Riecher, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Riechers · Nominativ Plural: Riecher
Aussprache 
Worttrennung Rie-cher
Wortbildung  mit ›Riecher‹ als Letztglied: ↗Topfriecher

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [salopp, abwertend] Nase
    1. [übertragen] ...
  2. 2. [salopp, übertragen] Ahnung, Spürsinn
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
salopp, abwertend Nase
Beispiel:
Schau dir meinen Riecher richtig an! [Aufbau1955]
übertragen
Beispiele:
nimm deinen Riecher weg! (= schnüffle hier nicht herum!)
steck deinen Riecher nicht in alles! (= kümmere dich nicht um Sachen, die dich nichts angehen!)
2.
salopp, übertragen Ahnung, Spürsinn
Beispiele:
»Woher weißt du denn das?« »Das sagt mir mein Riecher
jmd. hat einen (guten, ausgezeichneten) Riecher für etw.
er hat eben einen Riecher dafür
er hat vom ersten Augenblick an den richtigen Riecher gehabt
da hast du aber einen schlechten Riecher gehabt!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

riechen · Riecher
riechen Vb. ‘einen Geruch von sich geben, ausströmen, einen Geruch wahrnehmen’, ahd. riohhan (8. Jh.), mhd. riechen ‘rauchen, qualmen, dampfen, einen Geruch von sich geben’, spätmhd. auch transitiv ‘einen Geruch wahrnehmen’, entsprechend (sowohl intransitiv wie transitiv) mnd. rēken, mnl. nl. rieken, afries. riaka ‘riechen’, (nur intransitiv) aengl. rēocan ‘rauchen, qualmen, dampfen, einen Geruch von sich geben’, (intransitiv und transitiv) engl. to reek ‘riechen, räuchern’, anord. rjūka ‘rauchen, dampfen, stieben, fahren’, schwed. ryka ‘rauchen, qualmen, schwelen, dampfen’, daneben ablautend mhd. (md.) rūchen, mnd. mnl. rūken, nl. ruiken (intransitiv und transitiv). Die Herkunft dieser Verbalbildungen und der zugehörigen, unter ↗Rauch und ↗Geruch (s. d.) genannten Formen ist ungewiß. Vergleicht man jedoch griech. eré͞ugesthai (ἐρεύγεσθαι) ‘durch den Mund von sich geben, ausspeien, rülpsen, aufstoßen’, lat. ērūgere ‘ausrülpsen, auswerfen’, lit. ráugti ‘einsäuern, gären lassen’, ráugėti ‘rülpsen, sauer aufstoßen, sauer werden’, ablautend lit. rū́gti ‘gären, sauer werden’, lett. rūgt ‘säuern, aufgehen, gären, aufstoßen, aufsteigen, rauchen’, russ. rygát’ (рыгать) ‘laut rülpsen’, so ist ein Anschluß an ie. *rē̌ug- ‘sich erbrechen, rülpsen, hervorbrechen’ möglich, wobei sich aus ‘hervorbrechen’ die alte germ. Bedeutung ‘aufsteigen’ (von Rauch) entwickelt haben kann. Riecher m. ‘Nase’, umgangssprachlich (18. Jh.), auch ‘Gefühl, Ahnungsvermögen’ in der Wendung einen guten, den richtigen Riecher haben ‘zutreffend ahnen, richtig vermuten’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Nase  Hauptform · ↗Gesichtserker  ugs. · Gewürzprüfer  ugs. · ↗Kolben  ugs. · Riecher  ugs. · ↗Riechkolben  ugs. · ↗Riechorgan  ugs. · ↗Zinken  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Riecher‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Riecher‹.

Verwendungsbeispiele für ›Riecher‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es geht um das große Geld, den hohen Gewinn, den schnellen Verlust, den richtigen Riecher.
Die Zeit, 13.10.2008, Nr. 41
Hätte er ihm sonst den richtigen Riecher und das viele Geld gegeben?
Der Tagesspiegel, 14.03.2002
Er war ein sehr vielseitiger Mann, mit einem ausgesprochen guten Riecher für Talente.
Bild, 16.12.1998
An der einen Stelle hatten die Soldaten den "richtigen Riecher".
Plievier, Theodor: Stalingrad, München u. a.: Desch 1973 [1946], S. 365
Er witterte wie der Pfaundler, der den Riecher hatte, Durchfall und Bruch.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 391
Zitationshilfe
„Riecher“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Riecher>, abgerufen am 03.06.2020.

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