Ruhe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ruhe · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungRu-he (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Ruhe‹ als Erstglied: ↗Ruhebank · ↗Ruhebedürfnis · ↗Ruhebett · ↗Ruhecouch · ↗Ruheenergie · ↗Ruhegehalt · ↗Ruhegeld · ↗Ruhegenuss · ↗Ruhehaltung · ↗Ruhekissen · ↗Ruhekleid · ↗Ruhelage · ↗Ruhelager · ↗Ruhemasse · ↗Ruhemöbel · ↗Ruhenergie · ↗Ruheort · ↗Ruhepause · ↗Ruheperiode · ↗Ruhephase · ↗Ruheplatz · ↗Ruheposten · ↗Ruhepunkt · ↗Ruheraum · ↗Ruheschmerz · ↗Ruhesitz · ↗Ruhestadium · ↗Ruhestand · ↗Ruhestatt · ↗Ruhestellung · ↗Ruhestifter · ↗Ruhestrom · ↗Ruhestunde · ↗Ruhestätte · ↗Ruhestörer · ↗Ruhestörung · ↗Ruhesystem · ↗Ruhetag · ↗Ruhezeit · ↗Ruhezone · ↗Ruhezustand · ↗Ruhmasse · ↗Ruhsystem · ↗ruhebedürftig · ↗ruheliebend · ↗ruhelos · ↗ruhevoll · ↗ruhsam
 ·  mit ›Ruhe‹ als Letztglied: ↗Abendruhe · ↗Arbeitsruhe · ↗Arschruhe · ↗Bettruhe · ↗Bierruhe · ↗Bärenruhe · ↗Friedhofsruhe · ↗Gemütsruhe · ↗Gewissensruhe · ↗Grabesruhe · ↗Kirchhofsruhe · ↗Laufruhe · ↗Mittagsruhe · ↗Nachtruhe · ↗Puppenruhe · ↗Sabbatruhe · ↗Seelenruhe · ↗Sonntagsruhe · ↗Totenruhe · ↗Unruhe · ↗Waffenruhe
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
das Aufhören der Bewegung, der Stillstand
Beispiele:
ein Körper, eine Maschine ist, befindet sich in Ruhe
der Wechsel zwischen Ruhe und Bewegung
Die Lampe über dem Tisch kam zur Ruhe [U. BecherMänner28]
2.
Zustand des Ungestörtseins
Gegenwort zu Unruhe
a)
äußere, durch keinen Lärm gestörte Stille
Beispiele:
eine friedliche, tiefe, träumerische, unheimliche, vollkommene, nächtliche, feiertägliche Ruhe
die Ruhe des Waldes
die Ruhe in der Natur
gegen Abend trat draußen Ruhe ein
die Ruhe suchen
er braucht Ruhe bei der Arbeit
das Dorf lag in beschaulicher Ruhe
nach Ruhe verlangen
sich nach Ruhe sehnen
»Ruhe!« sagte der Lehrer
bitte einen Augenblick Ruhe
Ruhe schaffen
jmdn. zur Ruhe bringen, ermahnen
Eine geisterhafte Ruhe hatte sich über Platz und Straßen ausgebreitet [Wasserm.Gold189]
ungestörter ordnungsgemäßer Zustand
Beispiele:
die Ruhe stören
Ruhe geben, halten (= nicht stören)
ich möchte jetzt meine Ruhe haben (= ungestört bleiben)
jmdm. keine Ruhe lassen (= jmdn. dauernd stören)
seine Arbeiten in Ruhe (= ungestört) fortsetzen
umgangssprachlich lass mich in Ruhe!
in Ruhe und Frieden leben
die ungestörte öffentliche Ordnung und Sicherheit
Beispiel:
nach dem Putschversuch herrschte in der Hauptstadt wieder Ruhe, waren Ruhe und Ordnung wiederhergestellt
bildlich
Beispiel:
die Ruhe vor dem Sturm (= gespannte Atmosphäre vor einer kommenden Auseinandersetzung)
b)
innere Ausgeglichenheit
Beispiele:
eine heitere, gesammelte, erzwungene, erstaunliche, bewundernswerte Ruhe
die Ruhe des Gemüts
gehoben er strahlt Ruhe aus
Ruhe geht von ihm aus, erfüllt ihn
Ruhe kommt über ihn
die Ruhe verließ ihn
jmdm. die Ruhe geben, nehmen, rauben
jmdn. aus seiner Ruhe aufschrecken
ihr Unglück brachte ihn um seine Ruhe
nach vielen Wirrnissen kam er endlich zur Ruhe
gehoben Meine Ruh ist hin, / Mein Herz ist schwer [GoetheFaustI 3374]
Gleichmut
Beispiele:
eine gelassene, gemessene, überlegene, unerschütterliche, behäbige, lässige, gespielte, kalte, eisige, aufreizende, gefährliche, apathische Ruhe
ihm fehlt die nötige Ruhe
Ruhe besitzen
er zeigte eine gleichmütige Ruhe
die Ruhe behalten, bewahren, verlieren
aus der Ruhe kommen
sich nicht aus der Ruhe bringen lassen
umgangssprachlich immer mit der Ruhe! (= nicht so hastig!)
den Ereignissen in aller Ruhe entgegensehen
etw. in Ruhe besprechen
mit größter Ruhe abwarten
sich zur Ruhe zwingen
sprichwörtlich nur die Ruhe kann es bringen
Der General hörte mit stoischer Ruhe den Bericht des Offiziers [WelkHoher Befehl516]
übertragen
Beispiele:
er ist die Ruhe selbst, in Person
salopp er hat die Ruhe weg (= ihn kann nichts erschüttern)
umgangssprachlich nun hat die liebe Seele Ruh (= nun ist man endlich zufrieden)
3.
das Ausruhen
a)
Muße, Erholung
Beispiele:
eine kurze, behagliche, wohltuende, wohlverdiente Ruhe
viel Ruhe brauchen
sich [Dativ] nach der Arbeit Ruhe gönnen
gehoben der Kranke bedarf der Ruhe
veraltend der Ruhe pflegen
gehoben ein Leben ohne Rast und Ruh (= ein ruheloses, unstetes Leben)
gehoben ohne Rast und Ruh (= ständig) arbeiten
übertragen
Beispiele:
sich zur Ruhe setzen (= als privater Unternehmer, Geschäftsmann, selbständiger Handwerker oder freiberuflich Tätiger seine Tätigkeit aus Altersgründen aufgeben und von seinem Vermögen leben)
Militär in Ruhe (= Ruhestellung) liegen
Militär Wir zogen ... nach hinten in Ruhe [MarchwitzaJugend318]
b)
Schlaf
Beispiele:
eine gute, erquickende, bleierne Ruhe
im Bett keine Ruhe finden
zur Ruhe gehen (= schlafen gehen)
sich zur Ruhe legen
papierdeutsch sich zur Ruhe begeben
angenehme Ruhe! (= Wunsch beim Schlafengehen)
gehoben, verhüllend, bildlich
Beispiele:
zur ewigen Ruhe eingehen (= sterben)
jmdn. zur letzten Ruhe tragen, betten (= jmdn. beerdigen)
Wir hatten Philipp auf dem einsamen Dorfkirchhof ... zur letzten Ruhe gebracht [WerfelVeruntreuter Himmel77]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ruhe · ruhen · ruhelos · Ruhestatt · Ruhestätte · Ruhestand · ruhig · beruhigen · ruhsam · geruhsam · Unruhe
Ruhe f. ‘Stille, Untätigkeit, Entspannung’, ahd. ruowa (um 800), mhd. ruo(we), mnd. rouwe, rōwe, mnl. rouwe, rowe, aengl. rōw, anord. , schwed. ro ‘Ruhe’ setzen germ. *rōwō (ie. *rōu̯ā), ablautendes ahd. rāwa (9. Jh.), mhd. mnd. rāwe, mnl. rauwe dagegen germ. *rēwō (ie. *rēu̯ā) voraus. Außergerm. vergleichen sich awest. airime Adv. ‘still, ruhig sitzend’, griech. erōḗ (ἐρωή) ‘das Aufhören, Ruhe, Rast’, erōé͞in (ἐρωεῖν) ‘ruhen, rasten, nachlassen’, kymr. araf ‘ruhig, mild, langsam’. Erschließbar ist eine Wurzel ie. *erə-, *rē- ‘ruhen’ (wozu auch ↗Rast, s. d.). ruhen Vb. ‘Entspannung finden, still liegen, rasten, auf etw. fest liegen, stehen’, ahd. ruowēn (11. Jh.), mhd. ruo(we)n, mnd. ro(u)wen, mnl. rouwen, ruwen, daneben (ablautend) ahd. rāwēn (um 1000), mhd. mnd. rāwen ‘(aus)ruhen’ sind Bildungen zu den genannten Substantiven. ruhelos Adj. ‘von innerer Unruhe erfüllt, unstet, voll Unrast’, mhd. ruowelōs. Ruhestatt, Ruhestätte f. ‘Ruheplatz, Grabstätte’, mhd. ruowestat. Ruhestand m. ‘Zeit der Ruhe und des Friedens, Waffenstillstand’ (16. Jh.), ‘inneres Gleichgewicht’ (17. Jh.), ‘Lebensabschnitt nach dem Ausscheiden aus der beruflichen Tätigkeit’ (19. Jh.). ruhig Adj. ‘bewegungslos, still, nicht aufgeregt’, mhd. ruowec, ruowic, frühnhd. rūwig (15. Jh.). beruhigen Vb. ‘ruhig machen, zufriedenstellen, besänftigen’, reflexiv ‘ruhig werden, sich zufriedengeben’ (16. Jh.). ruhsam Adj. ‘ruhig, behaglich, ohne Eile, ohne Aufregung’ (15. Jh. ruosam, md. rusam, bei Luther rugsam); vgl. mnd. rou(we)sam; heute dafür geruhsam Adj. mhd. (md.) gerūgesam. Unruhe f. ‘anhaltende innere Erregung, Besorgnis, störende geräuschvolle Bewegung’, Unruhen (Plur.) ‘Empörung, Aufruhr einer größeren Gruppe von Menschen’, ahd. unruowa (8. Jh.), mhd. unruo(we), (md.) unrū sowie ahd. unrāwa (um 1000), mhd. unrāwe; auch ‘Uhrpendel’ (16. Jh.), dann ‘Schwungrad in Uhren, Gangregler’ (Mitte 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ruhe... · ↗müßig · ↗untätig
Synonymgruppe
Geräuschlosigkeit · ↗Lautlosigkeit · Ruhe · ↗Schweigen · ↗Stille · ↗Stillschweigen · ↗Verschwiegenheit  ●  ↗Funkstille  ugs., fig.
Assoziationen
  • (den) Mund nicht aufbekommen · (jemandem) versagt die Stimme · (jemandes) Kehle ist wie zugeschnürt · (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · kein Wort herausbekommen · keine Antwort geben · keinen Ton herausbekommen · nichts sagen · stumm bleiben  ●  ↗schweigen  Hauptform · (das) Maul nicht aufkriegen  ugs. · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.
  • (ganz) leise · ↗(ganz) still · ↗totenstill  ●  ↗mucksmäuschenstill  ugs.
Synonymgruppe
Nachtruhe · Ruhe · ↗Schlaf · ↗Schlummer
Assoziationen
Synonymgruppe
Ruhe jetzt! · Ruhe! · leise! · still!  ●  sei still!  variabel · Ruhe da hinten auf den billigen Plätzen!  ugs., scherzhaft · Ruhe da hinten!  ugs. · Ruhe im Glied!  ugs., veraltend, militärisch · gib endlich Ruhe!  ugs. · pscht!  ugs. · psst!  ugs. · pst!  ugs. · schh!  ugs. · schhh!  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Entspannung · Ruhe
Synonymgruppe
Ruhe · Ruhe und Frieden · entspannte Situation
Antonyme
  • Ruhe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Entspannung Friede Frieden Gelassenheit Oase Ordnung Sturm absolut abwarten aufrufen ausstrahlen betten bewahren einkehren ewig genießen gespannt gönnen herrschen inner lassen mahnen relativ sehnen sorgen stoisch stören trügerisch wiederherstellen überlegen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ruhe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bisher fehlte uns die Zeit, die Daten in Ruhe auszuwerten.
Die Zeit, 03.12.2013, Nr. 49
Wie lange wird man uns hier noch in Ruhe lassen?
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1943. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1943], S. 31
Ich schlafe meist traumlos, nun ist wohl Ruhe bis morgen früh.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 208
Ich muß mich aber zur Ruhe zwingen, schon um ihretwillen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1941. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1941], S. 73
Die ehemals marxistischen Arbeiter möge man zunächst einmal in Ruhe lassen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1934]
Zitationshilfe
„Ruhe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ruhe>, abgerufen am 16.07.2019.

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