Romanist, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Romanisten · Nominativ Plural: Romanisten
Worttrennung Ro-ma-nist
Wortbildung  mit ›Romanist‹ als Erstglied: ↗Romanistin
Herkunft zu Rōmānuslat ‘römisch’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Wissenschaftler auf dem Gebiet der Romanistik
Kollokationen:
in Koordination: Anglisten, Germanisten, Sprachwissenschaftler und Romanisten
Beispiele:
Der Romanist Werner Krauss[…] hatte die Romanistik in der DDR zu einer anspruchsvollen Disziplin und die Erforschung der französischen Aufklärung zu einem Schwerpunktthema seiner Schüler gemacht. [Süddeutsche Zeitung, 24.11.2001]
Ein Sommersemester in Konstanz, Gasthören in Bielefeld, für die Romanisten ein Paris‑Stipendium, um Foucault zu erleben, das durfte schon mal sein. [Welt am Sonntag, 30.08.2015]
Sehr viel höher […] ist die Quote der Hochschulabsolventinnen bei Romanistik (86,43 Prozent), Germanistik (80,94 Prozent) und Anglistik (78, 39 Prozent). Doch was sollen Vorstand und Aufsichtsrat von VW mit Romanisten, Germanisten und Anglisten? [Der Spiegel, 07.04.2012]
Einen Romanisten […] wird das Frankreich‑Zentrum [in Berlin] nicht haben – weil es an der TU [Technischen Universität] künftig keine Romanistik mehr geben wird, die den Namen verdient. [die tageszeitung, 29.01.1998]
Der bekannte Dresdner Romanist Professor Victor Klemperer hielt im Klub der Kulturschaffenden einen Vortrag[…]. [Neues Deutschland, 22.05.1947]
2.
Jurist, der sich besonders mit dem römischen Recht befasst
Beispiele:
Im Jahre 1958 gelang es dem in diesem Jahr auf den Kölner Lehrstuhl für Römisches und Bürgerliches Recht berufenen Romanisten und Papyrologen Erwin Seidl, das Institut für Römisches Recht zu begründen[…]. [www.uni-koeln.de, aufgerufen am 22.06.2017]
Klaus Luig empfing seine rechtshistorische Prägung als Romanist in der Schule Franz Wieackers, die auf eine Öffnung zur neueren Privatrechtsgeschichte in Europa angelegt war. [Mohnhaupt, Heinz, Von der Ordnung der Rechte zur Ordnung des Rechts. In: Usus modernus pandectarum: Römisches Recht, Deutsches Recht und Naturrecht in der frühen Neuzeit, hg. von Haferkamp, Hans-Peter und Repgen, Tilman. Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag 2007, S. 109]
3.
Kunstwissenschaft zum Romanismus gehörender Künstler
Beispiele:
Seine 14bändige »Altniederländ. Malerei« ist grundlegend für unsere Kenntnis und Deutung vieler einzelner Künstler und ihres Werkes[…], nicht zuletzt auch durch die Wiederentdeckung der niederländ. »Manieristen« und »Romanisten« des 16. Jh.[…]. [Olbrich, Harald (Hg.): Lexikon der Kunst. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1989], S. 9585]
[…]: Farblichtbildervortrag zum Thema »Renaissancebestrebungen außerhalb Italiens – die niederländischen Romanisten«. […]. [Neues Deutschland, 10.01.1968]
Er [der flämische Maler Rubens] überwand die italienisierende Abhängigkeit der flämischen Romanisten und benutzte den von Italien ausgehenden Barockstil, um für die Malerei seines Landes die unverwechselbare Eigenart zurückzugewinnen, die seit der Renaissance verloren worden war. [Neues Deutschland, 09.10.1955]
4.
veraltet Anhänger der römisch-katholischen Kirche

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

romanisch · Romanik · Romanist · Romanistik · romanistisch
romanisch Adj. ‘dem europäischen Kunststil der hochfeudalen Epoche (etwa 1000 bis 1250) zugehörig, zur Familie der aus dem Lateinischen hervorgegangenen Sprachen gehörend oder für deren Sprecher charakteristisch’. Das nach lat. Rōmānus ‘römisch’ (vom Stadtnamen lat. Rōma) gebildete Adjektiv ist, zunächst in demselben Sinne, seit dem 16. Jh. gebräuchlich. Im 18./19. Jh. kommt es vereinzelt auch (als Ableitung von ↗Roman, s. d.) in der Bedeutung ‘romanhaft’ vor. Der im ausgehenden 18. Jh. einsetzenden terminologischen Verwendung in der Sprachwissenschaft folgt Anfang des 19. Jhs. der kunstgeschichtliche Terminus, der sich auf die Feststellung gründet, daß im Baustil des Hochmittelalters Elemente der antiken römischen Baukunst fortleben; hierzu Romanik f. (Anfang 20. Jh.). Romanist m. ‘Lehrer, Forscher auf dem Gebiet der Romanistik’. Aus lat. Rōmānus ‘römisch’ und der (im Frühnhd. häufig negative Wertung ausdrückenden) Ableitungssilbe -ist, die auf lat. -ista, griech. -istēs (-ιστης) zurückgeht, wird im 16. Jh. Romanist ‘Anhänger des Papsttums’ geschaffen. Das Substantiv ist in diesem Sinne noch im 17. Jh. üblich, steht im 18. Jh. gelegentlich für ‘Romanschreiber’ (unter Einfluß von gleichbed. frz. romaniste), bezeichnet um die Mitte des 19. Jhs. (wie engl. romanist bereits vom 17. Jh. an) in der Rechtswissenschaft den Vertreter des römischen Rechts (im Unterschied zu ↗Germanist, s. d.) und findet sich schließlich seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. in der oben angegebenen modernen Bedeutung. Nach dem Modell von Romanist entstehen in der Wissenschaftssprache des 19. Jhs. zunächst ↗Germanist und ↗Slawist (s. d.); der Bildungstyp wird dann für die den verschiedenen Zweigen der Philologie entsprechenden Personenbezeichnungen geläufig, s. ↗Anglist, vgl. Nordist, Bohemist, Keltist, Orientalist. Romanistik f. Wissenschaft von den romanischen Sprachen und Literaturen (20. Jh.); romanistisch Adj. ‘in das Gebiet der Romanistik gehörend’ (2. Hälfte 19. Jh.), auch ‘das römische Recht vertretend’ (Mitte 19. Jh.), vorher schon ‘zur römischen Kirche, zum Papsttum gehörig’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Romanist‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Romanist‹.

Zitationshilfe
„Romanist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Romanist>, abgerufen am 06.05.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Romanismus
Romanisierung
romanisieren
romanisch
Romanin
Romanistik
Romanistin
romanistisch
Romanität
Romanliteratur