Sachwalter, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Sachwalters · Nominativ Plural: Sachwalter
Aussprache
WorttrennungSach-wal-ter
WortzerlegungSache-walter
Wortbildung mit ›Sachwalter‹ als Erstglied: ↗sachwalterisch
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
jmd., der im Auftrag eines Dritten bestimmte Aufgaben wahrnimmt
Beispiele:
Er übersiedelte dann zum dritten mal in ein anderes Asylheim und bekam einen Sachwalter, der ihn aber auch nicht[…] überzeugen konnte seine verschriebenen Medikamente zu nehmen. [bernhardjenny.wordpress.com, 22.05.2012]
Wer […] sehr konkrete Vorstellungen von seinen eigenen vier Wänden hat, ist mit einem Architekten oft besser bedient. Aus Sicht des Bauherren-Schutzbundes ist zudem wichtig, dass ein Architekt als Sachwalter des Bauherren auftritt. Bei Bauunternehmen, die ihrerseits wieder andere Firmen beauftragen, stelle sich die Frage nach der Kontrolle der Ausführung. [Berliner Zeitung, 25.01.2003]
Diesen Wahlkampf soll er [Müntefering] […] organisieren. Der Versuch, Lafontaines geistige Linie zu tradieren, ist misslungen. Der noch von Lafontaine eingesetzte Sachwalter Ottmar Schreiner hat sich nicht durchsetzen können. [Der Tagesspiegel, 27.08.1999]
spezieller, Rechtssprache jmd., der als Interessenvertreter der Gläubiger den Schuldner bis zur Erfüllung des Vergleichs überwachtQuelle: DWDS, 2017
Beispiele:
Die Richterin habe jetzt zwei Wochen Zeit, den vorgeschlagenen Insolvenzplan zu prüfen, sagte der gerichtlich bestellte Sachwalter […]. [Die Zeit, 07.08.2013, Nr. 32]
Erst im unwahrscheinlichen Fall einer Insolvenz der Dresdner Bank würden die betroffenen Kunden von dem Forderungsverkauf erfahren[…]. Dann erhalte ein eigens bestellter Sachwalter den Zugriff auf die Forderungen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2006]
Die Bestellung Görgs [als Insolvenzexperten] deutet darauf hin, dass Holzmann von den Möglichkeiten des seit Jahresbeginn geltenden, neuen Insolvenzrechts Gebrauch machen will. Dabei handelt es sich um die so genannte »Eigenverwaltung in der Insolvenz«, die unter der Aufsicht eines gerichtlich eingesetzten Sachwalters eine Fortführung und nicht die Abwicklung eines Unternehmens zum [Ziel hat]. [Der Tagesspiegel, 23.11.1999]
Der nach der Konkurseröffnung über den schweizerischen Swissbau-Anlagefonds eingesetzte Sachwalter hat festgestellt, daß die Schätzungswerte der Grundstücke der zum Anlagefonds gehörenden Immobiliengesellschaften nicht ausreichen, um die darauf ruhenden Grundschulden zu decken, und daß bei der Liquidation der Immobiliengesellschaften vermutlich kein Aktivüberschuß entstehen wird. [Die Zeit, 28.04.1967, Nr. 17]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: der (gerichtlich) bestellte Sachwalter
2.
jmd., der für jmdn., etw. in der Öffentlichkeit eintritt, der sich zum Fürsprecher oder Verteidiger von jmdm., etw. gemacht hat
Beispiele:
Nicht jedem Schriftsteller dürfte ein so treuer Sachwalter zuteil werden, wie Graham Greene ihn in David Pearce gefunden hat, dem Leiter des Greene-Festivals 2001. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2001]
Ausgerechnet Labour-Premier Tony Blair schwang sich damals zum Sachwalter royaler Befindlichkeiten auf und wendete durch geschickte Diplomatie noch heftigeren Volkszorn vom Königshaus ab. [Spiegel, 12.11.2008 (online)]
Seit 70 Jahren ist das Archiv international anerkannter Sachwalter des literarischen Erbes von Theodor Fontane[…]. [Die Welt, 15.11.2004]
Wahr ist, dass manche bei aller Wertschätzung für diesen unermüdlichen Sachwalter der Musik des 20. Jahrhunderts am Pult lieber jemanden sähen, der das Material nicht nur sicher organisiert, sondern der auch noch eine Idee vom Ganzen liefert – Inspiration. [Die Welt, 18.02.2003]
Denn wie alle Hervorbringungen der Kunst bedarf auch die Literatur der kundigen Sachwalter, sie bedarf der Treuhänder, die das Überlieferte ordnen und in authentischer Textgestalt weiterreichen. [Die Zeit, 13.04.1962, Nr. 15]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der kundige, unparteiische, treue Sachwalter
in Präpositionalgruppe/-objekt: sich zum Sachwalter aufschwingen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sache · sachlich · Sachlichkeit · versachlichen · sächlich · Sachbearbeiter · Sachwalter · Widersacher
Sache f. ‘Gegenstand, Ding, Angelegenheit, Aufgabe’, ahd. sahha (8. Jh.), mhd. sache ‘Rechtssache, Rechtsstreit, Angelegenheit, Ursache, Ding’, asächs. saka, auch ‘Gericht, Feindschaft, Schuld’, mnd. mnl. sāke, nl. zaak ‘Sache, Angelegenheit, Handlung, Geschäft’, afries. seke, sake, aengl. sacu ‘Verfolgung, Streit, Krieg, Prozeß’, engl. sake ‘Ursache, Grund’, anord. sǫk ‘Rechtshandel, Klage, Grund, Veranlassung’, schwed. sak ‘Ding, Rechtsangelegenheit’ (germ. *sakō) sowie (mit anderer Stammform) got. sakjō ‘Streit’ (germ. *sakjōn-), ahd. seck(e)a (8. Jh.), aengl. sæcc ‘Streit’ (germ. *sakjō) sind Bildungen zu einem in ahd. sahhan ‘streiten, prozessieren, schelten’ (8. Jh.), asächs. sakan, aengl. sacan ‘streiten, klagen, leugnen’, got. sakan ‘streiten, schelten, Vorwürfe machen’ bezeugten starken Verb, das in den germ. Sprachen bald (bis auf wenige Reste) untergegangen ist. In dem ursprünglichen Sinne von ‘Rechtsangelegenheit, Rechtsstreit vor Gericht’ ist Sache mit seinen Verwandten ein altes Wort der Rechtssprache, dessen Bedeutung sich (wie bei ↗Ding, s. d.) mehr und mehr verallgemeinert. Es steht schwundstufig neben griech. hēgé͞isthai (ἡγεῖσθαι) ‘vorangehen, führen’, dann auch ‘meinen, glauben’, lat. sāgīre ‘spüren, wittern’, sāgus ‘wahrsagend, prophetisch’, air. saigim ‘suche, gehe einer Sache nach’ und gehört mit diesen zu der auch für ↗suchen (s. d.) geltenden Wurzel ie. *sāg-, *səg- ‘(witternd) nachspüren’, so daß für das oben genannte starke Verb eine Bedeutungsentwicklung von ‘witternd suchen, nachspüren’ über ‘eine Spur, einen Täter verfolgen’ zu ‘vor Gericht klagen, prozessieren’ anzunehmen ist. Dazu formelhafte Wendungen wie in Sachen (‘in der Rechtsangelegenheit’) X gegen Y (16. Jh.), allgemeiner in Sachen (X) ‘betreffs, bezüglich’ (17. Jh.); in eigener Sache ‘in einer persönlichen Angelegenheit’, Richter in eigener Sache (eigentlich ‘Rechtsangelegenheit’) sein (17. Jh.); gemeinsame Sache mit jmdm. machen ‘mit jmdm. zusammen etw. (Fragwürdiges) unternehmen’ (18. Jh.); das ist Sache (‘Angelegenheit, Aufgabe’) des X (18. Jh.); nichts, etw. zur Sache tun ‘(keinen) Einfluß haben’ (17. Jh.); zur Sache! ‘ohne Umschweife zum Wesentlichen!’ (18. Jh.); seine sieben Sachen ‘alles, was man (nötig) hat’ (19. Jh.; s. auch ↗Siebensachen). sachlich Adj. ‘von der Sache her, in der Sache begründet, objektiv, ohne Vorurteile’ (17. Jh.); zuvor (vereinzelt und ohne Nachfolge) für den grammatischen Ausdruck spätlat. causālis ‘den Grund angebend’ (z. B. coniunctio causālis) in dt. Übersetzungen des Donat (um 1400). Sachlichkeit f. ‘Nüchternheit in der Betrachtungsweise, Objektivität’ (19. Jh.); Neue Sachlichkeit (G. Hartlaub 1923) Stilrichtung in der Kunst mit dem Bestreben einer objektiven Wiedergabe der Realität. versachlichen Vb. ‘vergegenständlichen, in klarer, nüchterner Form darstellen’ (20. Jh.). sächlich Adj. ‘neutrales Genus aufweisend’, dt. Ausdruck für ↗neutral (s. d.) bzw. für lat. neutrum (18. Jh.). Sachbearbeiter m. ‘Angestellter für einen bestimmten abgegrenzten Arbeitsbereich’ (20. Jh.). Sachwalter m. ‘Anwalt, Verteidiger in Rechtsangelegenheiten’, spätmhd. sachwalter. Widersacher m. ‘Gegner, Feind’, spätmhd. widersacher ‘Gegner in einem Rechtshandel, Angeklagter, Gegner, Feind’ (14. Jh.), als Wort der Bibel in seiner Gebrauchshäufigkeit gefördert; vgl. älteres, zum Verb ahd. sahhan (s. oben) gebildetes ahd. widarsahho (9. Jh.), mhd. widersache, frühnhd. Widersache ‘Gegner im Rechtshandel’ (bis 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Sachverwalter · Sachwalter · ↗Verwalter
Oberbegriffe
Politik, Ökonomie
Synonymgruppe
Beauftragter · Delegierter · ↗Funktionär · ↗Interessenvertreter · ↗Parteiarbeiter · ↗Repräsentant · Sachwalter

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitnehmerinteresse Aufsicht Bauherr Belang Erbe Gemeinwohl Interesse Ostinteresse Steuerzahler Tabakindustrie aufschwingen aufspielen berufen bestellt eingesetzt engagiert gebärden gerieren getreu kompetent kundig neutral profilieren redlich seriös treu unermüdlich unparteiisch verläßlich überparteilich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sachwalter‹.

Zitationshilfe
„Sachwalter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sachwalter>, abgerufen am 19.08.2019.

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