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Ressentiment, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ressentiments · Nominativ Plural: Ressentiments
Aussprache 
Worttrennung Res-sen-ti-ment
Herkunft aus gleichbedeutend ressentimentfrz
eWDG

Bedeutung

gefühlsmäßige starke Abneigung gegenüber Personen, Sachen, heimlicher, stiller Vorbehalt, Groll, der durch (vermeintlich) erlittenes Unrecht bedingt ist
Beispiele:
(persönliche) Ressentiments haben
er lässt sich in seinem Handeln zu sehr von Ressentiments leiten
das menschliche Ressentiment gegen die Maschine, das mich ärgert, weil es borniert ist [ FrischHomo faber90]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sentiment · sentimental · sentimentalisch · Sentimentalität · Ressentiment
Sentiment n. ‘Wertung, Meinung, Gefühl, Empfindung’, Übernahme (17. Jh.) von gleichbed. frz. sentiment (afrz. sentement); zu afrz. frz. sentir, aus lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, wahrnehmen, Einsicht haben, meinen, denken’. sentimental Adj. ‘(übertrieben) empfindsam, gefühlvoll, rührselig’ verbreitet sich in der 2. Hälfte des 18. Jhs. mit der Übersetzung von L. Sternes „A Sentimental Journey through France and Italy“ (1768) durch J. J. C. Bode „Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien“ (1768) im Dt. Engl. sentimental ‘empfindsam, gefühlvoll, moralisch, reflektierend’, dann auch ‘übertrieben empfindsam, rührselig’, von Sterne angeblich zuerst 1739/40 in einem Brief benutzt, ist zu engl. sentiment ‘Meinung, Ansicht, Gefühl, (seelische) Empfindung, Gefühlsregung’, dann auch ‘Rührseligkeit’ gebildet, einer Übernahme von frz. sentiment (s. oben). Zur Bedeutungsgeschichte von engl. sentimental vgl. Rieve in: Europ. Schlüsselwörter 2 (1964) 167 ff. Daneben steht im 18. Jh. sentimentalisch Adj. vgl. Schillers Über naive und sentimentalische (‘reflektierende’) Dichtung. Sentimentalität f. ‘Empfindsamkeit, Gefühlsüberschwang, Rührseligkeit’, latinisierte Übernahme (Ende 18. Jh.) von gleichbed. engl. sentimentality. Ressentiment n. ‘Vorbehalt, gefühlsbedingtes Vorurteil, Abneigung, Groll’, Entlehnung (1. Hälfte 17. Jh.) aus gleichbed. frz. ressentiment, einer Bildung zu mfrz. frz. ressentir ‘lebhaft empfinden, fühlen, erkennen’, reflexiv ‘Nachwirkungen verspüren, sich grollend erinnern’; vgl. afrz. frz. sentir (s. oben).

Typische Verbindungen zu ›Ressentiment‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ressentiment‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ressentiment‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In der sensiblen Kritik ist ein lähmendes Ressentiment zu benennen. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 15]
Einerseits kann er antiwestliches Ressentiment ausnutzen, anderseits braucht er keine Lösungen zu offerieren. [Seton-Watson, Hugh: Rußland und Osteuropa. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 19550]
Die Überspanntheit linker Theoretiker liegt ihr so fern wie das Ressentiment der rabiaten Rechten. [Die Zeit, 23.04.1998, Nr. 18]
Überfremdungsängste schüren, Ressentiments verstärken – der Kanzler macht wirklich einen "prima Job". [Die Zeit, 31.10.1997, Nr. 45]
Wo so vieles mit deutscher Hilfe wiederaufgebaut wird, könnten Ressentiments auftreten. [Die Zeit, 26.09.1997, Nr. 40]
Zitationshilfe
„Ressentiment“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ressentiment>.

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