Schärfe, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schärfe · Nominativ Plural: Schärfen
Aussprache 
Worttrennung Schär-fe
Wortbildung  mit ›Schärfe‹ als Erstglied: Schärfentiefe  ·  mit ›Schärfe‹ als Letztglied: Abstimmschärfe · Beobachtungsschärfe · Bildschärfe · Geistesschärfe · Messerschärfe · Okularschärfe · Sehschärfe · Sinnesschärfe · Tiefenschärfe · Trennschärfe · Verstandesschärfe
eWDG

Bedeutungen

1.
Strenge, Härte
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
etw. mit (aller, ziemlicher, einiger, einer gewissen) Schärfe sagen
er antwortete mit ungewohnter Schärfe
ohne jede Schärfe etw. zurückweisen
etw. gab seinen Worten eine schneidende, blitzende, ironische, polemische, witzige, bittere Schärfe
in das Gespräch kam eine gewisse Schärfe (= Gereiztheit)
einer Bemerkung die Schärfe nehmen
jede Schärfe (des Tones) vermeiden
die Schärfe (= Schonungslosigkeit) einer Kritik, eines Tadels, Urteils
ihn traf die ganze Schärfe des Gesetzes
2.
Heftigkeit
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
die Schärfe einer Auseinandersetzung
einen Kampf mit Schärfe führen
sich mit größter Schärfe gegen jmdn., etw. wenden
3.
heftiges, bissiges Wort, Spitze
Grammatik: meist im Plural
Beispiele:
er wollte im Gespräch Schärfen vermeiden
aus einem Wortwechsel die Spitzen und Schärfen heraushören
charakterlich heftiger Zug
Beispiele:
charakterliche Schärfen
Schärfen im Charakter
4.
Genauigkeit, Präzision, Deutlichkeit
Grammatik: meist im Singular
a)
Beispiele:
die Schärfe der Analyse, Kalkulation
die Schärfe eines Begriffs
etw. mit besonderer, mit aller Schärfe erfassen
b)
Fähigkeit, etw. klar, logisch zu durchdenken
Beispiel:
die Schärfe des Verstandes
c)
Fähigkeit, genau zu hören
Beispiel:
die Schärfe des Gehörs
d)
Fähigkeit, genau zu sehen
Beispiel:
die Schärfe der Augen
e)
Fähigkeit, eine gute Sehleistung zu ermöglichen
Beispiel:
die Schärfe der Brille, eines Fernrohrs
f)
klare, deutliche Erkennbarkeit (der Konturen)
Beispiele:
Fotos mit leuchtenden Farben und gestochener Schärfe
die Schärfe des Bildes, der Linien, Umrisse
5.
Fähigkeit zu schneiden
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
die Schärfe einer Klinge prüfen
die Schärfe eines Schwertes, Messers
6.
ätzende Wirkung
Grammatik: meist im Singular
Beispiel:
die Schärfe einer Lauge
7.
beißende Wirkung auf die Sinnesorgane
Grammatik: meist im Singular
a)
im Geschmack
Beispiel:
die Schärfe einer Speise, des Whiskys
b)
im Geruch
Beispiel:
die Schärfe eines Geruchs
c)
Rauheit
Beispiel:
die Schärfe der Luft, des Windes
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scharf · Schärfe · schärfen · einschärfen · scharfmachen · Scharfmacher · Scharfrichter · Scharfschütze · Scharfsinn
scharf Adj. ‘gut schneidend, geschliffen, spitz’, übertragen ‘stark gewürzt, kalt, deutlich, genau, heftig, schonungslos’, ahd. s(c)arf(i) (8. Jh.), mhd. scharf und ahd. scarph (9. Jh.), mhd. scharpf, scharph, scherpfe, scherf; frühnhd. (obd. md.) scharpf, asächs. skarp, mnd. scharp, scherp, mnl. scarp, scaerp, scerp, nl. scherp, afries. skerp, aengl. sc(e)arp, engl. sharp, anord. skarpr (‘eingeschrumpft, dürr, scharf, rauh, hart’), schwed. skarp (germ. *skarpa-) läßt sich verbinden mit lett. skarbs ‘rauh, grob’, mir. cerb ‘schneidend’, aruss. ščьrbъ ‘schadhaft’, russ. (älter) ščerbá (щерба) ‘Riß, Lücke, Schramme, Narbe’ und führt auf die Labialerweiterung ie. *(s)kerb(h)-, *(s)kreb(h)- (s. auch schürfen, schröpfen) der Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’ (s. scheren1). Schärfe f. ‘Zustand des Scharfseins, Klarheit, Genauigkeit, Rücksichtslosigkeit’, ahd. s(k)erphī, s(k)erfī (9. Jh.), mhd. scherpfe, scherfe ‘Stachel, (Speer)spitze, Rauhheit’. schärfen Vb. ‘scharf machen’, mhd. scherpfen, scherfen, asächs. (gi)skerpian (9. Jh.). einschärfen Vb. ‘mit Eindringlichkeit sagen, klarmachen’ (17. Jh.). scharfmachen Vb. ‘aufhetzen’, Scharfmacher m. ‘Aufhetzer’ (19. Jh.), entstanden als Ausdrücke der Reaktion für die Anführer streikender Arbeiter. Scharfrichter m. ‘wer mit dem Schwert oder Beil hinrichtet’ (14. Jh.), zuerst nsächs. (mnd. scharprichter) und westmd., seit dem 16. Jh. allgemein verbreitete Berufsbezeichnung für den Henker bzw. den Vollstrecker der Todesstrafe. Scharfschütze m. ‘im Schießen besonders ausgebildeter und daher treffsicherer Schütze’ (18. Jh.). Scharfsinn m. ‘Fähigkeit, besonders klar und logisch zu denken’ (17. Jh.), Rückbildung aus scharfsinnig Adj. (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Aggressivität · Bissigkeit · Sarkasmus · Schärfe
Synonymgruppe
Schneidefähigkeit · Schnitthaltigkeit · Schärfe

Typische Verbindungen zu ›Schärfe‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schärfe‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schärfe‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er tat es, nicht ohne Schärfe, doch auch nicht ungefüge. [Kolbenheyer, Erwin Guido: Das dritte Reich des Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1925], S. 680]
An anderer Stelle kehrt er zu der Schärfe des ersten Briefes zurück. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 427]
Um so mehr werde ich mich betreffs ihrer Bücher einer gewissen Schärfe nicht enthalten können. [Neue deutsche Literatur, 1954, Nr. 1, Bd. 2]
Die Frau des Hauses war lebhaft, energisch, aber nicht ohne Schärfe. [Deussen, Paul: Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 25837]
Bei der Schärfe der Kritik ist es für mich sehr erfreulich, daß es dazu noch nicht gekommen ist. [Der Spiegel, 21.11.1983]
Zitationshilfe
„Schärfe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Sch%C3%A4rfe>.

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