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Schäferstündchen, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungSchä-fer-stünd-chen (computergeneriert)
WortzerlegungSchäferStündchen
eWDG, 1974

Bedeutung

veraltend, scherzhaft kurzes, zärtliches, ungestörtes Beisammensein von Verliebten
Beispiele:
ein Schäferstündchen miteinander verbringen
auch Lauben, eine unterirdische Grotte und ein marmorner Gartentempel waren da, die heimliche Schäferstündchen recht wohl ermöglichten [G. Hauptm.2,533]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schaf · Schäfer · Schäferstunde · Schäferstündchen · Schaf(s)kopf
Schaf n. Der nur westgerm. bezeugte Name des Wolle und Milch spendenden Haustieres ahd. scāf (8. Jh.), mhd. schāf, asächs. skāp, mnd. schāp, mnl. scaep, nl. schaap, afries. skēp, aengl. scēap (angl. scēp), engl. sheep (westgerm. *skēpa-) hat keine ie. Entsprechungen, so daß de Vries Nl. 603 darin ein nicht-ie. Substratwort sieht, während Knobloch in: Sprachwissenschaft 12 (1987) 475 f. Schaf im Sinne von ‘das Geschorene’ an die unter ↗schaben (s. d.) angegebene Wurzel anschließen möchte. Im Ostgerm. gilt dafür das unter ↗Lamm (s. d.) behandelte, im Nordgerm. ein im Ablaut zu ↗Vieh (s. d.) stehendes Substantiv. Den alten Tiernamen ie. *ou̯is ‘Schaf’ setzen fort griech. óïs (ὄϊς), lat. ovis, lit. avìs, air. ōi, aslaw. ovьca, russ. ovcá (овца), ahd. ou (8. Jh.), mhd. ouwe, aengl. ēowu. Er ist heute noch erhalten in nl. ooi ‘Schaf’ sowie in nhd. (obd.) Aue, engl. ewe ‘Mutterschaf’. Die Redensart sein Schäfchen ins Trockene bringen ‘das Seine in Sicherheit bringen, sich (auf Kosten anderer) Vorteil verschaffen’ (16. Jh.) bedeutet wohl eigentlich ‘Schafe von nasser, sumpfiger Weide holen, um sie vor Schaden zu bewahren’. Schäfer m. ‘wer Schafe hütet und versorgt’, ahd. scāfāri, scāferi (9./10. Jh.), mhd. schæfære, schæfer. Schäfer und Schäferin sind in der Idyllendichtung des 17. und 18. Jhs. das Sinnbild für Unschuld und zärtliche Liebe, daher Schäferstunde f. ‘intime erotische Begegnung von Verliebten’, Ausdruck der Schäferdichtung mit Hirt und Hirtin als anspruchslose, friedliche Symbolgestalten, Übersetzung (Anfang 18. Jh.) von frz. heure du berger (1650); heute vornehmlich Schäferstündchen n. Schaf(s)kopf m. ‘Kopf eines Schafs’ (16. Jh.), ‘einfältiger, dummer Mensch’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Akt · ↗Geschlechtsakt · ↗Sex · körperliche Liebe · sinnliche Liebe  ●  GV  Abkürzung · ↗Geschlechtsverkehr  Hauptform · ↗Verrichtung  Amtsdeutsch, verhüllend · ↗Vollzug  verhüllend · ↗Begattung  fachspr. · ↗Beilager  geh., veraltet · ↗Beischlaf  geh. · ↗Beiwohnung  geh., veraltet · ↗Bums  vulg. · ↗Coitus  fachspr. · ↗Fick  vulg. · ↗Geficke  vulg. · ↗Gevögel  vulg. · ↗Kohabitation  fachspr. · ↗Koitus  fachspr. · ↗Kopulation  fachspr. · ↗Liebesakt  geh. · ↗Nummer  ugs. · Schäferstündchen  ugs., verhüllend · ↗Verkehr  geh. · fleischliche Beiwohnung  geh., veraltet
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Inzucht  ●  ↗Blutschande  veraltet · ↗Inzest  Hauptform
  • Fellatio · ↗Oralsex · ↗Oralverkehr  ●  Blasen  ugs. · Lecken  ugs.
  • Quickie  ugs. · Schnellfick  derb · flotte Nummer  ugs. · schnelle Nummer  ugs.
  • ungeschützter Sex  ●  freie Liebe  ugs.
  • Sex ohne Kondom · ungeschützter Geschlechtsverkehr · ungeschützter Sex
  • Blümchensex · Kuschelsex
  • Hardcore-Sex · harter Sex
  • (einen) Samenerguss haben · zum Samenerguss kommen  ●  (jemandem) geht einer ab  ugs. · ↗abspritzen  derb · ↗abwichsen  vulg. · ↗ejakulieren  fachspr. · in die Muschel rotzen  vulg. · ↗kommen  ugs. · sich ergießen  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Prostituierte abhalten arrangieren einlegen heimlich stören verbringen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schäferstündchen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Unterbrechung des Schäferstündchens wird er mit dem Tod bezahlen.
Süddeutsche Zeitung, 04.11.2003
Dort gab es aber jedesmal vor dem Schäferstündchen noch einen Drink.
Bild, 27.11.1998
Es war ein heißes Schäferstündchen in der schmutzigen Stube unter der rauchgeschwärzten Decke.
Viebig, Clara: Das Weiberdorf, Briedel u. Mosel: Houben 1996 [1900], S. 33
Weder mit der Ernennungsurkunde ihres Neffen noch mit der Pistole lässt sie sich zu einem Schäferstündchen zwingen.
Fath, Rolf: Werke - C. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 619
In diesem Augenblick kommt der Leutnant Zuniga, auf ein Schäferstündchen hoffend.
Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 360
Zitationshilfe
„Schäferstündchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schäferstündchen>, abgerufen am 24.10.2018.

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