Reis, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Reises · Nominativ Plural: Reiser
Wortbildung mit ›Reis‹ als Erstglied: ↗Reiserbesen  ·  mit ›Reis‹ als Letztglied: ↗Besenreis · ↗Birkenreis · ↗Edelreis · ↗Myrtenreis · ↗Pfropfreis · ↗Steckreis · ↗Tannenreis
eWDG, 1974

Bedeutung

gehoben kleiner Zweig
Beispiele:
frische, grüne, verdorrte Reiser
ein Lagerfeuer aus trockenen Reisern
Kein Wintersturm hatte dem schwanken, zarten Reis etwas an [RaabeElseI 6,218]
nur im Plural
Reisig
Beispiele:
Reiser sammeln
ein Bündel Reiser
Nun saß Lola geborgen unter dem Dach des Holzfällerhüttchens aus Reisern und Moos [H. Mann2,48]
Schößling
Beispiel:
an besonders heimlichen Stellen trieb schon ein erstes scheues Reis [ViebigWeiberdorf195]
übertragen Sprössling
Beispiel:
Joseph, ihr Reis, der wahrhafte Sohn, wuchs heran [Th. MannJoseph3,161]
Pfropfreis
Beispiele:
einem alten Baum ein neues Reis aufpfropfen
ein junges Reis zum Okulieren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reis1 m. Der Name der aus Südostasien stammenden, in tropischen und subtropischen Gebieten angebauten alten Kulturpflanze mhd. rīs m. n. ist, vielleicht vermittelt durch gleichbed. mlat. risus, risum (auch ris(i)a, risi, rizi), aus dem Roman. übernommen, vgl. aprov. afrz. ris (mfrz. frz. riz) und diesen vorausgehendes ital. riso, wahrscheinlich beruhend auf einer (im Ital. als Plur. empfundenen) Form mgriech. rhýzi, rhízi (ῥύζι, ῥίζι), die durch Verlust des griech.-lat. Anlautvokals gekennzeichnet ist. Zugrunde liegt lat. oryza, oriza (spätlat. auch orissa), griech. óryza, óryzon (ὄρυζα, ὄρυζον), das als Entlehnung aus dem Iran. angesehen wird, vgl. afghan. wrižē. Letzte Quelle ist wohl eine ind. Sprache, vgl. aind. vrīhíḥ ‘Reis’.

Reis2 n. ‘junger Trieb, dünner Zweig, Schößling’, auch Kurzform für Pfropf-, Setz-, Senkreis. Ahd. (h)rīs (8. Jh.), mhd. mnd. rīs, asächs. aengl. hrīs, mnl. nl. rijs ‘Reis, Zweig’, anord. hrīs ‘Gesträuch, Gestrüpp, Wald’, norw. schwed. ris (germ. *hreisa-) ist verwandt mit asächs. hrissian ‘zittern, beben’, aengl. hrisian ‘schütteln, bewegen, erschüttert werden, klirren’, got. afhrisjan, ushrisjan ‘abschütteln’ und bedeutet demnach etwa ‘was sich schüttelnd, schwingend, vibrierend bewegt’, so daß man darin zunächst den ‘schwingenden, sich biegenden Zweig’ zu sehen hat. Reis gehört mit ↗Rispe (s. d.) und lat. crīnis (aus *crisnis) ‘(Haupt)haar’, crista ‘Kamm am Tierkopf, Helmbusch’ (deren ursprüngliche Bedeutung etwa ‘sich Schüttelndes, Zitterndes, Wallendes’), apreuß. craysi ‘Halm’, crays Plur. ‘Heu’, mir. cressaim ‘schüttle, schwinge’ zu ie. *(s)kreis-, besonders ‘in vibrierender Bewegung sein, (sich) schütteln’, einer s-Erweiterung von ie. *(s)krei-, seinerseits Erweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’ (wozu mit anderen Erweiterungen ↗schräg, ↗Schrank, ↗Schranke, ↗Ring, ↗Runge, ↗schreiten, ↗Rücken, s. d.; s. auch ↗Reisig).

Thesaurus

Synonymgruppe
Reis [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Banane Baumwolle Bohne Erdnuss Fisch Gemüse Getreide Grundnahrungsmittel Hirse Huhn Hülsenfrucht Kartoffel Linse Mais Maniok Mehl Nudel Salat Soja Sojabohne Speiseöl Tabak Tee Teigware Weizen Zucker Zuckerrohr anbauen gebraten gekocht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Reis‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Unterdessen teilte ein Schweizer Unternehmen mit, den genetischen Code von Reis vollständig entschlüsselt zu haben.
Der Tagesspiegel, 26.01.2001
Jetzt baut fast keiner mehr Reis an, viele Dörfer sind menschenleer.
Süddeutsche Zeitung, 19.11.1999
Wir hatten Reis empfangen; es gelang mir Milch zu fabelhaftem Preise zu beschaffen.
Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 7659
Es war aber bloß Reis in der Milch, und ich mag ihn nicht.
Thoma, Ludwig: Tante Frieda. In: ders., Lausbubengeschichten, Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 1961 [1907], S. 247
Decke ihn nicht mit dem Deckel zu und rühre den Reis auch niemals um!
Braun, Anne u. Nell, Edith: Man muß sich nur zu helfen wissen, Leipzig: Verl. für die Frau 1971, S. 203
Zitationshilfe
„Reis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Reis#1>, abgerufen am 21.02.2019.

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Reis, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Reises · Nominativ Plural: Reise · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Reis‹ als Erstglied: ↗Reisacker · ↗Reisanbau · ↗Reisauflauf · ↗Reisbau · ↗Reisbauer · ↗Reisbier · ↗Reisbranntwein · ↗Reisbrei · ↗Reisernte · ↗Reisessig · ↗Reisfeld · ↗Reisgericht · ↗Reiskorn · ↗Reismehl · ↗Reispapier · ↗Reispflanze · ↗Reispuder · ↗Reisschleim · ↗Reisschnaps · ↗Reisschüssel · ↗Reisstroh · ↗Reisstärke · ↗Reissuppe · ↗Reistag · ↗Reiswein
 ·  mit ›Reis‹ als Letztglied: ↗Apfelreis · ↗Bouillonreis · ↗Bruchreis · ↗Brühreis · ↗Genreis · ↗Milchreis · ↗Naturreis · ↗Perlreis · ↗Puffreis · ↗Rundkornreis
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
aus Ostasien stammende und in tropischen Gebieten angebaute formenreiche Getreideart mit langen, ziemlich breiten Blättern und einblütigen Ährchen
Beispiele:
Reis anbauen
den Reis bewässern
2.
Körner von 1, die als Nahrungsmittel dienen
Beispiele:
polierter, ungeschälter Reis
Reis kochen, abbrühen
Huhn, Pilze mit Reis
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reis1 m. Der Name der aus Südostasien stammenden, in tropischen und subtropischen Gebieten angebauten alten Kulturpflanze mhd. rīs m. n. ist, vielleicht vermittelt durch gleichbed. mlat. risus, risum (auch ris(i)a, risi, rizi), aus dem Roman. übernommen, vgl. aprov. afrz. ris (mfrz. frz. riz) und diesen vorausgehendes ital. riso, wahrscheinlich beruhend auf einer (im Ital. als Plur. empfundenen) Form mgriech. rhýzi, rhízi (ῥύζι, ῥίζι), die durch Verlust des griech.-lat. Anlautvokals gekennzeichnet ist. Zugrunde liegt lat. oryza, oriza (spätlat. auch orissa), griech. óryza, óryzon (ὄρυζα, ὄρυζον), das als Entlehnung aus dem Iran. angesehen wird, vgl. afghan. wrižē. Letzte Quelle ist wohl eine ind. Sprache, vgl. aind. vrīhíḥ ‘Reis’.

Reis2 n. ‘junger Trieb, dünner Zweig, Schößling’, auch Kurzform für Pfropf-, Setz-, Senkreis. Ahd. (h)rīs (8. Jh.), mhd. mnd. rīs, asächs. aengl. hrīs, mnl. nl. rijs ‘Reis, Zweig’, anord. hrīs ‘Gesträuch, Gestrüpp, Wald’, norw. schwed. ris (germ. *hreisa-) ist verwandt mit asächs. hrissian ‘zittern, beben’, aengl. hrisian ‘schütteln, bewegen, erschüttert werden, klirren’, got. afhrisjan, ushrisjan ‘abschütteln’ und bedeutet demnach etwa ‘was sich schüttelnd, schwingend, vibrierend bewegt’, so daß man darin zunächst den ‘schwingenden, sich biegenden Zweig’ zu sehen hat. Reis gehört mit ↗Rispe (s. d.) und lat. crīnis (aus *crisnis) ‘(Haupt)haar’, crista ‘Kamm am Tierkopf, Helmbusch’ (deren ursprüngliche Bedeutung etwa ‘sich Schüttelndes, Zitterndes, Wallendes’), apreuß. craysi ‘Halm’, crays Plur. ‘Heu’, mir. cressaim ‘schüttle, schwinge’ zu ie. *(s)kreis-, besonders ‘in vibrierender Bewegung sein, (sich) schütteln’, einer s-Erweiterung von ie. *(s)krei-, seinerseits Erweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’ (wozu mit anderen Erweiterungen ↗schräg, ↗Schrank, ↗Schranke, ↗Ring, ↗Runge, ↗schreiten, ↗Rücken, s. d.; s. auch ↗Reisig).

Thesaurus

Synonymgruppe
Reis [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Banane Baumwolle Bohne Erdnuss Fisch Gemüse Getreide Grundnahrungsmittel Hirse Huhn Hülsenfrucht Kartoffel Linse Mais Maniok Mehl Nudel Salat Soja Sojabohne Speiseöl Tabak Tee Teigware Weizen Zucker Zuckerrohr anbauen gebraten gekocht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Reis‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Unterdessen teilte ein Schweizer Unternehmen mit, den genetischen Code von Reis vollständig entschlüsselt zu haben.
Der Tagesspiegel, 26.01.2001
Jetzt baut fast keiner mehr Reis an, viele Dörfer sind menschenleer.
Süddeutsche Zeitung, 19.11.1999
Wir hatten Reis empfangen; es gelang mir Milch zu fabelhaftem Preise zu beschaffen.
Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 7659
Es war aber bloß Reis in der Milch, und ich mag ihn nicht.
Thoma, Ludwig: Tante Frieda. In: ders., Lausbubengeschichten, Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 1961 [1907], S. 247
Decke ihn nicht mit dem Deckel zu und rühre den Reis auch niemals um!
Braun, Anne u. Nell, Edith: Man muß sich nur zu helfen wissen, Leipzig: Verl. für die Frau 1971, S. 203
Zitationshilfe
„Reis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Reis#2>, abgerufen am 21.02.2019.

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