Rinnsal, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Rinnsal(e)s · Nominativ Plural: Rinnsale
Aussprache
WorttrennungRinn-sal (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Rinnsal‹ als Letztglied: ↗Tränenrinnsal
eWDG, 1974

Bedeutung

sehr kleines, sacht fließendes Gewässer
Beispiele:
ein kleines, schmales, dünnes, kümmerliches, klares, trübes Rinnsal
ein Rinnsal schlängelt sich, fließt über den Weg
das Rinnsal rinnt von der Felswand, versickert im Sand
unzählige Rinnsale münden in den Fluss
der schlammige Weg war von Rinnsalen durchzogen
etw. spärlich Fließendes
Beispiele:
ein winziges rotes Rinnsal sickerte aus der Wunde
ein Rinnsal von Blut, Tränen
der Schweiß floss in Rinnsalen von seiner Stirn
bildlich
Beispiel:
dichterisch Jetzt zogen sich über düstere Erzwände Rinnsale von Mondlicht und flossen auf dem Grunde zu weißen Lachen zusammen [H. Mann2,139]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rinnen · Rinne · Rinnstein · Rinnsal
rinnen Vb. ‘(stetig, langsam) fließen’, ahd. rinnan ‘fließen, laufen’ (8. Jh.), mhd. rinnen ‘fließen, von einer Flüssigkeit fortgetragen werden, schwimmen, triefen, laufen, rennen’, asächs. rinnan, mnd. mnl. rinnen, afries. rinna, renna, aengl. rinnan (engl. to run mit dem vom Perf. stammenden schwundstufigen -u-), anord. renna, rinna, schwed. rinna, got. rinnan ‘rennen, laufen’ (germ. *rennan) ist ein ursprüngliches Nasalpräsens, das sich außergerm. vergleichen läßt mit aind. riṇā́ti ‘läßt strömen, läßt laufen, entblößt’, rī́yatē ‘rinnt, gerät ins Fließen’, lat. rīvus ‘Bach’, aslaw. rěka, russ. reká (река) ‘Fluß’, aslaw. rinçti sę ‘sich stürzen’, russ. rínut’sja (ринуться) ‘sich stürzen, jagen’. Als Ausgangsform ist ansetzbar ie. *rei- ‘fließen’, das sich an die unter ↗Ernst und ↗Reise (s. d.) angeführte Wurzel ie. *er-, *or-, *r- ‘sich in Bewegung setzen, erregen, in die Höhe bringen (auch von Bewegung nach abwärts)’ anschließen läßt. S. auch ↗gerinnen. Rinne f. ‘lange, schmale Vertiefung im Boden, offenes Abflußrohr, Rille’, ahd. rinna (8. Jh.), mhd. rinne ‘Wasserfluß, Quell, Dachtraufe, Wasserleitung, -röhre’, got. rinnō ‘Gießbach’; vgl. ablautend mhd. mnd. renne, schwed. ränna sowie mnd. runne, aengl. rynel(e), rinnele ‘Wasserlauf, Strom’, engl. runnel ‘Rinnsal, Rinnstein’. Rinnstein m. ‘in Stein gehauene, gemauerte Rinne im Straßenpflaster’ (Ende 16. Jh.). Rinnsal n. (früher auch m.), älter Rinnsel, ‘kleiner Wasserlauf’ (19. Jh.), zuvor ‘Flußbett, Rinne’ (16. Jh.), rinsel, rintzel ‘Lab, Milchgerinnungsmittel’ (15. Jh.); zum Suffix s. ↗-sal, ↗-sel.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bächlein · Rinnsal · ↗Wässerchen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bach Fluß Pfütze Schweiß Teich Tropfen Tümpel anschwellen bahnen dünn ergießen fließen fließend herunterlaufen kläglich kümmerlich müd plätschern schlängeln schmal sickern spärlich stinkend tropfen tröpfeln trüb verkommen verkümmern versickern versiegen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Rinnsal‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Äußerst dünn floß nach seinem Tod das Rinnsal der Überlieferung.
Die Welt, 03.03.1999
Ihm wird es nicht schwer fallen das Rinnsal in allen möglichen Variationen durch seinen Garten zu leiten.
Schacht, Wilhelm: Der Steingarten und seine Welt, Ludwigsburg: Ulmer 1953, S. 37
Sie laufen leicht kitzelnd nach unten, vereinigen sich zu einem Rinnsal, zu einem kleinen Bach.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 14
Ich spannte ihn aus und führte ihn an das dunkle Rinnsal heran.
Strittmatter, Erwin: Pony Pedro, Berlin: Kinderbuchverl. 1959, S. 53
Es war zuerst nur ein kleines Rinnsal - und daraus wurde beinahe eine Katastrophe.
Bild, 24.08.2002
Zitationshilfe
„Rinnsal“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Rinnsal>, abgerufen am 17.10.2019.

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