Rittertum, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Rittertum(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungRit-ter-tum (computergeneriert)
WortzerlegungRitter-tum
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Gesamtheit aller mit dem Ritterstand verbundenen, von ihm geprägten historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Erscheinungen
Beispiel:
das Lehnswesen des feudalen, mittelalterlichen Rittertums
2.
Gesamtheit der feudalen Ritter
Beispiel:
das Rittertum opponierte gegen die Fürsten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ritter · ritterlich · Rittertum · Rittergut · Ritterschlag · Rittersporn
Ritter m. Standesbezeichnung für den in der mittelalterlichen Feudalgesellschaft dem Lehnsherrn zu Kriegsdienst und Treue verpflichteten Angehörigen des Adels, mhd. ritter, riter, eigentlich ‘Reiter, Streiter zu Pferde’ (um 1170), Entlehnung (mit hd. -tt- aus -dd-) aus gleichbed. mnl. riddere, ridder, riddare (vgl. nl. ridder), einer Bildung (neben mnl. rīder ‘Reiter’) zu mnl. rīden (s. ↗reiten). Der wohl im fläm. Sprachraum entstandene Ausdruck übersetzt zunächst afrz. cheval(i)er ‘Reiter, Ritter’, wird dann zur Standesbezeichnung und verbreitet sich im 12. Jh., als das flandrische Ritterwesen in hohem Ansehen steht (vgl. mnd. ridder, ritter, woraus anord. riddari, afries. ridder). ritterlich Adj. ‘den Ritter betreffend, ihm gemäß, schützend-hilfreich, zuvorkommend’, mhd. riterlich, ritterlich ‘einem Ritter geziemend, stattlich, herrlich’. Rittertum n. die Ritterschaft als historische, gesellschaftliche, kulturelle Erscheinung (Anfang 19. Jh.). Rittergut n. ehemals ein mit Kriegsdienstpflicht und mit besonderen Privilegien verbundenes, einem Adligen übertragenes Landgut (um 1500), danach (besonders im ostelbischen Gebiet) ‘aristokratischer Großgrundbesitz’ als umfassender Landwirtschaftsbetrieb (19. Jh.); vgl. frühnhd. ritterlehen (15. Jh.), mlat. feudum militare (14. Jh.), auch mhd. erbeguot, herrenguot, lēhenguot. Ritterschlag m. ‘symbolischer Schlag mit dem Schwert zum Zeichen der Aufnahme in den Ritterstand’, spätmhd. ritterslac. Rittersporn m. Hahnenfußgewächs mit in Rispen wachsenden langgespornten Blüten (15. Jh.); vgl. mhd. ritterspor, rittersporn für dem heutigen Rittersporn ähnliche Pflanzen.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adel Blüte Geist Ideal Mittelalter Niedergang abendländisch christlich edel fahrend feudal mittelalterlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Rittertum‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Eine Tradition des Wesens der Disziplin hatte das Rittertum nicht.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Dritter Teil: Das Mittelalter, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1923], S. 28811
Ausgeblendet bleiben in dem neuen Buch auch die Exzesse des abendländischen Rittertums.
Süddeutsche Zeitung, 28.12.2002
Denn es galt schon zur Zeit des Rittertums für vornehm, französische Grüße zu gebrauchen.
Röhrich, Lutz: Gruß. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 27987
Er nahm mit diesem Satz die ganze spätere ökonomisch-soziale Widerlegung seines Rittertums vorweg.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 3, Berlin: Aufbau-Verl. 1956, S. 128
Für mich warst du die Wiederkehr des Rittertums und der Romantik.
Bild, 05.07.2001
Zitationshilfe
„Rittertum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Rittertum>, abgerufen am 18.06.2019.

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