Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Sau, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sau · Nominativ Plural: Säue/Sauen
Aussprache  [zaʊ̯]
Wortbildung  mit ›Sau‹ als Erstglied: Saubauer · Saubohne · Saubraten · Saudirn · Saudistel · Sauerei · Saufeder · Saufinder · Sauhatz · Saujagd · Sausack1 · Sauschlachten · Saustall · Sautanz · säuisch
 ·  mit ›Sau‹ als Letztglied: Drecksau · Fettsau · Muttersau · Rampensau · Toppsau · Wildsau · Wollmilchsau · Zuchtsau
 ·  mit ›Sau‹ als Grundform: -sau · sauen · versauen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. weibliches Schwein, Mutterschwein
    1. [bildlich] ...
  2. 2. [salopp] Mann, Mensch
    1. a) [derb] mit bestimmten Adjektiven
    2. b) [Schimpfwort] ...
    3. c) [salopp, verstärkend] ⟨keine Sau⟩
  3. 3. [derb] ⟨etw. ist unter aller Sau⟩
  4. 4. [Jägersprache] Wildschwein, Schwarzwild
eWDG

Bedeutungen

1.
weibliches Schwein, Mutterschwein
Beispiele:
die Sau ferkelt, hat sechs Ferkel geworfen
eine tragende, trächtige Sau
salopp, derber schrie wie eine angestochene Sau (= schrie sehr)
salopp, derber lief davon wie eine gesengte Sau (= lief sehr schnell)
Uns ist ganz kannibalisch wohl, / Als wie fünfhundert Säuen! [ GoetheFaustI 2293]
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlichPerlen vor die Säue werfen (= jmdm. etw. geben, was er nicht zu schätzen weiß)
salopp, derbjmdn. zur Sau machen (= sehr grob zurechtweisen) (= sehr schlagen)
salopp, derbetw. zur Sau machen (= etw. zerstören)
2.
salopp Mann, Mensch
Grammatik: Plural ‘Säue’
a)
derb
Grammatik: mit bestimmten Adjektiven
Beispiel:
eine dumme, blöde, faule, feige, freche, elende, gemeine Sau
unsauberer oder unanständiger, moralisch minderwertiger Mensch, Schwein
Beispiel:
die Sau hat sich eine ganze Woche nicht gewaschen
b)
Schimpfwort
Beispiele:
so eine Sau!
du Sau!
du bist eine alte Sau!
c)
salopp, verstärkend keine Sau (= niemand)
Beispiele:
das nützt keiner Sau, interessiert keine Sau
da kennt sich keine Sau aus
3.
derb etw. ist unter aller Sau (= etw. ist sehr schlecht)
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
das Wetter war am Sonntag unter aller Sau
seine gesangliche Leistung war heute unter aller Sau
4.
Jägersprache Wildschwein, Schwarzwild
Grammatik: Plural ‘-en’
Beispiele:
sie veranstalteten eine Jagd auf Sauen
er hat drei Sauen geschossen
die von den Sauen und Hirschen angerichteten Flurschäden
eine grobe (= starke) Sau
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sau · sauen · versauen · Sauerei · säuisch · Saubohne · Saustall · saudumm
Sau f. Die Bezeichnung für das Mutterschwein ahd. (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. aengl. , anord. sȳr (germ. *sū- f.) zeigt genaue Übereinstimmung mit griech. sȳ́s (σῦς) neben hȳ́s (ὗς) ‘Schwein, Sau, Eber’ und lat. sūs ‘Schwein’, so daß von ie. *sūs ‘Schwein, Sau’ ausgegangen werden kann. Der Ursprung des Wortes ist vermutlich lautnachahmendes ie. *sū̌-. Wenig wahrscheinlich ist ein Anschluß der genannten Formen im Sinne von ‘Gebärerin’ an die unter Sohn (s. d.) angeführte Wurzel ie. *seu-, *sū̌- ‘gebären, erzeugen’. Ebenfalls hierher (da aus den Grunzlaut nachahmenden Lockrufen hervorgegangen) gehören die k-Ableitungen aind. sūkaráḥ ‘Schwein, Eber’, lat. sucula ‘Schweinchen’, Deminutivum zu lat. sūs (s. oben), air. socc sāil ‘Meeressäugetier’ (eigentlich ‘Meerschwein’), asächs. suga ‘Sau’, aengl. sugu, engl. sow, mnl. soghe, seughe, nl. zeug, schwed. (mit expressiver Gemination) sugga (germ. *sug(g)ō-) sowie die unter Schwein (s. d.) genannten Ableitungen. Ein schwach flektierender Plural Sauen (18. Jh.) bleibt auf die Jägersprache beschränkt. Die Wendung unter aller Sau ‘unter aller Kritik, sehr schlecht’ (um 1900) ist vielleicht (nach dem Vorbild von unter aller Kanone, s. Kanon) zu jidd. seo ‘Maßstab’ gebildet. – sauen Vb. ‘sich schlecht, ungesittet benehmen’ (16. Jh.), ‘Ferkel kriegen’ (17. Jh.). versauen Vb. ‘verderben’ durch Schmutz oder unsachgemäße Behandlung (17. Jh.). Sauerei f. ‘Unsauberkeit, Unflätigkeit, Schlamperei’ (17. Jh.). säuisch Adj. ‘wie ein Schwein, unflätig’, seuwisch (15. Jh.). Saubohne f. große Ackerbohne, vielfach als Viehfutter verwendet (18. Jh.), zuvor auch für das den Schweinen unbekömmliche Bilsenkraut (Sawbon, 16. Jh.). Saustall m. ‘Schweinestall’ (sewstal, 15. Jh.), ‘schmutziges Zimmer, Durcheinander, unhaltbare Zustände’ (16. Jh.). Als Bestimmungswort in Zusammensetzungen dient Sau- zur pejorativen Kennzeichnung und Verstärkung wie in saudumm Adj. ‘überaus, völlig dumm’ (19. Jh.) so auch in Sauarzt m. ‘Kurpfuscher’ (16. Jh.), Sauart f. ‘unschickliches Benehmen’ (17. Jh.), Saufraß m. ‘schlechtes Essen’, Saukerl m. ‘schlechter Mensch’ (18. Jh.), Saukälte f. ‘unerträgliche, schlimme Kälte’, saukalt (19. Jh.; vgl. Hundekälte, hundekalt) sowie Sauwetter, Sauwirtschaft, Sauwut.

Thesaurus

Synonymgruppe
Mutterschwein · Sau
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Sau‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Sau‹.

Verwendungsbeispiele für ›Sau‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hundert Meter weiter trafen wir die Sau inmitten einer Schar halbwüchsiger Kinder. [Grzimek, Bernhard: Kein Platz für wilde Tiere, Köln: Lingen [1973] [1954], S. 114]
Haben nicht die Medien längst neue Säue durch das Dorf gejagt? [o. A.: Ratlos am Konjunktiv. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1997 [1996]]
Bei einem Deutschen fühlt ihr euch stark und macht ihn wegen nichts zur Sau. [konkret, 2000 [1998]]
Meist ebbt es ab, nachdem jeder jedem vorgeworfen hat, eine »schwule Sau« zu sein. [konkret, 1980]
Es macht keinen Sinn, jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf zu jagen ", kritisierte Struck. [Die Zeit, 11.03.2007 (online)]
Zitationshilfe
„Sau“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sau>.

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