Rotwelsch, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Rotwelschen/Rotwelschs/Rotwelsch · wird nur im Singular verwendet
WorttrennungRot-welsch
Herkunftvolksetymologisch aus rot(t)rotw ‘schlauer Bettler’ und welsch (Lesart 2)
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutungen

1.
auf dem Deutschen basierende und Bestandteile verschiedener anderer Sprachen (wie Jiddisch, Hebräisch, Romani u. A.) vereinende Gruppe älterer Sondersprachen von gesellschaftlichen Randgruppen wie Bettlern, ziehenden Handelstreibenden und Kriminellen, die später lexikalischen Einfluss auf eine Reihe von Ortsdialekten genommen hat
Beispiele:
Vor Jahren habe ich die letzten Gemeinden aufgesucht, in denen Rotwelsch sprechende Wanderhändler lebten. [Welt am Sonntag, 18.10.2015, Nr. 42]
Die Gesellen auf der Walz pflegen einen eigenen Jargon, ähnlich dem Rotwelsch der Gauner und Vagabunden. [Der Spiegel, 18.11.1985]
Cant, Argot oder Rotwelsch dienen der Bildung und Abschirmung einer sozialen Gruppe durch absichtliche Einengung der Verständlichkeit der verwendeten Sprache, sie sind aus echten Geheimsprachen krimineller Zirkel entstanden. [Bauer, Friedrich L. u. Goos, Gerhard: Informatik, Berlin: Springer 1971, S. 2]
Einige Besenbinderfrauen reden ein Rotwelsch, […] das bestenfalls mittels eines umfangreichen Dialektwörterbuches ins Deutsche übertragen werden könnte. [Neue deutsche Literatur, 1954, Nr. 1, Bd. 2]
2.
seltener, salopp Außenstehenden unverständlicher Jargon
Beispiele:
Der Autor, von Hause aus Jurist, schreibt nicht das Rotwelsch seiner Zunft, sondern ein schlankes Deutsch. [Süddeutsche Zeitung, 23.04.2012]
Es geht um narrative Verdichtung, um Datenkomprimierung und um das, was im Rotwelsch der Medien »Condensed Information« heißt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2004]
Wer dieses auffallend schmale […] Buch in die Hand nimmt, könnte hinter seinem Titel die üblich wehleidige und selbstzufriedene Klage über den Zustand unserer Politik und unserer Politiker vermuten, auch über das, was im gelehrten Rotwelsch neuerdings deren »Legitimationsdefizit« genannt wird. [Der Spiegel, 13.07.1981]
[…] der redet nicht im augenzwinkernd unverbindlichen Rotwelsch des Gelehrtenfachs oder der Schreibtischaristokratie[…]. [Rubiner, Ludwig: Dichter Voltaire. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 143652]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

welsch · rotwelsch · Rotwelsch
welsch Adj. ‘romanisch’, besonders ‘italienisch’, allgemeiner ‘aus südlichen Regionen, aus dem romanischen Bereich (besonders aus Italien, Frankreich, Spanien) stammend’, ahd. wal(a)hisc (11. Jh.), mhd. walhisch, welhisch, walsch, welsch ‘italienisch, französisch, romanisch’, mnd. welsch, mnl. walsch, welsch, nl. waals ‘wallonisch’, aengl. (angl.) wē̌lisc, wǣ̌lisc, (westsächs.) wī̌lisc, wȳ̌lisc ‘keltisch, normannisch’, engl. Welsh ‘walisisch’, anord. valskr ‘romanisch’, schwed. välsk ‘romanisch’. Das Adjektiv ist von einem in ahd. Wal(a)h ‘Romane’ (9. Jh.), mhd. Walch, Walhe ‘Romane, Italiener, Franzose’, aengl. Walh, Wealh ‘Kelte, Gallier, Römer’, anord. (Plur.) Valir ‘Bewohner Nordfrankreichs, keltische Bewohner Englands’ belegten Substantiv abgeleitet, das aus dem Namen eines keltischen, den Germanen benachbarten Volkes unbestimmter Herkunft hervorgegangen ist (lat. Volcae, germ. *Walhōs). Noch vor der ahd. Lautverschiebung übernommen, bezeichnet er zunächst die Kelten, dann die nach der Eroberung durch die Römer entstehende romanische Bevölkerung in Gallien sowie die Bewohner Italiens. welsch steht daher für ‘romanisch’, und zwar speziell für ‘italienisch’ (bis ins 18. Jh.), für ‘französisch’ (seit dem 16. Jh. vorwiegend in südwestd. Quellen, in der Literatursprache in betontem Gegensatz zu deutsch, oft mit abschätzigem Beisinn), seltener für ‘spanisch’ oder ‘rätoromanisch’. In übertragenem Sinne ‘fremdartig, unverständlich’ (16. Jh.). rotwelsch Adj. ‘gaunersprachlich, unverständlich’, mhd. rotwalsch, -welsch, substantiviert Rotwelsch n. ‘unverständliche Sprache der Gauner und Landstreicher’, mhd. rotwalsch (13. Jh.), danach auch ‘betrügerische Rede’; gebildet zu rotw. rot(t) ‘schlauer Bettler’. Die Zusammensetzung steht dann unter dem Einfluß der Farbbezeichnung rot in deren übertragenem Sinne von ‘falsch, untreu’, auch ‘betrügerisch, gaunerisch’. S. auch ↗kauderwelsch.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ganovensprache · ↗Gaunersprache · Rotwelsch
Oberbegriffe
Zitationshilfe
„Rotwelsch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Rotwelsch>, abgerufen am 15.09.2019.

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