Romantik, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Romantik · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungRo-man-tik
HerkunftFranzösisch
Wortzerlegungromantisch-ik
Wortbildung mit ›Romantik‹ als Erstglied: ↗Romantiker  ·  mit ›Romantik‹ als Letztglied: ↗Abenteuerromantik · ↗Abenteurerromantik · ↗Frühromantik · ↗Hochromantik · ↗Lagerfeuerromantik · ↗Neuromantik · ↗Seemannsromantik · ↗Spätromantik · ↗Südseeromantik · ↗Zigeunerromantik
 ·  mit ›Romantik‹ als Grundform: ↗romantizistisch
eWDG, 1974 und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
in der Reaktion auf die Französische Revolution, Aufklärung und Klassik auf der Suche nach einem harmonischen Gesellschaftszustand entstandene künstlerisch-philosophische Strömung, die in der gesamten europäischen Literatur und Kunst besonders in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorherrschte, die das Volkstümliche und Nationale, aber auch das Gefühlsmäßige, Irrationale, Transzendente betonte Quelle: DWDS, 2018
Beispiele:
die deutsche Romantik richtete ihren Blick auf ein idealisiertes Mittelalter
zu den bedeutendsten Leistungen der deutschen Romantik gehört die Sammlung und Neuveröffentlichung von Volksliedern und -märchen sowie die Übersetzung der Werke Shakespeares ins Deutsche
die Landschaftsmalerei der Romantik
die musikalische Romantik erstreckte sich über das gesamte 19. Jahrhundert
2.
übertragen Wesensart, die durch eine oft gefühlsbetonte Idealisierung der Wirklichkeit charakterisiert ist
Beispiele:
er hat keinen Sinn für Romantik
abwertend die süßliche Romantik dieses Filmes, tränenseligen Gedichtes, Gemäldes, Liebesromans
abwertend die falsche verklärende Romantik ... die sich leicht mit volkskundlichen Gegenständen verbindet [Aufbau1953]
abwertend All diese vorgeblichen Gefühle haben einen aufgeplusterten, unehrlichen Ton. Sie hinterlassen den üblen Nachgeschmack sentimentaler Romantik [St. ZweigBalzac263]
das betont Abenteuerliche, Erlebnisreiche
Beispiele:
die Romantik des Künstlerdaseins, der Bohème
Mit Romantik der Landstraße ... hatte das nichts zu tun [NellFischer154]
der vom Schönen, Altertümlichen ausgehende Reiz des Malerischen, das durch seine Stimmung Bezaubernde
Beispiele:
die Romantik einer Gebirgslandschaft, des Waldes, eines Dinners bei Kerzenschein
Wir verlebten eine herrliche Zeit, von der ganzen Romantik der Ewigen Stadt berauscht und umhüllt [G. Hauptm.4,339]
Mecklenburg ... hat auch seine Romantik [FontaneStechlinI 5,154]

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

romantisch · Romantik · Romantiker
romantisch Adj. ‘gefühlsbetont, schwärmerisch, verträumt, stimmungs-, geheimnisvoll’, zunächst (Ende 17. Jh.) in der Bedeutung ‘den Roman betreffend, nach Art der Romane’ (wofür im 18. Jh. romanhaft) entlehnt aus gleichbed. frz. romantique bzw. unmittelbar aus engl. romantic, das dem frz. Adj. zugrunde liegt. Die engl. Bildung gehört zu engl. (älter) romant, romaunt ‘Roman, abenteuerliche Prosa- oder Verserzählung’ (neben engl. romance), das seinerseits auf afrz. mfrz. romanz, romant ‘Vers-, Prosaerzählung’ (s. ↗Roman) zurückgeht. Unter erneutem Einfluß von engl. romantic und dessen semantischer Entwicklung im 17./18. Jh. wird romantisch einerseits gegen Mitte des 18. Jhs. im Sinne von ‘poetisch, phantastisch, abenteuerlich, wunderbar’ üblich, woran sich Ende des 18. Jhs. die auf Personen bezogene Verwendung ‘gefühlsbetont, von Stimmungen abhängig, schwärmerisch’ anschließt, andererseits steht es ebenfalls seit der Jahrhundertmitte für ‘stimmungsvoll, malerisch, düster, geheimnisvoll’ (namentlich von Landschaften und Natureindrücken). Seit dem späten 18. Jh. dient romantisch (als Gegenwort zu ↗klassisch, s. d.) der Charakterisierung von Dichtung, Kultur und Lebensauffassung des Mittelalters, die dem an der Antike orientierten Kunstideal der Klassik entgegengestellt werden; zu Beginn des 19. Jhs. wird es mit der Bedeutung ‘die Literatur, das Denken, die künstlerischen Anschauungen der Romantik betreffend, zu dieser Richtung gehörend’ kennzeichnend für die neuen geistigen Bestrebungen jener Epoche. Romantik f. Substantivbildung zu romantisch, zuerst (Ende 18. Jh.) für ‘das Romantische, Phantastische als Eigenart des Romans’, dann (Anfang 19. Jh.) vor allem Bezeichnung der nach der französischen Revolution sich in den Ländern Europas in unterschiedlicher Weise herausbildenden, in Deutschland etwa von 1790 bis 1830 herrschenden und durch Hinwendung zum Volkstümlichen und Nationalen, aber auch zum Gefühlsmäßigen, Irrationalen geprägten künstlerisch-philosophischen Bewegung; seit Mitte des 19. Jhs. daneben allgemein ‘romantische Wesensart, Verträumtheit, reizvolle, das Gefühl ansprechende Stimmung, Abenteuerlichkeit’. Dazu Romantiker m. ‘Vertreter des Kunststils der Romantik’, auch ‘gefühlsbetonter, schwärmerischer, unrealistisch denkender Mensch, Phantast’ (1. Hälfte 19. Jh.), zuvor ‘Verfasser von Romanen’ (Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
Musik der Romantik · Musik des 19. Jahrhunderts · Romantik (Musik) · Romantische Musik
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufklärung Barock Biedermeier Blume Expressionismus Galerie Geist Gotik Hang Hauch Idealismus Impressionismus Inbegriff Kitsch Klassik Klassizismus Malerei Moderne Poesie Realismus Renaissance Restauration Rokoko Sehnsucht Surrealismus Symbolismus Zeitalter revolutionär schwarz stählern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Romantik‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vollendet hat sich die Romantik daher erst im zwanzigsten Jahrhundert.
Süddeutsche Zeitung, 02.12.2000
Romantik ist gut, aber hier ist sie fehl am Platz.
Der Tagesspiegel, 22.09.1999
Der Typ des F. es entwickelte sich voll erst innerhalb der Kunst der Romantik.
o. A.: Lexikon der Kunst - F. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1989], S. 5048
Auch zeitlich kann man die Romantik nicht aus dem Barock ableiten.
Ball, Hugo: Der Künstler und die Zeitkrankheit. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1926], S. 1215
Und dann war wohl auch noch ein wenig Romantik dabei.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 1042
Zitationshilfe
„Romantik“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Romantik>, abgerufen am 26.04.2019.

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