Reif, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Reif(e)s · Nominativ Plural: Reife
Aussprache
Wortbildung mit ›Reif‹ als Erstglied: ↗Reifrock · ↗Reifspiel  ·  mit ›Reif‹ als Letztglied: ↗Armreif · ↗Ehereif · ↗Fingerreif · ↗Goldreif · ↗Haarreif · ↗Kronreif · ↗Stegreif · ↗Stirnreif
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
gehoben Reifen
Beispiel:
Die Stange wieder ist mit dem eisernen Reif verbunden, der um seinen nackten Leib liegt [B. FrankTrenck254]
2.
dichterisch Armreif, Fingerring oder Diadem
Beispiele:
ein silberner, zierlicher, kostbarer Reif
sie trägt Reife, einen Reif (am Arm, Handgelenk)
eine in den Reif eingelassene, erhabene weiße Perle [Th. MannKrull8,405]
Du Reif, du schienst ein Teil des Hauptes selbst zu sein [Hofmannsth.Großes Welttheater320]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reif1 · Reep · Reifen
Reif1 m. ‘ringförmiges Schmuckstück bzw. Spielzeug’, ahd. reif ‘Seil, Strick’ (8. Jh.), ‘Ring, Kreis’ (um 800), mhd. reif ‘Seil, Strick, Streifen, Band, Fessel, Ring, Gebinde, Faß’, mnd. rēp ‘Seil, Tau, Strick’, mnl. nl. reep, aengl. rāp, engl. rope, anord. reip, schwed. rep, got. in skaudaraip ‘(Schuh)riemen’ (germ. *raipa-) gehört vermutlich im Sinne von ‘abgerissener, abgeschnittener Streifen’ mit den unter ↗reffen (s. d.) angeführten Formen zu ie. *reip-, einer Labialerweiterung der unter ↗Rain, ↗reif, ↗Reihe (s. d.) genannten Wurzel ie. *rei- ‘ritzen, reißen, schneiden’. Die Bedeutung ‘Seil, Tau’ bewahrt nd. Reep n. vgl. Fallreep (s. ↗fallen) und Reeperbahn (eigentlich ‘Seilerbahn, langer Platz, wo Seile hergestellt werden’). Reifen m. ‘ringförmiges eisernes Faßband, die Felge umgebender, meist aus luftgefülltem Gummischlauch und Decke bestehender Teil eines Rades an Fahrzeugen, zur Gymnastik oder als Kinderspielzeug dienender Ring’ (18. Jh.), mit der Endung -en aus den schwach flektierten Formen von (ahd. mhd. stark flektiertem) ↗Reif (s. oben).

Reif2 · reifen1
Reif2 m. kristalline Eisablagerung in Bodennähe (am Boden, an Zweigen, an Gegenständen), ‘gefrorener Tau’. Die Herkunft des nur im Dt. und Nl. begegnenden Substantivs ahd. (h)rīfo (8. Jh.), (h)rīf (Hs. 12. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. hrīpo, mnd. rīpe, mnl. rīpe, rijp, nl. rijp (germ. *hreipan-) ist ungewiß. Zieht man mnd. rīm ‘Reif’, mnl. nl. rijm, aengl. hrīm ‘Frost’, engl. rime, anord. hrīm, hrīmi, schwed. rimfrost ‘(Rauh)reif’ (germ. *hreima-) sowie mhd. rīmeln, berīmeln, nhd. (bair. öst.) reimen, reimeln ‘mit Reif überzogen werden’ und das starke Verb ahd. (h)rīnan ‘berühren, treffen’ (8. Jh.), asächs. hrīnan ‘berühren’, mnl. gerīnen, aengl. hrīnan, anord. hrīna ‘berühren, treffen, in Erfüllung gehen’, außergerm. lit. krėnà ‘Haut auf gekochten Speisen, besonders auf gekochter Milch’ (eigentlich ‘was man abstreift, abrahmt’) heran, so können die genannten Formen im Sinne von ‘was durch Berührung abgestreift werden kann’ teils zu einer Labial-, teils zu einer Nasalerweiterung der Wurzel ie. *krei- ‘über etw. hinstreifen, berühren’ gestellt werden. reifen1 Vb. unpersönlich ‘Reif fällt, bildet sich’ (15. Jh.), nd. rīpen, nl. rijpen; daneben mhd. rīmeln (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Reif · ↗Ring
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Raufrost · Reif  ●  ↗Raureif  Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen
  • bereift · mit Reif bedeckt · mit Reif überzogen · reifbedeckt · reifüberzogen · von Reif bedeckt · von Reif überzogen
  • Frühtau · ↗Morgentau  ●  ↗Tau  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abitur Ausweis Beckenbauer Berufsausbildung Erlangung Frost Frühlingsnacht Hauptschulabschluß Nässe Realschule Stadium Tau Traube Unreife Urteilsvermögen Verantwortungsbewußtsein Zeichen Zeugnis attestieren charakterlich demokratisch erlangen geschlechtlich mangelnd mittel quietschend sittlich staatsbürgerlich zivilisatorisch überziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Reif‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In ihrem Reif stecken nur noch die Reste von 15 Zweigen.
Bild, 17.12.2002
Mai beginnt schön, doch in den letzten Tagen starker Reif.
Die Zeit, 14.01.1999, Nr. 3
Ohnehin sieht man den schmalen Reif nur noch selten im realen Leben.
Süddeutsche Zeitung, 26.10.1995
Das Gesicht, in das sie blickte, war bläulich, Reif klebte an den Haaren.
Jentzsch, Kerstin: Ankunft der Pandora, München: Heyne 1997 [1996], S. 218
Am Morgen wurde es bitter kalt, und manchmal lag bei Sonnenaufgang ein wenig Reif auf den Gräsern.
Hartung, Hugo: Ich denke oft an Piroschka, Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 1980 [1954], S. 139
Zitationshilfe
„Reif“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Reif#1>, abgerufen am 23.07.2019.

Weitere Informationen …

Reif, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Reif(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Reif‹ als Erstglied: ↗Reifbildung · ↗Reifweide  ·  mit ›Reif‹ als Letztglied: ↗Frühreif · ↗Morgenreif · ↗Nachtreif · ↗Raureif
eWDG, 1974

Bedeutung

kristalliner Überzug aus Eis, der sich in kalten Nächten durch Sublimation des Wasserdampfes an Pflanzen und Gegenständen bildet
Beispiele:
Reif ist gefallen
Reif lag auf den Bäumen, Zäunen, Wiesen, Dächern
die Gräser sind von Reif bedeckt, vom Reif überzogen
Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht [Volkslied]
in einem langen und schweren, von abtauendem Reif befeuchteten Mantel [GaiserNascondo227]
bildlich
Beispiel:
daß ihm sogar vor Schreck die Tränen stocken geblieben, und wie gefrorne Tropfen in dem weißen Reife seines Bartes standen [Stifter1,241]
dichterisch, übertragen
Beispiele:
ein Reif ist auf ihre Hoffnungen, Träume gefallen
ein fast tödlicher Reif auf dem zagen Geistesfrühling der Renaissance [Th. Mann11,200]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reif1 · Reep · Reifen
Reif1 m. ‘ringförmiges Schmuckstück bzw. Spielzeug’, ahd. reif ‘Seil, Strick’ (8. Jh.), ‘Ring, Kreis’ (um 800), mhd. reif ‘Seil, Strick, Streifen, Band, Fessel, Ring, Gebinde, Faß’, mnd. rēp ‘Seil, Tau, Strick’, mnl. nl. reep, aengl. rāp, engl. rope, anord. reip, schwed. rep, got. in skaudaraip ‘(Schuh)riemen’ (germ. *raipa-) gehört vermutlich im Sinne von ‘abgerissener, abgeschnittener Streifen’ mit den unter ↗reffen (s. d.) angeführten Formen zu ie. *reip-, einer Labialerweiterung der unter ↗Rain, ↗reif, ↗Reihe (s. d.) genannten Wurzel ie. *rei- ‘ritzen, reißen, schneiden’. Die Bedeutung ‘Seil, Tau’ bewahrt nd. Reep n. vgl. Fallreep (s. ↗fallen) und Reeperbahn (eigentlich ‘Seilerbahn, langer Platz, wo Seile hergestellt werden’). Reifen m. ‘ringförmiges eisernes Faßband, die Felge umgebender, meist aus luftgefülltem Gummischlauch und Decke bestehender Teil eines Rades an Fahrzeugen, zur Gymnastik oder als Kinderspielzeug dienender Ring’ (18. Jh.), mit der Endung -en aus den schwach flektierten Formen von (ahd. mhd. stark flektiertem) ↗Reif (s. oben).

Reif2 · reifen1
Reif2 m. kristalline Eisablagerung in Bodennähe (am Boden, an Zweigen, an Gegenständen), ‘gefrorener Tau’. Die Herkunft des nur im Dt. und Nl. begegnenden Substantivs ahd. (h)rīfo (8. Jh.), (h)rīf (Hs. 12. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. hrīpo, mnd. rīpe, mnl. rīpe, rijp, nl. rijp (germ. *hreipan-) ist ungewiß. Zieht man mnd. rīm ‘Reif’, mnl. nl. rijm, aengl. hrīm ‘Frost’, engl. rime, anord. hrīm, hrīmi, schwed. rimfrost ‘(Rauh)reif’ (germ. *hreima-) sowie mhd. rīmeln, berīmeln, nhd. (bair. öst.) reimen, reimeln ‘mit Reif überzogen werden’ und das starke Verb ahd. (h)rīnan ‘berühren, treffen’ (8. Jh.), asächs. hrīnan ‘berühren’, mnl. gerīnen, aengl. hrīnan, anord. hrīna ‘berühren, treffen, in Erfüllung gehen’, außergerm. lit. krėnà ‘Haut auf gekochten Speisen, besonders auf gekochter Milch’ (eigentlich ‘was man abstreift, abrahmt’) heran, so können die genannten Formen im Sinne von ‘was durch Berührung abgestreift werden kann’ teils zu einer Labial-, teils zu einer Nasalerweiterung der Wurzel ie. *krei- ‘über etw. hinstreifen, berühren’ gestellt werden. reifen1 Vb. unpersönlich ‘Reif fällt, bildet sich’ (15. Jh.), nd. rīpen, nl. rijpen; daneben mhd. rīmeln (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Reif · ↗Ring
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Raufrost · Reif  ●  ↗Raureif  Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen
  • bereift · mit Reif bedeckt · mit Reif überzogen · reifbedeckt · reifüberzogen · von Reif bedeckt · von Reif überzogen
  • Frühtau · ↗Morgentau  ●  ↗Tau  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abitur Ausweis Beckenbauer Berufsausbildung Erlangung Frost Frühlingsnacht Hauptschulabschluß Nässe Realschule Stadium Tau Traube Unreife Urteilsvermögen Verantwortungsbewußtsein Zeichen Zeugnis attestieren charakterlich demokratisch erlangen geschlechtlich mangelnd mittel quietschend sittlich staatsbürgerlich zivilisatorisch überziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Reif‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Reif für den praktischen Einsatz seien die Erkenntnisse aber noch lange nicht.
Der Tagesspiegel, 22.10.2004
Mai beginnt schön, doch in den letzten Tagen starker Reif.
Die Zeit, 14.01.1999, Nr. 3
Reif ausgebildet gibt es ihn bes. in der Architektur der Antike und der Renaissance.
o. A.: Lexikon der Kunst - K. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 9926
Das Gesicht, in das sie blickte, war bläulich, Reif klebte an den Haaren.
Jentzsch, Kerstin: Ankunft der Pandora, München: Heyne 1997 [1996], S. 218
Am Morgen wurde es bitter kalt, und manchmal lag bei Sonnenaufgang ein wenig Reif auf den Gräsern.
Hartung, Hugo: Ich denke oft an Piroschka, Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 1980 [1954], S. 139
Zitationshilfe
„Reif“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Reif#2>, abgerufen am 23.07.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Reichweite
reichverziert
Reichtum
reichsweit
Reichswehr
reifbehangen
Reifbildung
Reife
Reifegrad
reifeln