri (um 1000), mhd. redenære, Nomen agentis zum Verb ahd. redinōn. rednerisch Adj. ‘in der Art eines guten Redners’ (17. Jh.). beredt Part.adj. ‘redegewandt, gesprächig’ (15. Jh.), verkürzt aus mhd. beredet sīn ‘mit Rede begabt sein, zu sagen wissen’, zu mhd. bereden ‘wovon reden, etw. mündlich festsetzen, durch mündliche Rede gütlich beilegen’, rechtssprachlich ‘beweisen, dartun, überführen, vor Gericht verteidigen’; vgl. ahd. biredinōn ‘überführen, überreden’ (9. Jh.). beredsam Adj. ‘redegewandt’ (17. Jh.); Beredsamkeit f. ‘Redegewandtheit, Redegabe’ (16. Jh.). redselig Adj. ‘geschwätzig’ (15. Jh.). Redensart f. ‘geläufige, feststehende sprachliche Wendung’, Übersetzung (Anfang 17. Jh.) von gleichbed. frz. manière de parler (jünger façon de parler).

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Redensart · Redeweise · Redewendung  ●  (nur so ein) Spruch  ugs. · Idiom  geh. · Phrasem  fachspr. · Phraseologismus  fachspr. · feste Fügung  fachspr. · idiomatische Redewendung  fachspr. · idiomatische Wendung  fachspr. · phraseologische Wortverbindung  fachspr. · stehende Wendung  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Redensart‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Redensart‹.

Verwendungsbeispiele für ›Redensart‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das war eine ständige Redensart dieses so unerhört gebildeten Mannes. [Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 146]
Freilich war hier die Redensart kaum im oberflächlichen Sinne zutreffend. [Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann – Fischer 1947 [1933], S. 165]
Damit erklärte sich auch die ursprüngliche Beschränkung der Redensart auf Mädchen. [Röhrich, Lutz: Ankratz, ankratzen. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 287]
Auch die Redensart scheint sich in leicht veränderter Form erhalten zu haben. [Röhrich, Lutz: Rübezahl. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 8718]
Das war eine gängige Redensart in den Jahrzehnten vor der Französischen Revolution von 1789. [Der Spiegel, 17.11.1986]
Zitationshilfe
„Redensart“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Redensart>.

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