Rolle, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Rolle · Nominativ Plural: Rollen
Aussprache 
Worttrennung Rol-le (computergeneriert)
eWDG

Bedeutungen

1.
(länglicher) Körper mit rundem Querschnitt, kleines Rad (mit Rille), Walze
Beispiele:
der Tisch, das Bett läuft auf Rollen
das Seil des Flaschenzuges, der Seilbahn läuft über Rollen
Maschinen, Möbel, Kisten auf Rollen (fort)bewegen
2.
etw. Zusammengerolltes, Gewickeltes
siehe auch Röllchen
Beispiele:
eine Rolle (Toiletten)papier, Tabak, Draht, Garn, Nähseide
eine Rolle Geldstücke, Ein‑Euro‑Stücke
sie gab dem Kind eine Rolle Keks, Drops, Bonbons
zusammengerollt aufbewahrte Urkunde, Schriftrolle
3.
Mangel, Wäscherolle
Beispiele:
die Wäsche zur Rolle tragen
die elektrische Rolle benutzen
4.
Turnen Übung auf dem Boden oder auf einem Gerät, bei der der Körper vorwärts oder rückwärts gedreht, gerollt wird
Beispiele:
eine Rolle am Barren, am Pferd, auf dem Boden machen
eine Rolle vorwärts
5.
Flugwesen Figur des Kunstflugs, bei der das Flugzeug sich um seine Längsachse dreht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Rolle f. ‘Walze, kleines Rad, Auf-, Zusammengerolltes, Schriftrolle’, auch ‘von einem Schauspieler darzustellende Gestalt’, frühnhd. (15. Jh.), mnd. rolle, rulle ist eine (teilweise vielleicht durch gleichbed. mnl. rolle vermittelte) Entlehnung aus afrz. mfrz. rol(l)e m., mfrz. roul(l)e, roole ‘(Pergament-, Papier)rolle, Verzeichnis’ (frz. rôle m.), dem zu lat. rota f. ‘Rad, rollende Scheibe, Rolle’ (mit dem Deminutivum lat. rotula ‘kleines Rad’) gebildetes lat. rotulus m. ‘Walze, Rolle’ (s. Roulade, rollen) voraufgeht. Für das dt. Substantiv ist wohl auch, namentlich im kanzleisprachlichen Bereich (‘Schriftrolle, Urkunde, Verzeichnis’), gleichbed. mlat. rotulus (kontrahiert rollus) bzw. (worauf feminines Genus im Dt. schließen läßt) mlat. rotula, rolla f. von Einfluß. Bereits seit frühnhd. Zeit bezeichnet Rolle in unterschiedlichen technischen Verwendungen bestimmte walzen-, rad- oder scheibenförmige Vorrichtungen. Im Sinne von ‘Gerät zum Glätten der Wäsche’ (zuerst Mitte 16. Jh., verbreitet vom 18. Jh. an) tritt Rolle im Omd. und zum Teil im Nordd. und Öst. an die Stelle von Mangel1 f. (s. d.). Auf speziellem Gebrauch von Rolle ‘Schriftrolle, Verzeichnis’ (nach dem damals benutzten gerollten Papierstreifen mit der Niederschrift des jeweiligen Parts) beruht die Bedeutung ‘Aufzeichnung von Text und Handlung für den einzelnen Schauspieler, darzustellende Gestalt in einem Bühnenwerk’ (2. Hälfte 17. Jh., zuvor schon nl. rol, Ende 16. Jh., nach gleichbed. mfrz. roole, frz. rôle), dann (18. Jh.) auch übertragen ‘Position, Funktion, Aufgabe’, vor allem in Wendungen wie eine Rolle spielen, sich in die Rolle eines anderen versetzen, die Rollen vertauschen. Seit der 1. Hälfte des 20. Jhs. ist Rolle in der Terminologie des Turnens (‘Überschlag, Purzelbaum’) und des Kunstflugs (‘Figur, bei der sich das Flugzeug um seine Längsachse dreht’) üblich.

Typische Verbindungen zu ›Rolle‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Rolle‹.

Verwendungsbeispiel für ›Rolle‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und neulich waren auf der Bahn zwei Rollen Draht für ihn angekommen.
Johnson, Uwe: Jahrestage, Bd. 1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1970, S. 409
Zitationshilfe
„Rolle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Rolle#1>, abgerufen am 20.09.2021.

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Rolle, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Rolle · Nominativ Plural: Rollen
Aussprache 
Worttrennung Rol-le
eWDG

Bedeutungen

1.
von einem Schauspieler darzustellende Gestalt in einem Theaterstück, Film, Fernsehstück (und der dazugehörige Text)
Beispiele:
eine Rolle übernehmen, spielen
eine Rolle, den Text einer Rolle lernen
an einer Rolle arbeiten, feilen
diese Rolle ist dem Schauspieler auf den Leib geschrieben
die Rollen verteilen, mit geeigneten Schauspielern besetzen
eine tragende, schwierige Rolle
die Rolle des Liebhabers, der Naiven
die Auffassung (= Art der Darstellung) einer Rolle
bildlich
Beispiele:
er gefiel sich [Dativ] in der Rolle des Wohltäters
er hat seine Rolle gut gespielt
sie hat dabei eine armselige, nicht die beste, keine rühmliche Rolle gespielt
die Rollen vertauschen
eine undankbare Rolle
sie will immer eine (große) Rolle spielen (= als wichtig gelten)
umgangssprachlicher hatte seine Rolle ausgespielt (= galt nichts mehr)
umgangssprachlichaus der Rolle fallen (= gegen Anstand und Takt verstoßen)
übertragen jmd., etw. spielt eine Rollejmd., etw. hat eine bestimmte Aufgabe, ist von Wichtigkeit
Beispiele:
eine bedeutende, beherrschende, entscheidende, wesentliche, wichtige, untergeordnete Rolle spielen
in Schweden spielt die Waldwirtschaft eine überragende Rolle
die Musik hat in seinem Leben immer eine große Rolle gespielt
das spielt keine Rolle (= darauf kommt es nicht an)
es spielt keine Rolle, ob ...
2.
Beispiele:
die führende Rolle (= Funktion) der Arbeiterklasse, der Partei der Arbeiterklasse
die Rolle der Volksmassen in der Geschichte
die historische Rolle des Proletariats
die bestimmende Rolle (= Wirksamkeit) des ökonomischen Grundgesetzes
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Rolle f. ‘Walze, kleines Rad, Auf-, Zusammengerolltes, Schriftrolle’, auch ‘von einem Schauspieler darzustellende Gestalt’, frühnhd. (15. Jh.), mnd. rolle, rulle ist eine (teilweise vielleicht durch gleichbed. mnl. rolle vermittelte) Entlehnung aus afrz. mfrz. rol(l)e m., mfrz. roul(l)e, roole ‘(Pergament-, Papier)rolle, Verzeichnis’ (frz. rôle m.), dem zu lat. rota f. ‘Rad, rollende Scheibe, Rolle’ (mit dem Deminutivum lat. rotula ‘kleines Rad’) gebildetes lat. rotulus m. ‘Walze, Rolle’ (s. Roulade, rollen) voraufgeht. Für das dt. Substantiv ist wohl auch, namentlich im kanzleisprachlichen Bereich (‘Schriftrolle, Urkunde, Verzeichnis’), gleichbed. mlat. rotulus (kontrahiert rollus) bzw. (worauf feminines Genus im Dt. schließen läßt) mlat. rotula, rolla f. von Einfluß. Bereits seit frühnhd. Zeit bezeichnet Rolle in unterschiedlichen technischen Verwendungen bestimmte walzen-, rad- oder scheibenförmige Vorrichtungen. Im Sinne von ‘Gerät zum Glätten der Wäsche’ (zuerst Mitte 16. Jh., verbreitet vom 18. Jh. an) tritt Rolle im Omd. und zum Teil im Nordd. und Öst. an die Stelle von Mangel1 f. (s. d.). Auf speziellem Gebrauch von Rolle ‘Schriftrolle, Verzeichnis’ (nach dem damals benutzten gerollten Papierstreifen mit der Niederschrift des jeweiligen Parts) beruht die Bedeutung ‘Aufzeichnung von Text und Handlung für den einzelnen Schauspieler, darzustellende Gestalt in einem Bühnenwerk’ (2. Hälfte 17. Jh., zuvor schon nl. rol, Ende 16. Jh., nach gleichbed. mfrz. roole, frz. rôle), dann (18. Jh.) auch übertragen ‘Position, Funktion, Aufgabe’, vor allem in Wendungen wie eine Rolle spielen, sich in die Rolle eines anderen versetzen, die Rollen vertauschen. Seit der 1. Hälfte des 20. Jhs. ist Rolle in der Terminologie des Turnens (‘Überschlag, Purzelbaum’) und des Kunstflugs (‘Figur, bei der sich das Flugzeug um seine Längsachse dreht’) üblich.

Typische Verbindungen zu ›Rolle‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Rolle‹.

Verwendungsbeispiele für ›Rolle‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch für eine gesamteuropäische Entwicklung spielte das Jahr 1848 eine prägende historische Rolle.
Weizsäcker, Richard von: Dreimal Stunde Null? 1949 1969 1989, Berlin: Siedler Verlag 2001, S. 155
Ich war nicht mit Tina verheiratet, aber das spielte keine Rolle.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 245
Den neu hinzukommenden Sängern studierte sie selbst die Rollen ein.
Wagner, Siegfried: Erinnerungen. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1923], S. 21668
Dennoch hat der Supreme Court eine wichtige Rolle bei der Interpretation der Verfassung gespielt.
o. A. [schr.]: Supreme Court. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1978]
Bei gefährlichen Szenen übernimmt ein Stuntman die Rolle eines Schauspielers.
o. A. [der]: Stuntman. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1981]
Allerdings fand er sich langsam in der Rolle des komischen Liebhabers zurecht.
Zwerenz, Gerhard: Die Ehe der Maria Braun, München: Goldmann 1979, S. 112
Zitationshilfe
„Rolle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Rolle#2>, abgerufen am 20.09.2021.

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