Sünde, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sünde · Nominativ Plural: Sünden
Aussprache
WorttrennungSün-de (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Sünde‹ als Erstglied: ↗Sündenbabel · ↗Sündenbekenntnis · ↗Sündenbock · ↗Sündenfall · ↗Sündengeld · ↗Sündenkonto · ↗Sündenmeile · ↗Sündenpfuhl · ↗Sündenregister · ↗Sündenschuld · ↗Sündenstrafe · ↗Sündenvergebung · ↗sündenrein · ↗sündhaft
 ·  mit ›Sünde‹ als Letztglied: ↗Bausünde · ↗Hauptsünde · ↗Unterlassungssünde
eWDG, 1976

Bedeutungen

Religion Verstoß gegen ein göttliches Gebot
Beispiele:
der Glaube an die Vergebung der Sünden
Es war ihr, als habe das Paradies sich ihr aufgetan, eh' die Sünde (= der Abfall des Menschen von Gott durch Verstoß gegen sein Gebot) in die Welt gekommen war [WeismantelRiemenschneider150]
häufig, umgangssprachlich, scherzhaft Verstoß gegen bestehende (moralische) Verhaltensnormen, Verfehlung
Beispiele:
eine leichte, schwere Sünde
eine Sünde begehen, beichten
seine Sünden bekennen, bereuen
es ist eine Sünde, Brot wegzuwerfen
die Sünden (= Fehler, Versäumnisse) der Verkehrsplanung
diese Riesensätze sind eine Sünde wider den guten Stil (= Verstoß gegen die Regeln für guten Stil)
es ist eine wahre, himmelschreiende Sünde (= Unterlassung, Versäumnis), dass du dein Talent so brachliegen lässt
dir für deine abenteuerlichen Pläne auch noch Geld zu geben, das wäre eine Sünde (= dir für deine abenteuerlichen Pläne auch noch Geld zu geben, das wäre eine Dummheit, Torheit)
er flieht, meidet den Alkohol wie die Sünde (= er flieht, meidet den Alkohol wie etw. Verwerfliches)
salopper war faul wie die Sünde (= er war sehr faul)
saloppsie war schön wie die Sünde (= sie war sehr schön)
Vorurteile sind Trägheit, weiter nichts, Trägheit ist Sünde gegen das Leben (= Versäumnis gegenüber den Forderungen des menschlichen Zusammenlebens) [DodererStrudlhofstiege14]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sünde · Sünder · sündhaft · sündig · sündigen · versündigen · Sündenbock · Sündenfall
Sünde f. (im Sinne des Christentums) ‘Verstoß gegen ein göttliches Gebot’, (allgemein) ‘Übertretung des Sittengesetzes, Verstoß gegen Verhaltensnormen, Verfehlung, Irrtum’, ahd. sunta (8. Jh.), mhd. sünde, sünte, sunte, asächs. sundia, mnd. sünde, mnl. sonde, sunde, nl. zonde, aengl. syn(n), engl. sin; aus dem Mnd. stammen wohl anord. schwed. synd. Die Herleitung des Wortes bereitet Schwierigkeiten. Schröder in: Zs. f. vgl. Sprachforsch. 56 (1928) 106 ff. versucht, eine Verbindung von Sünde mit dem alten unter ↗Schande (s. d.) behandelten rechtssprachlichen Ausdruck herzustellen. Er erschließt germ. *skṃtjō ‘Scham’ und ein zugehöriges (mit Übergang von m zu n vor Dental) *skantō ‘Schande’, das nach (sonst kaum belegtem) Ausfall von k schwundstufiges germ. *sundjō ergeben habe. Andere sehen in den germ. Formen frühe Entlehnungen in die Kirchensprache aus lat. sōns (Genitiv sontis) Adj. ‘schädlich, sträflich, straffällig, schuldig’, Subst. ‘Schuldiger, Missetäter’ (Ausdruck der römischen Rechtssprache; zur Etymologie von sōns s. unten); vgl. de Vries Nl. 869, ebenso Walter Lehngut im Altwestnord. (1976) 87, der als Ausgangsform für das Germ. vlat. *sontia vermutet, eine als Fem. Sing. aufgefaßte Substantivierung des Adjektivs. Doch nach Frings in: PBB (H) 81 (1959) 427 und vor allem nach Seebold in: Die Sprache 15 (1969) 14 ff. ist germ. *sundjō bzw. (mit Aufgabe des Dentals) *sunjō im Sinne von ‘Schuld für eine strafwürdige Tat’ als alter germ. Rechtsausdruck aufzufassen, der in die Kirchensprache zur Wiedergabe von lat. peccātum ‘Sünde (gegen Gott)’ aufgenommen wird, vgl. ahd. sunta, suntea, asächs. sundia, afries. sende, sonde und aengl. syn(n) ‘Schuld, Vergehen, Sünde’. Als verwandte Bildungen stehen daneben ahd. sunna (9. Jh.), asächs. sunnia ‘wahrer Zustand, gesetzlich anerkannter Hinderungsgrund, Entschuldigung, Notwendigkeit’, anord. syn ‘Wahrheitsbekräftigung’, auch ‘Einspruch, Leugnung’, nauðsyn ‘gesetzlich anerkannter Hinderungsgrund, Notwendigkeit, Zwang’ und got. sunja (aus *sundj-) ‘Wahrheit’ (vgl. auch got. bisunjanē Genitiv Plur. ‘der ringsum Seienden, der Herumwohnenden’). Sie sind mit anord. sannr, saðr ‘wahr, schuldig’, asächs. sōð ‘wahr, Wahrheit’, aengl. sōþ- ‘wahr’ (germ. *sanþ-, *sund- ‘wahr’), außergerm. mit lat. sōns (s. o.), griech. ónt- (ὄντ-) ‘seiend’, aind. satyáḥ ‘wahr, wirklich’ zu *sṇtió-, vgl. aind. sánt- ‘seiend, gut, wahr’, Part. Präs. zu ásti ‘ist’, zusammenzustellen und auf die unter ↗sein (s. d.) angegebene Wurzel ie. *es-, schwundstufig *s- ‘sein’ bzw. auf das zugehörige Part. Präs. ie. *sont-, *sṇt- zurückzuführen. Dabei ist für die den Begriff ‘Sünde’ wiedergebenden Ausdrücke eine Bedeutungsentwicklung von ‘das Seiende, Wahre, die Wahrheit’ über ‘festgestellte Schuld, (richtige) Sachverhältnisse, die den gegnerischen Aussagen entgegengestellt werden, Widerspruch, Verneinung’ zu (im christlich-kirchlichen Sinne) ‘Vergehen gegen Gottes Gebot, Böses’ anzunehmen. Sünder m. ‘wer eine Sünde begeht’, ahd. suntāri (11. Jh.), mhd. sündære, sünder. sündhaft Adj. ‘einer Sünde entsprechend, mit Sünde behaftet, sündig’, steigernd im Sinne von ‘sehr’ (vgl. sündhaft dumm, sündhaft teuer, 19. Jh., doch wohl älter und bereits Ende 17. Jh. sich anbahnend), ahd. sunt(i)haft (8. Jh.), mhd. sündehaft. sündig Adj. ‘mit Sünde behaftet, gegen Gottes Gebot, gegen Sitte und Moral gerichtet’, ahd. suntīg (8. Jh.), mhd. sündec, sündic; dazu (oder als Weiterbildung von mhd. sünden Vb.) sündigen Vb. ‘eine Sünde begehen’, mhd. sündigen; versündigen Vb. ‘schuldig werden’, meist reflexiv ‘sich in Schuld verstricken, sich gegen Gott vergehen, Fehler machen’, mhd. versündigen ‘(sich) in Sünden stürzen, durch Sünden verderben’. Sündenbock m. ‘Mensch, dem unberechtigt alle Schuld zugeschoben wird, ohne daß er wirklich schuldig ist’ (Ende 18. Jh.), eigentlich ‘der Bock, der (nach 3. Mos. 16) die Sünde des Volkes stellvertretend in die Wüste trägt’ (seit dem 17. Jh. belegt), daher auch ‘schlimmer Sünder’ (17. Jh.). Sündenfall m. ‘(schwere) Versündigung’, mhd. sündenval, besonders (nach christlichem Glauben) ‘das Sündigwerden des Menschen’, eingeleitet (nach der Bibel 1. Mos. 3) durch den ‘Abfall von Gott’ des ersten Menschenpaares Adam und Eva (seit 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bruch (göttlicher Gesetze) · ↗Frevel · ↗Missetat · ↗Tabubruch · ↗Verfehlung · frevlerisches Handeln · ↗Übertretung  ●  Sünde  religiös
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Todsünde · nichtlässliche Sünde · schwere Sünde
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ablass Busse Erlösung Geist Gnade Homosexualität Laster Reue Sold Sühne Sünde Vergangenheit Vergebung abbüßen begangen begehen beichten bereuen bestrafen büßen lieb läßlich ordnungspolitisch reinigen reinwaschen städtebaulich süß tilgen unverzeihlich vergeben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sünde‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und damit zog er selbstkritisch die Lehre aus seiner Sünde.
Der Tagesspiegel, 13.08.1999
Ich soll büßen für Sünden, die ich verübte, und ich seufzte nur nach jenen, die ich nicht mehr verüben kann.
Süddeutsche Zeitung, 28.12.1996
Also sei nett zu Dir und laß mal die schlimmsten Sünden gegen Dich selber weg.
Brief von Christa Wolf an Brigitte Reimann vom 10. 7. 1969. In: Brigitte Reimann u. Christa Wolf, Sei gegrüßt und lebe, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1969]
Aber gehängt habe man ihn doch zu Recht, eben wegen der »Sünde wider das Blut«.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1945. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1945], S. 75
Und er erlöst sie exemplarisch, nicht als stellvertretendes Opfer für ihre Sünden.
Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. II, Tübingen: Mohr 1921 [1920-1921], S. 262
Zitationshilfe
„Sünde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sünde>, abgerufen am 10.12.2019.

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