Säure, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Säure · Nominativ Plural: Säuren
Aussprache
WorttrennungSäu-re
Wortbildung mit ›Säure‹ als Erstglied: ↗Säurebeständigkeit · ↗Säurebildung · ↗Säuregehalt · ↗Säuregrad · ↗Säuremangel · ↗Säuremantel · ↗Säuremesser · ↗Säureschutzmantel · ↗Säureüberschuss · ↗säurearm · ↗säurebeständig · ↗säurebildend · ↗säurefest · ↗säurefrei · ↗säurehaltig
 ·  mit ›Säure‹ als Letztglied: ↗Acetylsalicylsäure · ↗Acrylsäure · ↗Ameisensäure · ↗Aminosäure · ↗Apfelsäure · ↗Ascorbinsäure · ↗Azetylsalizylsäure · ↗Blausäure · ↗Bromsäure · ↗Buttersäure · ↗Essigsäure · ↗Fettsäure · ↗Fluss-Säure · ↗Flusssäure · ↗Folsäure · ↗Fruchtsäure · ↗Gallensäure · ↗Gallussäure · ↗Gerbsäure · ↗Harnsäure · ↗Harzsäure · ↗Kaffeesäure · ↗Kieselsäure · ↗Kohlensäure · ↗Linolsäure · ↗Magensäure · ↗Milchsäure · ↗Nukleinsäure · ↗Oxalsäure · ↗Phosphorsäure · ↗Salicylsäure · ↗Salpetersäure · ↗Salzsäure · ↗Schwefelsäure · ↗Traubensäure · ↗Weinsteinsäure · ↗Weinsäure · ↗Zitronensäure
eWDG, 1974

Bedeutung

saurer Geschmacksbestandteil
Beispiele:
dieser Wein hat zu viel Säure
die Säure der Früchte, Zitrone, des Essigs
die Säure des Apfels wirkt erfrischend
Chemie wasserstoffhaltige chemische Verbindung, die in wässriger Lösung Wasserstoffionen abspaltet und mit Basen oder Metallen Salze bildet, blaues Lackmuspapier rot färbt und meist einen sauren Geschmack hat
Beispiele:
eine ätzende, scharfe, starke, schwache, verdünnte, freie Säure
bei diesem Vorgang bildet sich, entsteht (eine) Säure
Säure ätzt Metalle, greift Metall an
seine Hände sind von Säure zerfressen
er hat zu viel Säure (= Magensäure) im Magen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sauer · säuerlich · säuern · versauern · Säure · Sauerampfer · Ampfer · Sauerstoff · sauersüß · Sauerteig · Sauertopf · Sauregurkenzeit
sauer Adj. (vom Geschmack) ‘scharf und zusammenziehend’, auch ‘säurehaltig, geronnen’ (von Milch), verschiedentlich übertragen ‘mühevoll, schwer, verärgert’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. aengl. sūr, mnl. suur, nl. zuur, engl. sour, anord. sūrr, schwed. sur. Germ. *sūra- ‘sauer, salzig’, auch ‘feucht’ (vgl. ahd. sūrougi ‘triefäugig, halbblind’, 9. Jh., asächs. sūrōgi, aengl. sūrēagede, sūrīege, anord. sūreygr) läßt sich vergleichen mit lit. (älter mundartlich) sū́ras ‘gesalzen’, lett. sūrs ‘salzig, bitter’, lit. sū́ris ‘(harter und stark gesalzener) Käse’, aslaw. syrъ ‘feucht, naß’, russ. syrój (сырой) ‘roh, feucht, sauer’, aslaw. syrъ, russ. syr (сыр) ‘Käse’, (mit Ablaut) anord. saurr ‘Schmutz, feuchte Erde’, aslaw. surovъ ‘hart, grausam’, russ. suróvyj (суровый) ‘rauh, roh’ und auf ie. *suəro- ‘sauer, salzig, bitter’, eigentlich ‘saftend, käsig geronnen, schleimig naß’ zurückführen. Dies gehört zur Wurzel ie. *seu-, *seu̯ə-. *sū- ‘tropfen lassen, schlürfen, saugen’ (s. ↗saufen, ↗saugen, ↗suhlen). Vgl. die Wendungen etw. wird jmdm. sauer ‘zur Qual, schwer’, mhd. sūr werden ‘qualvoll, peinlich werden’; jmdm. das Leben sauer (‘zur Qual’) machen (15. Jh.); jmdn. sauer ankommen ‘Mühe, Qual verursachen’, mhd. sūr ankomen. säuerlich Adj. ‘leicht sauer schmeckend’ (17. Jh.), sauerlicht (16. Jh.). säuern Vb. ‘sauer machen’, ahd. sūren (9. Jh.), mhd. siuren. versauern Vb. ‘sauer werden, machen’ (15. Jh.), zu nhd. sauern ‘sauer werden, sein’, ahd. sūrēn (9. Jh.), mhd. sūren, siuren. Säure f. ‘saure Beschaffenheit, Herbheit, Schärfe, sauer schmeckende Flüssigkeit’ (Essig u. dgl.), ahd. sūrī (9. Jh.), mhd. siure, Abstraktum zu sauer (s. oben); in der Chemie ‘mit Basen Salze bildende Verbindung’ (18. Jh.). Sauerampfer m. Name einer sauer schmeckenden Wiesenpflanze, ahd. sūrampho (Hs. 12. Jh.), mhd. sūrampfe, dann sūrampfer (14. Jh.), nhd. Sauerampfer (15. Jh.). Daneben steht früher bezeugtes Ampfer m. ahd. amph(a)ra f. (10. Jh.), amph(a)ro m. (11./12. Jh.), mhd. ampfer, nd. Amper, aengl. ampre, Substantivierung eines in anord. apr (aus *ampaR) ‘hart, böse’, schwed. amper ‘scharf, herb, derb’, nl. amper (älter, doch noch mundartlich) ‘scharf, herb, sauer’ erhaltenen Adjektivs. Diesem vergleichbar sind aind. amláḥ, amblaḥ ‘sauer’ und lat. amārus ‘bitter’. Erschließen läßt sich eine Wurzel ie. *am- ‘bitter, sauer’ (da die genannten Bildungen aus semantischen Gründen besser nicht zu einer Wurzel ie. *om- ‘roh, bitter’ gerechnet werden sollten). Die Komposition ahd. sūrampho ist als eine verdeutlichende Bildung zu dem (vielleicht nicht mehr verstandenen) Grundwort anzusehen. Sauerstoff m. farb-, geruch-, geschmackloses Gas. Das Anfang der 70er Jahre des 18. Jhs. entdeckte chemische Element nannte Lavoisier (1783), der den sauren Charakter vieler Oxide feststellte und fälschlich annahm, daß alle Säuren Sauerstoff enthielten, frz. gaz oxygène ‘säurebildendes Gas’ bzw. substantiviert nlat. oxygenium, frz. oxygène; vgl. griech. oxýs (ὀξύς) ‘scharf, herb, bitter, sauer, schnell, heftig’ (s. ↗Oxid) und s. ↗-gen. Den frz. Ausdruck übersetzt Girtanner (in Analogie zu Stick- und Wasserstoff) mit Sauerstoff (1791). sauersüß Adj. ‘sauer und süß zugleich’ (17. Jh.), häufiger süßsauer (16. Jh.); vgl. mhd. sīn süeʒe sūreʒ ungemach. Sauerteig m. ‘gärender Mehlteig, der dem Brotteig als Treibmittel zugefügt wird’ (15. Jh.). Sauertopf m. ‘verdrießlicher, mürrischer Mensch’ (16. Jh.), eigentlich ‘Essigtopf’, vgl. mnd. sūr ‘Essig’. Sauregurkenzeit f. ‘ereignisarme Zeit’, eigentlich ‘Juli und August, die Zeit, in der die Gurken reifen’. Im 18. Jh. unter Berliner Kaufleuten für den ‘geruhsamen Geschäftsgang während des Sommers’ verbreitet, seit der Mitte des 19. Jhs. als Ausdruck der Tagespresse für die ‘ereignis- und stoffarme Zeit der Hundstage’, dann allgemein zur Bezeichnung einer ereignislosen Zeit.

Thesaurus

Chemie
Synonymgruppe
Säure · saure Lösung
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Antonyme
  • Säure

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist ein Recht der Opposition, der Regierung Saures zu geben.
Süddeutsche Zeitung, 19.12.2002
Kinder brauchen ganz hohe Konzentrationen, um Süßes oder Saures schmecken zu können.
Bild, 28.06.1999
Manche, wenn sie einen Deutschen an den zu kurzen Haaren und zerbeulten Anzügen erkennen, essen schnell etwas Saures.
Fries, Fritz Rudolf: Der Weg nach Oobliadooh, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1966, S. 69
Das begehrte "Saure" kann schließlich auch in Form des vitaminreichen Zitronensaftes genossen werden.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 399
Im Luftschloß des BKA geben sie nicht nur allen Sprach-Ästheten Saures.
Die Welt, 05.06.1999
Zitationshilfe
„Säure“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Säure>, abgerufen am 19.10.2019.

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