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Reich, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Reich(e)s · Nominativ Plural: Reiche
Aussprache
Wortbildung mit ›Reich‹ als Erstglied: ↗Reichsabgabenordnung · ↗Reichsacht · ↗Reichsamt · ↗Reichsapfel · ↗Reichsarmee · ↗Reichsautobahn · ↗Reichsbahn · ↗Reichsbahnausbesserungswerk · ↗Reichsbahndirektion · ↗Reichsbank · ↗Reichsbanknote · ↗Reichsbanner · ↗Reichsbürger · ↗Reichsdeutsche · ↗Reichsgeier · ↗Reichsgericht · ↗Reichsgraf · ↗Reichsgründer · ↗Reichshauptstadt · ↗Reichsicherheitshauptamt · ↗Reichsinsignien · ↗Reichskammergericht · ↗Reichskanzlei · ↗Reichskanzler · ↗Reichskleinod · ↗Reichsmark · ↗Reichsminister · ↗Reichsparteitag · ↗Reichspfennig · ↗Reichspost · ↗Reichspräsident · ↗Reichsregierung · ↗Reichssicherheitshauptamt · ↗Reichssippenamt · ↗Reichsstadt · ↗Reichsstand · ↗Reichstag · ↗Reichstaler · ↗Reichswehr · ↗reichsdeutsch · ↗reichseigen · ↗reichsmittelbar · ↗reichsunmittelbar
 ·  mit ›Reich‹ als Letztglied: ↗Erbreich · ↗Fabelreich · ↗Frankenreich · ↗Gedankenreich · ↗Geisterreich · ↗Gottesreich · ↗Königreich · ↗Märchenreich · ↗Nachbarreich · ↗Riesenreich · ↗Zauberreich · ↗Zwischenreich
 ·  mit ›Reich‹ als Binnenglied: ↗Zweireichelehre
eWDG, 1974

Bedeutung

Herrschaftsgebiet eines Kaisers, Königs, Staat, in dem Länder, Provinzen, Stammesterritorien unter zentraler Regierung zusammengefasst sind, einem gemeinsamen Oberhaupt unterstehen
Beispiele:
die Entstehung, Auflösung, der Zerfall eines Reiches
die großen, mächtigen Reiche des Altertums
historisch das Reich der Babylonier, Assyrer
historisch das Reich Karls des Großen
historisch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation
das Deutsche Reich (= staats- und verfassungsrechtliche Bezeichnung für den deutschen Staat von 1871–1945)
das Reichdas Deutsche Reich
Beispiele:
im Norden, Süden des Reiches
Das Reich, seine Gründung und sein Untergang [Tageszeitung1971]
das feudale deutsche Reich bis 1806
Beispiel:
Des Reiches Wohlfahrt leg' ich mit dem Worte, / Des Vaters Leben dir in deine Hand [SchillerPiccolominiV 1]
Beispiel:
nazistisch das Dritte Reich (= von den Nazis geprägte Bezeichnung für den nationalsozialistischen deutschen Staat)
bildlich Bereich
Beispiele:
Da ... die Erwachsenen höchstens einmal in den vordersten Teil des Gartens kamen, war der hintere Teil mein alleiniges Reich [RennKindheit88]
wie sie selbst als Knaben lebten und die Straßen ihr Reich waren [A. ZweigDe Vriendt101]
gehoben, übertragen
Beispiele:
das Reich der Kunst, Poesie, Dichtung, Gedanken, Träume, Fantasie
das Reich der Töne (= die Musik)
diese Nachricht gehört in das Reich der Fabel (= ist nicht wahr)
Religion das Reich Gottes
Religion das himmlische Reich
So lange er im Reich seiner Vorstellung lebt [HardenKöpfe285]
Es schien, als hätten ihn seine Visionen von den Toten bei Verdun selbst hinabgezogen in das Reich der Schatten [WildenhainSchauspieler136]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reich · Reichstag · Pflanzenreich · Tierreich
Reich n. ‘Herrschaftsgebiet (eines Kaisers, Königs), Staat, Imperium’, übertragen ‘Bereich’. Für das gemeingerm. Substantiv ahd. rīhhi ‘Herrschaft, Reich, Gegend, Landschaft, Umgebung, Bereich, Himmelsrichtung’ (8. Jh.), mhd. rīch(e) ‘Herrschaft, beherrschtes Land, Reich, Regierung’, asächs. anord. rīki ‘Reich, Herrschaft, Macht’, mnd. mnl. rīke, nl. rijk ‘Reich, Staat’, aengl. rīce (erhalten in engl. bishopric ‘Bistum’), schwed. rike, got. reiki ‘Reich, Herrschaft, Obrigkeit’ wird (wie für got. reiks, aengl. rīca ‘Herrscher’ und das Adjektiv ↗reich, s. d.) Herkunft aus dem Kelt. angenommen. In diesem Falle ist germ. *rīkja- ‘Herrschaft’ entweder als direkte Entlehnung (vor der germ. Lautverschiebung mit germ. k aus g) aus kelt. *rīgiom (ie. *rēg̑i̯om; vgl. mir. rīge ‘Königsherrschaft’ und Ortsnamen wie Icorigium) oder als ja-Bildung zu germ. *rīk- ‘Herrscher, Obrigkeit’ (vgl. got. reiks, s. oben) aufzufassen, das seinerseits aus kelt. *rīgs (ie. *rēg̑s, lat. rēx ‘König’; vgl. air. , Genitiv rīg) stammt. Auszugehen ist (bei kelt. ī aus ie. ē) von der unter ↗recht (s. d.) angeführten Wurzel ie. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’. Auf den Zusammenhang der Übernahme des Wortes als Herrschertitel und als Bestandteil von Personennamen aus dem Kelt. deutet de Vries Nl. 576 hin. Er verweist auf die zahlreichen (zunächst latinisiert überlieferten) germ. Namen wie Theuderīcus (nhd. Dietrich), Ermanarīcus, Childericus nach dem Vorbild gall. Namen wie (in lat. Überlieferung) Vercingetorīx, Dumnorīx. Echt germ. Bildungen zur oben genannten Wurzel liegen vor in anord. -rekr, -reki ‘Herrscher, Fürst’ in den Zusammensetzungen folkrekr, landreki und in Personennamen (Gautrekr). Dagegen lehnt Trier in: Nachr. d. Akad. d. Wiss. Göttingen, Phil.-hist. Kl. (1943) 535 ff. eine Entlehnung vor der germ. Lautverschiebung ab und meint, daß das g der kelt. Formen durch Anlehnung an eine im Germ. bestehende Wortsippe der „Zaun- und Hege“-Basis (*rīk-) zu k geworden und eine Bedeutung ‘Macht, Herrschaft’ aus dem Begriff der ‘Einhegung’ hervorgegangen sei. v. Polenz in: ZfdPh 76 (1957) 80 ff. weist kelt. Herkunft der Wortgruppe ab. Er macht geltend, daß Reich von ahd. Zeit an bis ins 19. Jh. nicht auf ‘Macht’ und ‘Herrschaft’ beschränkt sei, es stehe in vornehmlich unpolitischer Verwendung als allgemeine Raumbezeichnung im Sinne von ‘Bereich’, bezeichne also ‘Landschaft, Gegend, Umgebung, Bereich, Himmelsrichtung’, vgl. ahd. erdrīhhi ‘das Reich auf Erden, Erdreich, -oberfläche, -boden’ (um 800), woroltrīhhi ‘Welt(reich)’ (9. Jh.), himilrīhhi ‘Himmelreich’ (9. Jh.), ōstarrīhhi ‘Morgenland, Orient’ (8. Jh.). Zugrundeliegendes germ. *rīkja- ‘Bereich’ stelle sich danach als ablautende Bildung zu dem unter ↗reichen (s. d.) behandelten westgerm. jan-Verb, das selbst, zur Ablautstufe germ. *raik- gebildet, zur Wurzel ie. *rēig̑- ‘recken, ausstrecken’ gehöre. Die Bedeutung ‘Macht, Herrschaft’ sei aus ‘Bereich, räumliche Erstreckung’ hervorgegangen, eine Entwicklung, die semantisch (auch angesichts der genannten Beispiele und der gesamten zu Reich gehörenden Wortgruppe, s. ↗reich) wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat. Reichstag m. (zuerst Worms 1495) Versammlung der deutschen Reichsstände (bis 1806), danach das Parlament des Norddeutschen Bundes bzw. Deutschen Reiches. Pflanzenreich n. ‘(geordneter) Bereich, Gesamtheit der Pflanzen in ihrer Verschiedenartigkeit’, Tierreich n. ‘(geordneter) Bereich, Gesamtheit der Tiere in ihrer Verschiedenartigkeit’ (beide 18. Jh.), Übersetzungen der in der lat. Wissenschaftssprache entwickelten Fügungen botan.-lat. regnum plantarum und zoolog.-lat. regnum animalium.

Thesaurus

Synonymgruppe
Unterbegriffe
  • Großösterreich · Schwarzenberg-Bruck-Plan · Schwarzenberg-Plan · Siebzig-Millionen-Reich
  • Neupersisches Reich · Sassanidenreich
  • Achämenidenreich · Altpersisches Reich
  • Chaldäerreich · neubabylonisches Reich · spätbabylonisches Reich
Assoziationen
Synonymgruppe
Reich  biologisch · Regnum  fachspr.
Oberbegriffe
  • Domäne  fachspr., biologisch
Unterbegriffe
  • Stamm  biologisch · Divisio (nur i.d. Botanik)  fachspr. · ↗Phylum  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arm Böse Fabel Freiheit Grenze Hauptstadt Kaiser Kluft Mitte Nation Phantasie Schere Tote Traum Untergang Zusammenbruch alt byzantinisch deutsch dritt großdeutsch heilig mittel osmanisch russisch römisch tausendjährig untergehen verweisen viert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Reich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In diesem Jahre 274 war die Einheit des Reichs endlich wiederhergestellt.
Pflaum, Hans-Georg: Das römische Kaiserreich. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20885
Der Führer ist stets der erste Arbeiter des Reiches gewesen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1939]
Und wie sah es nach innen aus in diesem damalig deutschen Reich?
o. A.: Kundgebung in Prachatitz: Feierliche Eingliederung des Böhmerwaldgebietes in den Gau "Bayerische Ostmark" der NSDAP, 22.01.1939
Es ist aber auch wie alle Leistungen im neuen Reich zugleich ein Werk des deutschen Volkes.
o. A.: Stapellauf des Schlachtschiffes "Scharnhorst" von der Marine-Werft in Wilhelmshaven, 03.10.1936
Das Reich muß sich darauf beschränken, die große politische Führung in die Hand zu nehmen.
Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 10.03.1921
Zitationshilfe
„Reich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Reich>, abgerufen am 22.02.2019.

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