Sachlichkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sachlichkeit · Nominativ Plural: Sachlichkeiten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungSach-lich-keit (computergeneriert)
Wortzerlegungsachlich-keit
eWDG, 1974

Bedeutung

nicht von Gefühlen und persönlichen Interessen beeinflusste Haltung, Objektivität
Beispiele:
etw. mit Sachlichkeit erzählen, darstellen
jmdn. mit kühler Sachlichkeit behandeln
die Naturwissenschaft strebt in ihrer Arbeit nach reiner Sachlichkeit
er war voll ruhiger, kühler, strenger Sachlichkeit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sache · sachlich · Sachlichkeit · versachlichen · sächlich · Sachbearbeiter · Sachwalter · Widersacher
Sache f. ‘Gegenstand, Ding, Angelegenheit, Aufgabe’, ahd. sahha (8. Jh.), mhd. sache ‘Rechtssache, Rechtsstreit, Angelegenheit, Ursache, Ding’, asächs. saka, auch ‘Gericht, Feindschaft, Schuld’, mnd. mnl. sāke, nl. zaak ‘Sache, Angelegenheit, Handlung, Geschäft’, afries. seke, sake, aengl. sacu ‘Verfolgung, Streit, Krieg, Prozeß’, engl. sake ‘Ursache, Grund’, anord. sǫk ‘Rechtshandel, Klage, Grund, Veranlassung’, schwed. sak ‘Ding, Rechtsangelegenheit’ (germ. *sakō) sowie (mit anderer Stammform) got. sakjō ‘Streit’ (germ. *sakjōn-), ahd. seck(e)a (8. Jh.), aengl. sæcc ‘Streit’ (germ. *sakjō) sind Bildungen zu einem in ahd. sahhan ‘streiten, prozessieren, schelten’ (8. Jh.), asächs. sakan, aengl. sacan ‘streiten, klagen, leugnen’, got. sakan ‘streiten, schelten, Vorwürfe machen’ bezeugten starken Verb, das in den germ. Sprachen bald (bis auf wenige Reste) untergegangen ist. In dem ursprünglichen Sinne von ‘Rechtsangelegenheit, Rechtsstreit vor Gericht’ ist Sache mit seinen Verwandten ein altes Wort der Rechtssprache, dessen Bedeutung sich (wie bei ↗Ding, s. d.) mehr und mehr verallgemeinert. Es steht schwundstufig neben griech. hēgé͞isthai (ἡγεῖσθαι) ‘vorangehen, führen’, dann auch ‘meinen, glauben’, lat. sāgīre ‘spüren, wittern’, sāgus ‘wahrsagend, prophetisch’, air. saigim ‘suche, gehe einer Sache nach’ und gehört mit diesen zu der auch für ↗suchen (s. d.) geltenden Wurzel ie. *sāg-, *səg- ‘(witternd) nachspüren’, so daß für das oben genannte starke Verb eine Bedeutungsentwicklung von ‘witternd suchen, nachspüren’ über ‘eine Spur, einen Täter verfolgen’ zu ‘vor Gericht klagen, prozessieren’ anzunehmen ist. Dazu formelhafte Wendungen wie in Sachen (‘in der Rechtsangelegenheit’) X gegen Y (16. Jh.), allgemeiner in Sachen (X) ‘betreffs, bezüglich’ (17. Jh.); in eigener Sache ‘in einer persönlichen Angelegenheit’, Richter in eigener Sache (eigentlich ‘Rechtsangelegenheit’) sein (17. Jh.); gemeinsame Sache mit jmdm. machen ‘mit jmdm. zusammen etw. (Fragwürdiges) unternehmen’ (18. Jh.); das ist Sache (‘Angelegenheit, Aufgabe’) des X (18. Jh.); nichts, etw. zur Sache tun ‘(keinen) Einfluß haben’ (17. Jh.); zur Sache! ‘ohne Umschweife zum Wesentlichen!’ (18. Jh.); seine sieben Sachen ‘alles, was man (nötig) hat’ (19. Jh.; s. auch ↗Siebensachen). sachlich Adj. ‘von der Sache her, in der Sache begründet, objektiv, ohne Vorurteile’ (17. Jh.); zuvor (vereinzelt und ohne Nachfolge) für den grammatischen Ausdruck spätlat. causālis ‘den Grund angebend’ (z. B. coniunctio causālis) in dt. Übersetzungen des Donat (um 1400). Sachlichkeit f. ‘Nüchternheit in der Betrachtungsweise, Objektivität’ (19. Jh.); Neue Sachlichkeit (G. Hartlaub 1923) Stilrichtung in der Kunst mit dem Bestreben einer objektiven Wiedergabe der Realität. versachlichen Vb. ‘vergegenständlichen, in klarer, nüchterner Form darstellen’ (20. Jh.). sächlich Adj. ‘neutrales Genus aufweisend’, dt. Ausdruck für ↗neutral (s. d.) bzw. für lat. neutrum (18. Jh.). Sachbearbeiter m. ‘Angestellter für einen bestimmten abgegrenzten Arbeitsbereich’ (20. Jh.). Sachwalter m. ‘Anwalt, Verteidiger in Rechtsangelegenheiten’, spätmhd. sachwalter. Widersacher m. ‘Gegner, Feind’, spätmhd. widersacher ‘Gegner in einem Rechtshandel, Angeklagter, Gegner, Feind’ (14. Jh.), als Wort der Bibel in seiner Gebrauchshäufigkeit gefördert; vgl. älteres, zum Verb ahd. sahhan (s. oben) gebildetes ahd. widarsahho (9. Jh.), mhd. widersache, frühnhd. Widersache ‘Gegner im Rechtshandel’ (bis 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Neutralität · ↗Nüchternheit · ↗Objektivität · Sachlichkeit
Antonyme
  • Sachlichkeit
Synonymgruppe
Nüchternheit · Sachlichkeit · ↗Unsentimentalität · trockene Art

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausgewogenheit Bauhaus Bemühen Dada Expressionismus Fairness Funktionalität Jugendstil Konstruktivismus Kubismus Kühle Mindestmaß Neoklassizismus Nüchternheit Objektivität Pathos Rationalität Realismus Stil Surrealismus betont geboten kühl neu nüchtern streng transzendent unbestechlich unterkühlt wohltuend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sachlichkeit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Diskussion aber hat längst jede Sachlichkeit verloren, wenn sie sie denn jemals gehabt hat.
Der Tagesspiegel, 28.09.1999
Die heitere Sachlichkeit, mit der sie ihn fragte, mit der sie ihn musterte, ertrug er nicht.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 780
In den zwanziger Jahren folgt eine angenehm ernüchterte Phase der Neuen Sachlichkeit.
Die Zeit, 03.07.1964, Nr. 27
Er schildert diesen Prozeß mit der ruhigen Sachlichkeit des Kenners.
Mann, Golo: Einleitung. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 19372
Ihre gleichzeitig bewiesene Sachlichkeit verleiht ihr einen Reiz, der wohl beachtet wird.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 176
Zitationshilfe
„Sachlichkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sachlichkeit>, abgerufen am 24.06.2019.

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