Satzung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Satzung · Nominativ Plural: Satzungen
Aussprache 
Worttrennung Sat-zung
Wortbildung  mit ›Satzung‹ als Erstglied: ↗Satzungsänderung · ↗satzungsgemäß · ↗satzungsmäßig
 ·  mit ›Satzung‹ als Letztglied: ↗Abfallsatzung · ↗Ordenssatzung
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Recht Rechtsvorschrift, die eine Kommune (oder eine andere dem Staat eingeordnete Körperschaft des öffentlichen Rechts) aufgrund ihrer eigenen Rechtssetzungshoheit erlässt
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine städtische, kommunale, autonome Satzung
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw. in einer Satzung festlegen, regeln
mit Genitivattribut: eine Satzung der Stadt, der Universität
in Koordination: Satzung und Gesetz
Beispiele:
Die Gemeinde kann im Geltungsbereich eines Bebauungsplanes […] durch Satzung bestimmen, daß die Teilung eines Grundstücks zu ihrer Wirksamkeit der Genehmigung bedarf. Die Gemeinde hat die Satzung ortsüblich bekanntzumachen. [o. A.: Baugesetzbuch (BauGB). In: Sartorius 1: Verfassungs- und Verwaltungsgesetze der Bundesrepublik Deutschland, München: Beck 1998]
Manche Vorschriften sehen vor, dass Hauseigentümer Schneefanggitter auf ihren Dächern errichten müssen. Neben den Bauordnungen müssen Eigentümer auch kommunale Vorschriften oder Satzungen der Stadt oder Gemeinde beachten. Auch diese schreiben oft bestimmte Schutzmaßnahmen vor. [Süddeutsche Zeitung, 13.01.2017]
Standardisierte Hausnummern gibt es in Deutschland zwar nicht. Kommunen können aber in ihren Satzungen festhalten, wie die Nummerierung der Häuser aussehen muss und wo diese zu befestigen ist. [Die Welt, 24.12.2016]
[Der Gutachter] Mayer leitete das Recht auf autonome Studiengebühren aus der Autonomie ab, gemäß der die Universitäten ihre Angelegenheiten selbst durch Satzungen regeln können. Die Verfassungsrichterinnen und ‑richter dagegen betonten die besondere Verantwortung des Staates für die Finanzierung der öffentlichen Universitäten. Studiengebühren müssten daher wenn, dann gesetzlich geregelt werden. [Der Standard, 11.08.2015]
Nach der Oberurseler »Satzung über die Erhebung einer Hundesteuer« müssen für den ersten Hund 108, für den zweiten 156 und für alle weiteren 192 Mark bezahlt werden. [Frankfurter Rundschau, 08.04.1999]
Wichtigstes Hilfsmittel der Stadt [Kronberg] bei der Erhaltung ihres mittelalterlichen Stadtbildes im Zentrum ist die »Satzung zur Gestaltung der Altstadt«. Auf 50 Seiten schreibt sie detailliert vor, welche Regeln bei der Restaurierung oder Sanierung von Altstadthäusern zu beachten und einzuhalten sind. […] [Frankfurter Rundschau, 04.02.1997]
meist historisch, allgemeiner Vorschrift, Erlass
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: menschliche, göttliche Satzungen
Beispiele:
Seit wann hätte das Leben, von dem schon Heraklit, der Dunkle, sagte, daß »Alles fließt«, sich an menschliche Satzungen gekehrt! [Diederichs, Eugen: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690–1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 19277]
Der 1606 durch eine königliche Satzung gegründete Hafen [Dover] war in den achtziger Jahren von der Regierung Thatcher aus Rücksichtnahme auf den geplanten Eurotunnel aus der damaligen Welle von Privatisierungen ausgeklammert worden. [Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2012]
Der katholischen Kirche wurde [im Bayerischen Konkordat von 1817] die unversehrte Erhaltung ihrer »auf göttlicher Anordnung und auf den kanonischen Satzungen« beruhenden Rechte garantiert […]. [Jedin, Hubert (Hg.): Handbuch der Kirchengeschichte. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 10611]
Nicht erst Paulus, sondern, wenn auch nur gelegentlich, schon einzelne Propheten (Jeremia, Hesekiel) glaubten, daß der Gott manche Satzungen dem Volk als ein hartes Joch oder zur Strafe auferlegt habe[…]. Das Recht war nicht ein ewiges Tao oder Dharma, sondern eine positive göttliche Satzung, über deren Innehaltung Jahwe eiferte. [Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. III, Tübingen: Mohr 1921 [1920–1921], S. 142]
2.
Grundordnung einer (meist privatrechtlichen) Körperschaft (wie z. B. eines Vereins, einer Aktiengesellschaft o. Ä.)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine neue, die gültige, geltende Satzung
als Akkusativobjekt: die Satzung beschließen, verabschieden, ändern, überarbeiten, ausarbeiten
als Dativobjekt: (etw., sich) eine Satzung geben
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw. steht in der Satzung; etw. in der Satzung verankern, vorsehen, festschreiben, festlegen, regeln; etw., jmd. verstößt gegen die Satzung
mit Genitivattribut: die Satzung des Vereins, der Stiftung, der Organisation, der Gesellschaft, der Partei, des Verbandes, des Unternehmens
in Koordination: Satzung und Geschäftsordnung, Vorstand, Gesellschaftsvertrag, Grundsätze
als Aktiv-/Passivsubjekt: die Satzung sieht etw. vor, schreibt etw. vor, lässt etw. zu, bestimmt etw., verbietet etw.
als Genitivattribut: die Änderung, die Bestimmungen, die Grundsätze der Satzung
Beispiele:
§ 57 (Satzung, Mindesterfordernisse) Die Satzung muß den Zweck, den Namen und den Sitz des Vereins enthalten […]. [o. A.: Bürgerliches Gesetzbuch. In: Schönfelder: Deutsche Gesetze: Sammlung des Zivil-, Straf- und Verfahrensrechts, München: Beck 1997]
Der Gesellschaftsvertrag einer Aktiengesellschaft wird als Satzung bezeichnet. Als eine Art Verfassung bildet sie den rechtlichen Rahmen für die Tätigkeit der AG. Gleichzeitig enthält die Satzung auch Regelungen zu den Organen der Gesellschaft (Hauptversammlung, Aufsichtsrat, Vorstand). [Berliner Zeitung, 16.04.1998]
Der Vorstand führt die Geschäfte der Stiftung im Rahmen der Satzung und der Beschlüsse des Stiftungsbeirates. [Fritz-Walter-Stiftung:Satzung, 13.06.2016, aufgerufen am 15.09.2018]
Ein Verein braucht eine Satzung, um überhaupt zum Vereinsregister angemeldet werden zu können. [… Kaffee bei mir?, 16.04.2011, aufgerufen am 05.06.2015]
Als dritter Verein nach dem FC Schalke 04 und Hannover 96 hat sich der Fußball‑Bundesligaklub TSV 1860 München eine neue Satzung gegeben. Mit einer Ausnahme stimmten die 156 Anwesenden bei einer außerordentlichen Delegiertenversammlung allen Punkten einer neuen Grundordnung zu, die dem Vorschlag des Deutschen Fußball‑Bundes entspricht und zur Lizenzvergabe notwendig ist. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.1995]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Satz · Satzung
Satz m. ‘das Festgesetzte, Ausspruch, Sprung’ (seit mhd. Zeit), ‘sprachliche, in sich abgeschlossene, nach bestimmten grammatischen Regeln konstruierte Einheit’ (17. Jh.), ‘eine bestimmte zusammengehörende Menge oder Anzahl’ (vgl. ein Satz Schüsseln, 18. Jh.), ‘Niederschlag’ (vgl. Bodensatz, 18. Jh.), fachsprachlich in der Musik ‘in sich geschlossener Teil eines mehrteiligen Musikstücks’ (vgl. ein langsamer Satz, der zweite Satz, 18. Jh.) und in der Drucktechnik ‘das Setzen eines Textes in Lettern’ (18. Jh.). Ahd. -saz (nur in Zusammensetzungen ab 900), mhd. saz, satz ‘Ort, wo etw. hingesetzt ist oder liegt, Lage, Stellung, Einsatz, Pfand, das Festgesetzte, Bestimmung, Verordnung, Vertrag, Testament, festgesetzter Preis, Ausspruch, Entschluß, Sprung’ ist eine Abstraktbildung zu dem unter ↗setzen (s. d.) behandelten Verb und steht daher im Ablaut zu ↗sitzen (s. d.). Satzung f. ‘festgelegte Bestimmung, Statut’, mhd. satzunge ‘(Fest)setzung, gesetzliche Bestimmung, Vertrag, Taxierung, Übergabe eines Pfandes, Pfand’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Statuten · Verfahrensregeln · interne Regularien  ●  Satzung  Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Satzung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Satzung‹.

Zitationshilfe
„Satzung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Satzung>, abgerufen am 25.02.2021.

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