Ritter, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Ritters · Nominativ Plural: Ritter
Aussprache
WorttrennungRit-ter
Wortbildung mit ›Ritter‹ als Erstglied: ↗Ritter-und-Räuberroman · ↗Ritterburg · ↗Ritterdichtung · ↗Ritterdienst · ↗Rittergut · ↗Ritterhelm · ↗Ritterkreuz · ↗Ritterling · ↗Ritterorden · ↗Ritterroman · ↗Ritterrüstung · ↗Rittersaal · ↗Ritterschaft · ↗Ritterschild · ↗Ritterschlag · ↗Rittersleute · ↗Rittersmann · ↗Rittersporn · ↗Ritterstand · ↗Rittertum · ↗Ritterwesen · ↗ritterhaft
 ·  mit ›Ritter‹ als Letztglied: ↗Glücksritter · ↗Gralsritter · ↗Konjunkturritter · ↗Kreuzritter · ↗Ordensritter · ↗Pedalritter · ↗Raubritter · ↗Reichsritter · ↗Strauchritter
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
historisch
a)
dem Lehnsherrn zu Kriegsdienst und Treuedienst verpflichteter Angehöriger des Standes, der vornehmlich militärische Funktionen erfüllte und zur herrschenden Klasse der mittelalterlichen europäischen Feudalgesellschaft gehörte
Beispiele:
ein kühner, tapferer Ritter
die Rüstung des Ritters
ein fahrender (= umherziehender) Ritter
mit 21 Jahren wurde der Knappe zum Ritter geschlagen (= durch Ritterschlag feierlich in den Ritterstand aufgenommen)
b)
Angehöriger eines geistlichen Ritterordens
Beispiele:
die Ritterorden gliederten sich in Ritter, Priester und dienende Brüder
die Ritter des Tempelherrenordens
2.
übertragen
a)
Beispiele:
gehoben, scherzhaft ein Ritter ohne, sonder Furcht und Tadel (= ein mutiger, unerschrockener Mann)
spöttisch ein Ritter von der traurigen Gestalt (= ein jämmerlicher, kläglich wirkender, erbarmungswürdiger Mann)
spöttisch ein Ritter von der Feder (= Schriftsteller)
spöttisch ein Ritter von der Nadel, vom Zwirn (= Schneider)
gehoben die Ritter des Pedals, vom Pedal (= Radfernfahrer)
gehoben der Ritter der Landstraße (= Fahrer von Fernlastwagen)
b)
veraltend ritterlicher Mann, Kavalier
Beispiele:
welcher Ritter bietet ihr seinen Platz an?
es fand sich kein Ritter, der ihr den schweren Koffer abgenommen hätte
3.
Kochkunst Arme Ritter
siehe auch arm (Lesart 3)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ritter · ritterlich · Rittertum · Rittergut · Ritterschlag · Rittersporn
Ritter m. Standesbezeichnung für den in der mittelalterlichen Feudalgesellschaft dem Lehnsherrn zu Kriegsdienst und Treue verpflichteten Angehörigen des Adels, mhd. ritter, riter, eigentlich ‘Reiter, Streiter zu Pferde’ (um 1170), Entlehnung (mit hd. -tt- aus -dd-) aus gleichbed. mnl. riddere, ridder, riddare (vgl. nl. ridder), einer Bildung (neben mnl. rīder ‘Reiter’) zu mnl. rīden (s. ↗reiten). Der wohl im fläm. Sprachraum entstandene Ausdruck übersetzt zunächst afrz. cheval(i)er ‘Reiter, Ritter’, wird dann zur Standesbezeichnung und verbreitet sich im 12. Jh., als das flandrische Ritterwesen in hohem Ansehen steht (vgl. mnd. ridder, ritter, woraus anord. riddari, afries. ridder). ritterlich Adj. ‘den Ritter betreffend, ihm gemäß, schützend-hilfreich, zuvorkommend’, mhd. riterlich, ritterlich ‘einem Ritter geziemend, stattlich, herrlich’. Rittertum n. die Ritterschaft als historische, gesellschaftliche, kulturelle Erscheinung (Anfang 19. Jh.). Rittergut n. ehemals ein mit Kriegsdienstpflicht und mit besonderen Privilegien verbundenes, einem Adligen übertragenes Landgut (um 1500), danach (besonders im ostelbischen Gebiet) ‘aristokratischer Großgrundbesitz’ als umfassender Landwirtschaftsbetrieb (19. Jh.); vgl. frühnhd. ritterlehen (15. Jh.), mlat. feudum militare (14. Jh.), auch mhd. erbeguot, herrenguot, lēhenguot. Ritterschlag m. ‘symbolischer Schlag mit dem Schwert zum Zeichen der Aufnahme in den Ritterstand’, spätmhd. ritterslac. Rittersporn m. Hahnenfußgewächs mit in Rispen wachsenden langgespornten Blüten (15. Jh.); vgl. mhd. ritterspor, rittersporn für dem heutigen Rittersporn ähnliche Pflanzen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Angehöriger des Ritterordens · ↗Edelmann · ↗Lehensmann · Ritter  ●  ↗Samurai  japanisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Geschichte, Militär
Synonymgruppe
Krieger · Reiterkrieger · Ritter  ●  ↗Recke  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Burg Burgfräulein Drache Ehrenlegion Furcht Fürst Gaukler Gestalt Knappe Knecht Kokosnuss Orden Queen Ritter Rüstung Tadel Tafelrund Tafelrunde Teufel arm damisch edel ernennen fahrend fränkisch gepanzert irrend mittelalterlich tapfer weiß

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ritter‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch hier hat es sich ausgezahlt, als Weißer Ritter anzurücken.
Der Tagesspiegel, 02.05.1999
Es ist schon ein Kreuz mit dem kleinen dicken Ritter.
Süddeutsche Zeitung, 27.12.1996
In seiner Not suchte er möglichst viele abendländische Ritter in Sold zu nehmen.
o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 8079
Seine Ritter siegten jedoch durch ihre Überzahl ohne diese Hilfe.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Dritter Teil: Das Mittelalter, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1923], S. 28649
Den Rittern standen sie also als eine Art von plebejischer Bourgeoisie gegenüber.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 966
Zitationshilfe
„Ritter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ritter>, abgerufen am 19.04.2019.

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