Süddeutsch, das

Die Verwendung der beiden möglichen Formen des Wortes richtet sich einerseits nach formalen Kriterien, andererseits tendenziell auch nach der beabsichtigten Bedeutung. Die Form ohne ‑e ist die einzige Möglichkeit, wo sonst starke Formen des Adjektivs gefordert wären (ich verstehe kein Süddeutsch). Sie wird gewöhnlich dann verwendet, wenn von verschiedenen Ausprägungen der Sprache die Rede ist (das typische Süddeutsch, im Süddeutsch des 18. Jahrhunderts) und steht häufiger als Subjekt und Objekt (ohne Artikel: ich verstehe Süddeutsch) als in anderen Rollen (der Fortbestand unseres Süddeutsch(s)). Die Form mit ‑e, die immer mit Artikel steht, kann in allen Fällen verwendet werden, wo schwache Adjektivendungen vorkommen (aus dem Süddeutschen ins Schriftdeutsche gelangen, der Fortbestand unseres Süddeutschen). Sie wird gewöhnlich verwendet, wenn die Sprache allgemein gemeint ist (das Süddeutsche ist eine bunte Sprachmischung).
Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular 1: Süddeutsch · Genitiv Singular 2: selten Süddeutschs · wird nur im Singular verwendet
Nebenform Süddeutsche · Substantiv · Genitiv Singular: Süddeutschen
Aussprache  [ˈzyːtdɔɪ̯tʃ] · [ˈzyːtdɔɪ̯tʃə]
Worttrennung Süd-deutsch ● Süd-deut-sche
Grundformsüddeutsch
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Gesamtheit der in Süddeutschland gesprochenen Mundarten oder der darauf beruhenden Akzente
Anders als Nieder-, Mittel-, Ober- und Hochdeutsch (2) handelt es sich hier um eine regionale, nicht sprachwissenschaftliche Bestimmung. Gemeint sind ganz überwiegend oberdeutsche Dialekte oder entsprechende Einschläge im Hochdeutschen (1).
Beispiele:
»Gach‑« oder »gah« (mit vielen lautlichen Abwandlungen) heißt […] auf Bairisch und allgemein Süddeutsch »jäh, steil«, »gäh‑schüssig« bedeutet entsprechend »abschüssig«. [Süddeutsche Zeitung, 26.03.2015]
M[…], gebürtiger Niederbayer, barockes Wesen, ist das, was man im Süddeutschen einen Gschaftlhuber nennt: einer, der seine Finger überall im Spiel hat […]. [Die Zeit, 02.06.2016]
»Spaß«: nicht wirklich ein gutes Wort, aber schwer ersetzbar. Als »Gaudi« reicht er weit ins Süddeutsche hinein, »Scherze« treffen daneben, erinnern an Scherzfragen, Scherzartikel, sind eben nur Scherze. [Der Standard, 13.05.2004]
Das viele Süddeutsch. In Baden ist starke Reklame gemacht worden, süddeutsche Firmen sind in diesen Bädern, vor allem: die Schulferien dort reichen bis zum 15. 9. [Klemperer, Victor: [Tagebuch]. In: ders.: Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum. Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1930], S. 189]

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›Süddeutsch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Süddeutsch‹.

Zitationshilfe
„Süddeutsch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/S%C3%BCddeutsch#1>.

Weitere Informationen …

Süddeutsche, die oder der

Grammatik Substantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Süddeutschen · Nominativ Plural: Süddeutsche(n)
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Süddeutschen, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einzelne Süddeutsche.
Aussprache  [ˈzyːtdɔɪ̯ʧə]
Worttrennung Süd-deut-sche
Wortzerlegung Süden Deutsche2
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Person, die im Süden Deutschlands geboren wurde oder lebt
Beispiele:
Auch den Süddeutschen sind Strukturbrüche nicht unbekannt, ganz große Krisen sind den bayerischen Firmen in den letzten Jahren aber erspart geblieben. [Die Welt, 29.08.2018]
Die Norddeutschen (Hanse) und die Süddeutschen (Alpenanrainer) sind traditionell bodenständiger [als die »Preußen«]. [Die Welt, 30.01.2019]
Die letzten drei Heimspiele konnten die Münchner nicht gewinnen, und in der Tabelle rangiert Spitzenreiter Borussia Dortmund mit neun Punkten Vorsprung auf die Süddeutschen. [Die Welt, 03.12.2018]
[Olaf] Scholz und [Horst] Seehofer wollen den alten Länderfinanzausgleich abschaffen, der Bund soll mehr zahlen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble stellt sich quer. Der Nord‑ und der Süddeutsche organisieren eine Art Verschwörung, alle 16 Länder stellen sich gegen den Bund und Schäuble. [Süddeutsche Zeitung, 10.09.2018]
Eine Mehrheit ist sogar überzeugt, dass sich Norddeutsche viel stärker von Süddeutschen unterscheiden als Ossis von Wessis. [Der Spiegel, 03.10.2014 (online)]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Süddeutsche“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/S%C3%BCddeutsche#2>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Süddeutsch
Südbairische
Südbairisch
Südbahnhof
Südamerika
Süddeutschland
Süden
Südeuropa
Südeuropäer
Südfenster