Richtstätte, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungRicht-stät-te (computergeneriert)
Wortzerlegungrichten2Stätte
eWDG, 1974

Bedeutung

Synonym zu Richtplatz
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

richten · Richtung · Richter · richterlich · Richtstätte · Richtbeil · Richtscheit · Richtschnur · Richtfest · anrichten · Anrichte · aufrichten · einrichten · errichten · verrichten · vorrichten · zurichten
richten Vb. ‘etw. Krummes gerademachen, in eine gerade Lage, Stellung, Richtung bringen, auf ein Ziel hinlenken, in Ordnung bringen, Recht sprechen’, ahd. (8. Jh.), mhd. rihten ‘recht, gerademachen, in eine Richtung bringen, aufrichten, aufstellen, in Ordnung bringen, fertigmachen, er-, einrichten, gestalten, herrschen, regieren, Recht sprechen’, asächs. rihtian, mnd. richten, mnl. rechten, richten, nl. rechten, aengl. rihtan, engl. to right, anord. rētta, schwed. räta, got. garaíhtjan (germ. *rehtjan) sind Faktitiva im Sinne von ‘gerademachen’ zu dem unter ↗recht (s. d.) behandelten Adjektiv. Richtung f. ‘das Gerademachen, gerade, aufrechte Haltung’ (2. Hälfte 18. Jh.), ‘Gerichtetsein, Verlauf, Wendung auf ein Ziel zu’ (Ende 18. Jh.), ‘Strömung, Bewegung’ in Kultur, Politik (Anfang 19. Jh.), abgeleitet vom oben genannten Verb in seinen verschiedenen Bedeutungen, in älterer Sprache vornehmlich an ‘herrschen, regieren, Recht sprechen’ anknüpfend, vgl. ahd. rihtunga ‘Gericht, (Ordens)regel, Leitung, Verwaltung’ (8. Jh.), mhd. rihtunge ‘Gericht, gerichtliche Entscheidung, Urteil’. Richter m. ‘wer über etw., jmdn. richtet, mit der Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten Beauftragter’, ahd. rihtāri ‘Leiter, Richter’ (8. Jh.), mhd. rihtære, rihter ‘Lenker, Ordner, Oberherr, Regent, Richter’; richterlich Adj. ‘den Richter und sein Amt betreffend, auf ihm beruhend, zu ihm gehörend’ (16. Jh.). Richtstätte f. ‘Platz für Hinrichtungen’ (19. Jh.), zuvor Richtstatt (16. Jh., älter ‘Gerichtsstätte’, 15. Jh.). Richtbeil n. ‘Beil, mit dem ein zum Tode Verurteilter enthauptet wird’ (17. Jh.). Richtscheit n. Richtlatte der Bauhandwerker, mhd. riht(e)schīt. Richtschnur f. ‘gespannte Schnur zum Bezeichnen gerader Linien’ (15. Jh.), übertragen ‘Grundsatz, Leitlinie, Norm’ (1. Hälfte 16. Jh.). Richtfest n. ‘Fest nach Aufrichtung des Dachstuhls’ (19. Jh.), auch Richtessen, Richtschmaus. anrichten Vb. ‘zum Essen fertigmachen, auftragen, bereitstellen, Schaden verursachen, zustande bringen’ (14. Jh.); Anrichte f. ‘Raum, Tisch zum Zubereiten, Bereitstellen von Speisen, niedriger Schrank für Geschirr’, mhd. anrihte. aufrichten Vb. ‘geraderichten, senkrecht stellen, errichten, trösten, Mut zusprechen’, ahd. ūfrihten ‘emporstrecken’ (9. Jh.), mhd. ūfrihten ‘aufstellen, ins Werk setzen, trösten’. einrichten Vb. ‘ausstatten’ (mit Möbeln, Geräten), ‘zur öffentlichen Nutzung gründen, nach bestimmten Gesichtspunkten gestalten, passend machen’, reflexiv ‘sich den Gegebenheiten, der Lage anpassen’ (15. Jh.). errichten Vb. ‘aufstellen, bilden’ (17. Jh.); vgl. ahd. irrihten ‘auf-, einrichten’ (um 800). verrichten Vb. ‘(ordnungsgemäß) ausführen, erledigen’, mhd. verrihten ‘in Ordnung bringen, einrichten’. vorrichten Vb. ‘zurechtmachen, vorbereiten, erneuern’ (16. Jh.), mhd. vürrihten ‘hervorstrecken’. zurichten Vb. ‘herrichten, vorbereiten’, mhd. zuorihten. Aus übel zurichten (16. Jh.) entwickelt zurichten den Sinn von ‘beschädigen, mißhandeln’.

Thesaurus

Geschichte
Synonymgruppe
Hinrichtungsstätte · ↗Richtplatz · ↗Richtstatt · Richtstätte
Oberbegriffe
Unterbegriffe

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Endlich auf der Richtstätte angelangt, betet er ein letztes Mal.
Die Zeit, 16.04.2001, Nr. 16
Auch die hessischen Nachbarn wollen vollstrecken, da sei die grenznahe Richtstätte wirtschaftlich.
Der Tagesspiegel, 08.12.2000
Es wird den Opfern befohlen, sich auf der Richtstätte auszuziehen.
o. A.: Einundsechzigster Tag. Montag, 18. Februar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 3248
Wenn jemand verurteilt war, dann mußten diese Häftlinge ihn abholen und zur Richtstätte führen.
o. A.: Vierundvierzigster Tag. Montag, den 28. Januar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 21231
Erst danach sei er im Armsünderkarren zur Richtstätte zu fahren.
Bergengruen, Werner: Der letzte Rittmeister, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1956 [1952], S. 203
Zitationshilfe
„Richtstätte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Richtstätte>, abgerufen am 16.02.2019.

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