Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Religion, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Religion · Nominativ Plural: Religionen
Aussprache 
Worttrennung Re-li-gi-on
Herkunft aus religiolat ‘gewissenhafte Beachtung dessen, was sich auf die Verehrung der Götter bezieht, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit (gegenüber dem Heiligen), religiöses Gefühl, fromme Scheu, Gottesfurcht, Glaube, das Heilige, kultische Verehrung’
eWDG

Bedeutungen

1.
Glaube an vermeintliche überirdische Mächte, Wesen, besonders Götter oder einen Gott als Schöpfer und Lenker der Welt und der Menschen sowie die entsprechende kultische Verehrung
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
über Religion sprechen, streiten
die Religion hatte ihn nicht befriedigt, darum ging er zur exakten Wissenschaft
die Stellung der Religion im gesellschaftlichen Leben
die Religion ist der Seufzer der bedrängten Natur … Sie ist das Opium des Volks [ Marx-EngelsHeilige Familie12]
nun ist alle Religion nichts andres als die phantastische Widerspiegelung, in den Köpfen der Menschen, derjenigen äußern Mächte, die ihr alltägliches Dasein beherrschen, eine Widerspiegelung, in der die irdischen Mächte die Form von überirdischen annehmen [ EngelsAnti-Dühring393]
bildlich
Beispiele:
die Liebe zu ihren Kindern wurde für sie Religion (= das Höchste, Bedeutsamste im Leben)
[Ludwig XIV.] welcher zuerst die Despotie zur Religion erhob [ Dahlm.Franz. Revolution107]
2.
bestimmter, durch Lehre und Satzungen festgelegter Glaube, Glaubensbekenntnis
Beispiele:
die buddhistische, christliche, jüdische, mohammedanische Religion
monotheistische, polytheistische Religionen
einer Religion (= Glaubensgemeinschaft) angehören
jmdn. in einer Religion unterweisen, unterrichten
Schülersprache Religionsunterricht
Grammatik: nur im Singular
Beispiel:
Religion haben wir nicht mehr in der Schule
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Religion · religiös · Religiosität
Religion f. ‘Glaube an als existent vorausgesetzte überirdische, heilige, göttliche Mächte, dessen Lehre (Festlegungen, Dogmen u. dgl.) und seine Ausübung’, entlehnt (1. Hälfte 16. Jh.) aus lat. religio (Genitiv religiōnis) ‘gewissenhafte Beachtung dessen, was sich auf die Verehrung der Götter bezieht, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit (gegenüber dem Heiligen), religiöses Gefühl, fromme Scheu, Gottesfurcht, Glaube, das Heilige, kultische Verehrung’. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Bildung (so bereits Cicero) zu lat. relegere ‘von neuem in Gedanken durchgehen’, eigentlich ‘wieder zusammennehmen, zurücknehmen, wieder, von neuem lesen’ (vgl. lat. legere ‘auflesen, sammeln, auslesen, auswählen, lesen’). Eine andere, ebenfalls antike, jedoch bereits christlich geprägte Auffassung (bei Lactantius, um 300) stellt lat. religio zu lat. religāre ‘zurück-, auf-, anbinden, befestigen’ (vgl. lat. ligāre ‘binden, an-, festbinden, verbinden, vereinigen’); sie wird von Augustin aufgenommen, der religio als ‘Bindung des Menschen an Gott’ begreift, und dadurch Bestandteil der älteren Kirchensprache. religiös Adj. ‘die Religion betreffend, auf ihr beruhend, gläubig, fromm’, Übernahme (um 1700, anfangs in frz. Schreibweise) von gleichbed. frz. religieux (afrz. religios), das im Dt. früher bezeugtes religios (16. Jh., vereinzelt noch im 20. Jh.) zurückdrängt. Älter ist mhd. religiōse m., frühnhd. Religios ‘Priester, Mitglied eines Ordens’, heute (nur noch in der zweiten Bedeutung) meist Plur. die Religiosen. Alle Formen beruhen auf lat. religiōsus ‘gewissenhaft, voll religiöser Scheu, gottesfürchtig, fromm, heilig’, mlat. (substantiviert) auch ‘Mitglied eines Ordens, Mönch, Geistlicher’. Religiosität f. ‘Gläubigkeit, Frömmigkeit’ (2. Hälfte 17. Jh.), spätlat. religiōsitās (Genitiv religiōsitātis); vgl. frz. religiosité (afrz. auch ‘Ordens-, Mönchsleben’).

Thesaurus

Religion
Synonymgruppe
Gottesglauben · Religion · Theismus
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Abraxas [gnostisch] · Adonai [jüdisch] · Allah [islamisch] · Demiurg [gnostisch] · Elohim [jüdisch] · Gott · Herr · Jehova [jüdisch]
Religion
Synonymgruppe
Glaube · Glauben · Glaubensrichtung · Kirche · Religion · Weltanschauung · religiöse Überzeugung
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Gebete zum Himmel schicken · beten · seine Gebete verrichten
Religion
Synonymgruppe
Religion · religiöse Bewegung

Typische Verbindungen zu ›Religion‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Religion‹.

Verwendungsbeispiele für ›Religion‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Mann hat von Religion mehr begriffen als viele Christen. [Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 180]
Bevor wir christlich geworden seien, hätten wir nämlich auch schon eine Religion gehabt. [Walser, Martin: Ein springender Brunnen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1998, S. 165]
Die aufkommende Denkweise der Theorie setzte sich dann unter dem Namen Logos als vernünftig einsehbar von den erzählten Geschichten der überlieferten Religion ab. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 173]
In diesem Sinn hat man von einem »Überflüssigwerden« der Religion sprechen können. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 896]
Mit der jüdischen Religion, überhaupt mit jeder Art von Glauben, hatte er ebensowenig im Sinn wie seine Frau. [Die Zeit, 14.10.1999, Nr. 42]
Zitationshilfe
„Religion“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Religion>.

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