Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Reif, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Reif(e)s · Nominativ Plural: Reife
Aussprache  [ʀaɪ̯f]
Wortbildung  mit ›Reif‹ als Erstglied: Reifrock · Reifspiel  ·  mit ›Reif‹ als Letztglied: Armreif · Ehereif · Fingerreif · Goldreif · Haarreif · Kronreif · Stegreif · Stirnreif

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [gehoben] Reifen
  2. 2. [dichterisch] Armreif, Fingerring oder Diadem
eWDG

Bedeutungen

1.
gehoben Reifen
Beispiel:
Die Stange wieder ist mit dem eisernen Reif verbunden, der um seinen nackten Leib liegt […] [ B. FrankTrenck254]
2.
dichterisch Armreif, Fingerring oder Diadem
Beispiele:
ein silberner, zierlicher, kostbarer Reif
sie trägt Reife, einen Reif (am Arm, Handgelenk)
[…] eine in den Reif eingelassene, erhabene weiße Perle […] [ Th. MannKrull8,405]
Du Reif, du schienst ein Teil des Hauptes selbst zu sein […] [ Hofmannsth.Großes Welttheater320]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reif1 · Reep · Reifen
Reif1 m. ‘ringförmiges Schmuckstück bzw. Spielzeug’, ahd. reif ‘Seil, Strick’ (8. Jh.), ‘Ring, Kreis’ (um 800), mhd. reif ‘Seil, Strick, Streifen, Band, Fessel, Ring, Gebinde, Faß’, mnd. rēp ‘Seil, Tau, Strick’, mnl. nl. reep, aengl. rāp, engl. rope, anord. reip, schwed. rep, got. in skaudaraip ‘(Schuh)riemen’ (germ. *raipa-) gehört vermutlich im Sinne von ‘abgerissener, abgeschnittener Streifen’ mit den unter reffen (s. d.) angeführten Formen zu ie. *reip-, einer Labialerweiterung der unter Rain, reif, Reihe (s. d.) genannten Wurzel ie. *rei- ‘ritzen, reißen, schneiden’. Die Bedeutung ‘Seil, Tau’ bewahrt nd. Reep n. vgl. Fallreep (s. fallen) und Reeperbahn (eigentlich ‘Seilerbahn, langer Platz, wo Seile hergestellt werden’). Reifen m. ‘ringförmiges eisernes Faßband, die Felge umgebender, meist aus luftgefülltem Gummischlauch und Decke bestehender Teil eines Rades an Fahrzeugen, zur Gymnastik oder als Kinderspielzeug dienender Ring’ (18. Jh.), mit der Endung -en aus den schwach flektierten Formen von (ahd. mhd. stark flektiertem) Reif1 (s. oben).

Verwendungsbeispiele für ›Reif‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In ihrem Reif stecken nur noch die Reste von 15 Zweigen. [Bild, 17.12.2002]
Nach den guten Weiten zuvor hatte ich natürlich von diesem Gold geträumt ", sagte Reif in der Stunde des Triumphes. [Die Zeit, 01.08.2010 (online)]
Fünf Jahre danach ist Reif zum ersten Mal wieder am Ort des damaligen Geschehens. [Die Zeit, 19.03.2003, Nr. 12]
Welchen Platz wollen Sie Reif ohne die Champions League noch bieten? [Süddeutsche Zeitung, 07.05.1999]
Reif für das eigene Restaurant, reif für die eigene Küche. [Süddeutsche Zeitung, 19.08.1996]
Zitationshilfe
„Reif“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Reif#1>.

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Reif, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Reif(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [ʀaɪ̯f]
Wortbildung  mit ›Reif‹ als Erstglied: Reifbildung · Reifpilz · Reifweide · reifbehangen
 ·  mit ›Reif‹ als Letztglied: Frühreif · Morgenreif · Nachtreif · Raureif
 ·  formal verwandt mit: reifen2
Herkunft Herkunft unsicher
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
kristalliner Überzug aus Eis, der sich aus gefrorener Luftfeuchtigkeit (besonders in Bodennähe) an Pflanzen und Gegenständen gebildet hat
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: mit Reif überzogen
in Koordination: Schnee, Frost und Reif
Beispiele:
Spinnennetze mit Reif bedeckt [Überschrift] […]. Wer in den frühen Morgenstunden unterwegs ist, erblickt in dieser Jahreszeit an Sträuchern und Hecken mit Reif umgebene Spinnennetze. [Leipziger Volkszeitung, 01.11.2003]
dichterischZarter Frost und Reif hüllen die schlafende Pflanzenwelt in einen kristallenen Mantel. [Neue Westfälische, 13.02.2021]
Die Körnchen des Reifs erinnern den Erzähler an Kristallzucker[…]. [Die Welt, 29.11.2014]
Bei stärkerer Abkühlung der mit Wasserdampf angereicherten oder gar gesättigten Luft kann das »Wolkenwasser« nicht mehr gehalten werden und fällt nun in Form von Niederschlägen als Regen, Schnee, Hagel, als Tau und Reif auf die Erde zurück. [Kölling, Alfred: Fachbuch für Kellner. Leipzig: Fachbuchverl. 1962 [1956], S. 98]
übertragen, dichterischAls die Eltern nach der Hochzeitsreise diese Räume, die geschaffen schienen, Liebe und Freude in sich zu schließen, betraten, war auf ihr Eheglück schon ein Reif gefallen. [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.): Deutsche Literatur von Frauen. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 9184]
2.
die obersten weißen Haarspitzen eines Gamsbarts
Beispiele:
Für den Gamsbart geeignet sind nur Haare mit einem »Reif«, also einer weißen Spitze. [Münchner Merkur, 23.08.2018]
Die hellen Spitzen, der sogenannte »Reif«, sind bei echtem Gamshaar nur wenige Millimeter lang. Gamsbärte, insbesondere große Exemplare, sind recht teuer; günstiger[…] ist ein Hirschbart, bei dem der »Reif« bis zu 2 cm lang sein kann. [Mittelbayerische, 18.07.2016]
Der Gamsbart ist ein zur Tracht gehörender Hutschmuck. Er wird aus den Rückenhaaren von Gamsböcken zusammengebunden und an einen Hut gesteckt. Ende November hat das Gamsfell die optimale Länge und Beschaffenheit, um die einzelnen Haare zu einem Büschel zusammenzubinden. Die oberen Haare sind an der Spitze weiß (der sogenannte »Reif«), was dem Gamsbart ein weiches Aussehen verleiht. [Lexikon Gamsbart & Gamsradl, 24.04.2014, aufgerufen am 01.03.2021]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reif2 · reifen1
Reif2 m. kristalline Eisablagerung in Bodennähe (am Boden, an Zweigen, an Gegenständen), ‘gefrorener Tau’. Die Herkunft des nur im Dt. und Nl. begegnenden Substantivs ahd. (h)rīfo (8. Jh.), (h)rīf (Hs. 12. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. hrīpo, mnd. rīpe, mnl. rīpe, rijp, nl. rijp (germ. *hreipan-) ist ungewiß. Zieht man mnd. rīm ‘Reif’, mnl. nl. rijm, aengl. hrīm ‘Frost’, engl. rime, anord. hrīm, hrīmi, schwed. rimfrost ‘(Rauh)reif’ (germ. *hreima-) sowie mhd. rīmeln, berīmeln, nhd. (bair. öst.) reimen, reimeln ‘mit Reif überzogen werden’ und das starke Verb ahd. (h)rīnan ‘berühren, treffen’ (8. Jh.), asächs. hrīnan ‘berühren’, mnl. gerīnen, aengl. hrīnan, anord. hrīna ‘berühren, treffen, in Erfüllung gehen’, außergerm. lit. krėnà ‘Haut auf gekochten Speisen, besonders auf gekochter Milch’ (eigentlich ‘was man abstreift, abrahmt’) heran, so können die genannten Formen im Sinne von ‘was durch Berührung abgestreift werden kann’ teils zu einer Labial-, teils zu einer Nasalerweiterung der Wurzel ie. *krei- ‘über etw. hinstreifen, berühren’ gestellt werden. reifen1 Vb. unpersönlich ‘Reif fällt, bildet sich’ (15. Jh.), nd. rīpen, nl. rijpen; daneben mhd. rīmeln (s. oben).
Zitationshilfe
„Reif“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Reif#2>.

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