Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Riecher, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Riechers · Nominativ Plural: Riecher
Aussprache 
Worttrennung Rie-cher
Wortzerlegung riechen -er
Mehrwortausdrücke  den richtigen Riecher haben

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [salopp, abwertend] Nase
    1. [übertragen] ...
  2. 2. [salopp, übertragen] Ahnung, Spürsinn
eWDG

Bedeutungen

1.
salopp, abwertend Nase
Beispiel:
Schau dir meinen Riecher richtig an! [ Aufbau1955]
übertragen
Beispiele:
nimm deinen Riecher weg! (= schnüffle hier nicht herum!)
steck deinen Riecher nicht in alles! (= kümmere dich nicht um Sachen, die dich nichts angehen!)
2.
salopp, übertragen Ahnung, Spürsinn
Beispiele:
»Woher weißt du denn das?« »Das sagt mir mein Riecher
jmd. hat einen (guten, ausgezeichneten) Riecher für etw.
er hat eben einen Riecher dafür
er hat vom ersten Augenblick an den richtigen Riecher gehabt
da hast du aber einen schlechten Riecher gehabt!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

riechen · Riecher
riechen Vb. ‘einen Geruch von sich geben, ausströmen, einen Geruch wahrnehmen’, ahd. riohhan (8. Jh.), mhd. riechen ‘rauchen, qualmen, dampfen, einen Geruch von sich geben’, spätmhd. auch transitiv ‘einen Geruch wahrnehmen’, entsprechend (sowohl intransitiv wie transitiv) mnd. rēken, mnl. nl. rieken, afries. riaka ‘riechen’, (nur intransitiv) aengl. rēocan ‘rauchen, qualmen, dampfen, einen Geruch von sich geben’, (intransitiv und transitiv) engl. to reek ‘riechen, räuchern’, anord. rjūka ‘rauchen, dampfen, stieben, fahren’, schwed. ryka ‘rauchen, qualmen, schwelen, dampfen’, daneben ablautend mhd. (md.) rūchen, mnd. mnl. rūken, nl. ruiken (intransitiv und transitiv). Die Herkunft dieser Verbalbildungen und der zugehörigen, unter Rauch und Geruch (s. d.) genannten Formen ist ungewiß. Vergleicht man jedoch griech. eré͞ugesthai (ἐρεύγεσθαι) ‘durch den Mund von sich geben, ausspeien, rülpsen, aufstoßen’, lat. ērūgere ‘ausrülpsen, auswerfen’, lit. ráugti ‘einsäuern, gären lassen’, ráugėti ‘rülpsen, sauer aufstoßen, sauer werden’, ablautend lit. rū́gti ‘gären, sauer werden’, lett. rūgt ‘säuern, aufgehen, gären, aufstoßen, aufsteigen, rauchen’, russ. rygát’ (рыгать) ‘laut rülpsen’, so ist ein Anschluß an ie. *rē̌ug- ‘sich erbrechen, rülpsen, hervorbrechen’ möglich, wobei sich aus ‘hervorbrechen’ die alte germ. Bedeutung ‘aufsteigen’ (von Rauch) entwickelt haben kann. Riecher m. ‘Nase’, umgangssprachlich (18. Jh.), auch ‘Gefühl, Ahnungsvermögen’ in der Wendung einen guten, den richtigen Riecher haben ‘zutreffend ahnen, richtig vermuten’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Nase  Hauptform · Gesichtserker  ugs. · Gewürzprüfer  ugs. · Kolben  ugs. · Riecher  ugs. · Riechkolben  ugs. · Riechorgan  ugs. · Zinken  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Riecher‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Riecher‹.

Verwendungsbeispiele für ›Riecher‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es geht um das große Geld, den hohen Gewinn, den schnellen Verlust, den richtigen Riecher. [Die Zeit, 13.10.2008, Nr. 41]
Dabei hatte er sich doch stets auf seinen Riecher verlassen können. [Die Zeit, 27.04.1984, Nr. 18]
Ich habe einen Riecher dafür, geschärft durch die Erfahrungen meiner Mutter. [Süddeutsche Zeitung, 19.10.2004]
Ich war damals wenig begeistert, doch er hatte exakt den richtigen Riecher. [Süddeutsche Zeitung, 05.04.2003]
Er selber bezeichnet sich wohl so, weil er überzeugt ist, immer den richtigen Riecher zu haben. [Süddeutsche Zeitung, 18.01.2003]
Zitationshilfe
„Riecher“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Riecher>.

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