Schäferstündchen, das

Grammatik Substantiv (Neutrum)
Aussprache 
Worttrennung Schä-fer-stünd-chen
Wortzerlegung Schäfer Stündchen
eWDG

Bedeutung

veraltend, scherzhaft kurzes, zärtliches, ungestörtes Beisammensein von Verliebten
Beispiele:
ein Schäferstündchen miteinander verbringen
auch Lauben, eine unterirdische Grotte und ein marmorner Gartentempel waren da, die heimliche Schäferstündchen recht wohl ermöglichten [ G. Hauptm.2,533]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schaf · Schäfer · Schäferstunde · Schäferstündchen · Schaf(s)kopf
Schaf n. Der nur westgerm. bezeugte Name des Wolle und Milch spendenden Haustieres ahd. scāf (8. Jh.), mhd. schāf, asächs. skāp, mnd. schāp, mnl. scaep, nl. schaap, afries. skēp, aengl. scēap (angl. scēp), engl. sheep (westgerm. *skēpa-) hat keine ie. Entsprechungen, so daß de Vries Nl. 603 darin ein nicht-ie. Substratwort sieht, während Knobloch in: Sprachwissenschaft 12 (1987) 475 f. Schaf im Sinne von ‘das Geschorene’ an die unter schaben (s. d.) angegebene Wurzel anschließen möchte. Im Ostgerm. gilt dafür das unter Lamm (s. d.) behandelte, im Nordgerm. ein im Ablaut zu Vieh (s. d.) stehendes Substantiv. Den alten Tiernamen ie. *ou̯is ‘Schaf’ setzen fort griech. óïs (ὄϊς), lat. ovis, lit. avìs, air. ōi, aslaw. ovьca, russ. ovcá (овца), ahd. ou (8. Jh.), mhd. ouwe, aengl. ēowu. Er ist heute noch erhalten in nl. ooi ‘Schaf’ sowie in nhd. (obd.) Aue, engl. ewe ‘Mutterschaf’. Die Redensart sein Schäfchen ins Trockene bringen ‘das Seine in Sicherheit bringen, sich (auf Kosten anderer) Vorteil verschaffen’ (16. Jh.) bedeutet wohl eigentlich ‘Schafe von nasser, sumpfiger Weide holen, um sie vor Schaden zu bewahren’. Schäfer m. ‘wer Schafe hütet und versorgt’, ahd. scāfāri, scāferi (9./10. Jh.), mhd. schæfære, schæfer. Schäfer und Schäferin sind in der Idyllendichtung des 17. und 18. Jhs. das Sinnbild für Unschuld und zärtliche Liebe, daher Schäferstunde f. ‘intime erotische Begegnung von Verliebten’, Ausdruck der Schäferdichtung mit Hirt und Hirtin als anspruchslose, friedliche Symbolgestalten, Übersetzung (Anfang 18. Jh.) von frz. heure du berger (1650); heute vornehmlich Schäferstündchen n. Schaf(s)kopf m. ‘Kopf eines Schafs’ (16. Jh.), ‘einfältiger, dummer Mensch’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Akt · Geschlechtsakt · Sex · körperliche Liebe · sinnliche Liebe  ●  (die) schönste Nebensache der Welt  fig., verhüllend · GV  Abkürzung · Geschlechtsverkehr  Hauptform · Verrichtung  Amtsdeutsch, verhüllend · Vollzug  verhüllend · (das) Bumsen  ugs. · Begattung  fachspr. · Beilager  geh., veraltet · Beischlaf  geh. · Beiwohnung  geh., veraltet · Coitus  fachspr. · Fick  vulg. · Geficke  vulg. · Gevögel  vulg. · Kohabitation  fachspr. · Koitus  fachspr. · Kopulation  fachspr. · Liebesakt  geh. · Matratzensport  ugs. · Nummer  ugs. · Schäferstündchen  ugs., verhüllend · Verkehr  geh. · fleischliche Beiwohnung  geh., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Schäferstündchen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es war ein heißes Schäferstündchen in der schmutzigen Stube unter der rauchgeschwärzten Decke. [Viebig, Clara: Das Weiberdorf, Briedel u. Mosel: Houben 1996 [1900], S. 33]
Die Unterbrechung des Schäferstündchens wird er mit dem Tod bezahlen. [Süddeutsche Zeitung, 04.11.2003]
Dort gab es aber jedesmal vor dem Schäferstündchen noch einen Drink. [Bild, 27.11.1998]
Daß sie die Mutter bei ihren Schäferstündchen einschläferten, verzieh diese ihnen später. [Die Zeit, 04.01.1971, Nr. 01]
Sie tut so versonnen, in Wirklichkeit denkt sie nur, die Geile, ans nächste Schäferstündchen. [Die Zeit, 06.01.1969, Nr. 01]
Zitationshilfe
„Schäferstündchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sch%C3%A4ferst%C3%BCndchen>.

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