Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Reifen, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Reifens · Nominativ Plural: Reifen
Aussprache  [ˈʀaɪ̯fn̩]
Worttrennung Rei-fen
eWDG

Bedeutungen

1.
kreisförmiges Band, das etw. umgibt oder zusammenhält, besonders Fässer
Beispiele:
ein Fass mit Reifen beschlagen
Reifen um eine Holzwanne legen
ein hölzerner, eiserner, stählerner Reifen
ein Reifen aus Holz, Eisen, Stahl
2.
die Felge umfassender äußerer Teil eines Rades an Kraftfahrzeugen und Fahrrädern, der meist aus luftgefülltem Gummischlauch und Decke besteht
Beispiele:
den Reifen aufziehen, aufpumpen, flicken, abmontieren, wechseln
am Fahrrad ist ein Reifen geplatzt
die Reifen sind abgefahren
der Reifen muss erneuert werden
ein schlauchloser Reifen
die Reifen des Autos quietschten
Er hörte vor lauter Eifer nicht, wie draußen die Reifen des Autos im Sand knirschten [ NossackNovember42]
sie merkt sich seine Wagennummer – er soll sich bloß nicht wundern, wenn seine Reifen morgen früh zerschnitten sind [ FalladaWolf1,419]
3.
großer Ring, meist aus Holz
a)
der zur Gymnastik und als Kinderspielzeug verwendet wird
Beispiele:
eine Massenübung mit Reifen
den Reifen treiben, fangen
mit Reifen spielen
kleine Geschichten von kleinen Mädchen, die zwischen liebestollen Tulpenbeeten Reifen werfen [ MusilMann448]
b)
der bei der Vorführung dressierter Tiere verwendet wird
Beispiel:
den Löwen, Hund durch einen Reifen springen lassen
4.
ringförmiger Gegenstand, der als Schmuckstück verwendet wird, besonders Armreif, Fingerring, Diadem
Beispiele:
sie trägt einen Reifen am Arm, im Haar
Er betrachtet das gepreßte Eisenbild des Königs in dem dünnen goldenen Reifen [ R. Dehmel7,158]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reif1 · Reep · Reifen
Reif1 m. ‘ringförmiges Schmuckstück bzw. Spielzeug’, ahd. reif ‘Seil, Strick’ (8. Jh.), ‘Ring, Kreis’ (um 800), mhd. reif ‘Seil, Strick, Streifen, Band, Fessel, Ring, Gebinde, Faß’, mnd. rēp ‘Seil, Tau, Strick’, mnl. nl. reep, aengl. rāp, engl. rope, anord. reip, schwed. rep, got. in skaudaraip ‘(Schuh)riemen’ (germ. *raipa-) gehört vermutlich im Sinne von ‘abgerissener, abgeschnittener Streifen’ mit den unter reffen (s. d.) angeführten Formen zu ie. *reip-, einer Labialerweiterung der unter Rain, reif, Reihe (s. d.) genannten Wurzel ie. *rei- ‘ritzen, reißen, schneiden’. Die Bedeutung ‘Seil, Tau’ bewahrt nd. Reep n. vgl. Fallreep (s. fallen) und Reeperbahn (eigentlich ‘Seilerbahn, langer Platz, wo Seile hergestellt werden’). – Reifen m. ‘ringförmiges eisernes Faßband, die Felge umgebender, meist aus luftgefülltem Gummischlauch und Decke bestehender Teil eines Rades an Fahrzeugen, zur Gymnastik oder als Kinderspielzeug dienender Ring’ (18. Jh.), mit der Endung -en aus den schwach flektierten Formen von (ahd. mhd. stark flektiertem) Reif1 (s. oben).

Reif2 · reifen1
Reif2 m. kristalline Eisablagerung in Bodennähe (am Boden, an Zweigen, an Gegenständen), ‘gefrorener Tau’. Die Herkunft des nur im Dt. und Nl. begegnenden Substantivs ahd. (h)rīfo (8. Jh.), (h)rīf (Hs. 12. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. hrīpo, mnd. rīpe, mnl. rīpe, rijp, nl. rijp (germ. *hreipan-) ist ungewiß. Zieht man mnd. rīm ‘Reif’, mnl. nl. rijm, aengl. hrīm ‘Frost’, engl. rime, anord. hrīm, hrīmi, schwed. rimfrost ‘(Rauh)reif’ (germ. *hreima-) sowie mhd. rīmeln, berīmeln, nhd. (bair. öst.) reimen, reimeln ‘mit Reif überzogen werden’ und das starke Verb ahd. (h)rīnan ‘berühren, treffen’ (8. Jh.), asächs. hrīnan ‘berühren’, mnl. gerīnen, aengl. hrīnan, anord. hrīna ‘berühren, treffen, in Erfüllung gehen’, außergerm. lit. krėnà ‘Haut auf gekochten Speisen, besonders auf gekochter Milch’ (eigentlich ‘was man abstreift, abrahmt’) heran, so können die genannten Formen im Sinne von ‘was durch Berührung abgestreift werden kann’ teils zu einer Labial-, teils zu einer Nasalerweiterung der Wurzel ie. *krei- ‘über etw. hinstreifen, berühren’ gestellt werden. – reifen1 Vb. unpersönlich ‘Reif fällt, bildet sich’ (15. Jh.), nd. rīpen, nl. rijpen; daneben mhd. rīmeln (s. oben).

reif · Reife · reifen2 · reiflich
reif Adj. ‘im Wachstum voll entwickelt und daher geeignet zur Ernte, erwachsen, erfahren, seelisch ausgeglichen, genügend vorbereitet’, ahd. rīf(i) (8. Jh.), mhd. rīf(e), asächs. rīp(i), afries. rīp, mnd. mnl. aengl. rīpe, engl. ripe, nl. rijp (westgerm. *reipi-) gehört wohl (vgl. Seebold 370 f.) zu einem in aengl. rīpan ‘mähen, ernten’ vorliegenden starken Verb, wozu engl. (schwach flektierend) to reap ‘mähen, ernten’; vgl. auch aengl. rīp ‘Ernte’, riftre, riftere ‘Schnitter’, reopa ‘Garbe’. Das Adjektiv bedeutet also eigentlich ‘was geerntet werden kann’. Man kann vielleicht die unter Riffel (s. d.) genannten Formen heranziehen und an eine Labialerweiterung ie. *reib- der unter Rain (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *rei- ‘ritzen, reißen, schneiden’ anknüpfen. Ursprünglich auf Ähren und Früchte bezogen, die so weit sind, daß sie geschnitten bzw. eingesammelt werden können, wird reif dann auf alles übertragen, was zum Abschluß einer Entwicklung gelangt ist. – Reife f. ‘das Reifsein, Vollendung der Entwicklung’ (16. Jh.; häufiger seit 18. Jh.), aber schon ahd. rīfī (9. Jh.); vgl. mhd. rīfecheit, mnd. rīpicheit ‘Reife’. reifen2 Vb. ‘reif werden, sich entwickeln, reif machen, zur Reife bringen bzw. kommen’, ahd. rīfen, rīfēn (9. Jh.), mhd. rīfen, asächs. rīpon, mnd. mnl. rīpen, nl. rijpen, aengl. rīpian, engl. to ripen. reiflich Adj. ‘eingehend, gründlich’, zuerst (um 1500) Adverb zum Adjektiv reif, seit dem 18. Jh. auch adjektivisch in Verbindung mit Wörtern wie Erwägung, Nachdenken, Überlegung u. dgl.; vgl. ahd. rīflīhho Adv. ‘rechtzeitig, frühzeitig’ (8./9. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bereifung · Luftreifen · Pneu · Reifen  ●  Rad  ugs. · Schluffen  ugs.
Oberbegriffe
  • Komplettbereifung · Komplettreifen · Rad  ●  Walze  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Reifen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Reifen‹.

Concorde Hauptfahrwerk abfahren abgefahren aufpumpen aufschlitzen aufziehen brennend defekt durchdrehend geplatzt platt platzen platzend profillos qualmend quietschen quietschend runderneuert schlauchlos schonen wechseln weich zerstechen zerstochen

Verwendungsbeispiele für ›Reifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In dieser Form gibt sie dem Reifen auch in scharfgefahrenen Kurven einen festen Sitz. [Dillenburger, Helmut: Das praktische Autobuch, Gütersloh: Bertelsmann 1965 [1957], S. 259]
Jetzt hatte er nur noch den hinteren Reifen zu flicken. [Hilsenrath, Edgar: Der Nazi & der Friseur, Köln: Literar. Verl. Braun 1977, S. 93]
Über die genaue Ursache für den kaputten Reifen wurde zunächst nichts bekannt. [Die Zeit, 23.08.2013 (online)]
Wie gut ist das technische Update, wie kommt das Auto mit den neuen Reifen klar? [Die Zeit, 25.07.2013 (online)]
Neue Reifen sollte man schon frühzeitig zum Feinprofilieren (S. 270) bringen. [Dillenburger, Helmut: Das praktische Autobuch, Gütersloh: Bertelsmann 1965 [1957], S. 262]
Zitationshilfe
„Reifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Reifen>.

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