Schönfärberei, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schönfärberei · Nominativ Plural: Schönfärbereien
Aussprache
WorttrennungSchön-fär-be-rei (computergeneriert)
Grundformschönfärben
eWDG, 1976

Bedeutung

das (fortwährende) Schönfärben
Beispiele:
ohne jede Schönfärberei kann man sagen, es war ein gelungenes Fest
»Das Käthchen von Heilbronn«, ein Ritterschauspiel, das nicht frei ist von der romantischen Schönfärberei des Mittelalters [MehringDt. Geschichte143]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Farbe · färben · farbig · Farbiger · Färber · Schönfärber · Schönfärberei · schönfärben
Farbe f. ‘Oberflächentönung, optischer Eindruck, Mittel zur Kolorierung’, ahd. far(a)wa (8. Jh.), mhd. varwe, var, mnd. varwe, mnl. var(u)we, vaerwe, verwe, nl. verf ist eine Substantivierung der femininen Form des Adjektivs ahd. faro (um 1000), mhd. var(e) (flektiert ahd. far(a)wēr, mhd. varwer) ‘gefärbt, farbig’, das meist mit einer Farbangabe verbunden ist, z. B. ahd. blāfaro, brūnfaro, mhd. -var, nhd. -farb, dann durch -farben abgelöst. Das Adjektiv ist mit ie. u̯o-Suffix gebildet zu ie. *perk̑- ‘gesprenkelt, bunt’, das wie die Variante ie. *prek̑- besonders in Bezeichnungen für gesprenkelte, buntgetupfte Tiere auftritt, vgl. griech. pérkos (πέρκος) ‘Sperber’, próx (πρόξ) ‘(geflecktes) reh- oder hirschartiges Tier’ sowie die unter ↗Forelle (s. d.) behandelten Formen. Anders Must in: IF 86 (1981) 255 ff., der im Hinblick auf neuerlich aufgefundenes got. farw- ‘Aussehen, Gestalt’ eine Entlehnung des Substantivs aus arab. farw, farwa ‘Pelz, (farbenprächtiges) Pelzwerk’ annimmt. färben Vb. ‘kolorieren, anmalen, Farbe verleihen’, ahd. far(a)wen (9. Jh.), mhd. verwen. farbig Adj. ‘bunt, koloriert’ (16. Jh.), zunächst auch färbig, farbicht. Seit dem 19. Jh. für nichtweiße Hautfarbe (vgl. engl. coloured); in dieser Verwendung substantiviert Farbiger m. (19. Jh.). Färber m. ‘wer das Gewerbe des Textilfärbens ausübt’, mhd. verwære; vgl. (mit anderer Bildungsweise) ahd. far(a)wo (9./10. Jh.). Schönfärber m. ‘Gewerbetreibender, der Textilien mit hellen Farben färbt’ (17. Jh.; Gegensatz Schwarzfärber); heute nur noch bildlich ‘wer die Dinge in ein günstiges Licht zu rücken versteht, einen Sachverhalt beschönigt’ (20. Jh.). Schönfärberei f. ‘Werkstatt des Schönfärbens’ (18. Jh.), ‘beschönigende Darstellungsweise’ (20. Jh.). schönfärben Vb. ‘Stoffe mit hellen Farben färben’ (18. Jh.), übertragen ‘bemänteln, entschuldigen’ (19. Jh.), eigentlich ‘schöner machen, als es ist’.

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
(sprachliche) Beschönigung · ↗Euphemismus · Glimpfwort · Hehlwort · ↗Hüllwort · ↗Relativierung · Schönfärberei · ↗Schönrederei · ↗Schönrednerei · ↗Verbrämung · ↗Verharmlosung · beschönigende Umschreibung · in blumiger Sprache · verhüllende Redeweise
Assoziationen
Synonymgruppe
Augenwischerei · ↗Lebenslüge · ↗Realitätsverleugnung · Schönfärberei · ↗Selbstbetrug · ↗Selbsttäuschung
Assoziationen
  • (die) Augen verschließen vor · (sich) Illusionen machen · (sich) selbst belügen · (sich) selbst etwas vormachen · (sich) selbst etwas zusammenphantasieren · (sich) selbst täuschen · der Wahrheit nicht ins Auge sehen können · der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen können · die Wahrheit nicht ertragen können · nicht wahrhaben wollen  ●  (sich etwas) in die (eigene) Tasche lügen  ugs.
  • (sich) Illusionen hingeben · (unter) Realitätsverlust (leiden) · Illusionen nachhängen · in anderen Sphären schweben · in einer Traumwelt leben · keine Bodenhaftung (haben) · ohne (jeden) Realitätsbezug · ohne Bodenhaftung · verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung  ●  in seiner eigenen Welt (leben)  fig.
  • Bluff · ↗Finte · ↗Gaukelei · ↗Gaunerei · ↗Irreführung · ↗List · ↗Manipulation · ↗Trickserei · Vorspiegelung falscher Tatsachen  ●  ↗Verarsche  derb · ↗Verarscherei  derb · ↗Verarschung  derb · ↗Veräppelung  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bilanz Hang Mißachtung Neigung Realismus Schluß Schwarzmalerei Verdacht Verharmlosung Vorwurf Wunschdenken betreiben entlarven grenzen hemmungslos ideologisch neigen neoliberal offiziell pur regierungsamtlich rein solch statistisch vorwerfen warnen üben üblich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schönfärberei‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dabei verzichtet das Buch bewußt auf die in vielen Führern enthaltene Schönfärberei.
Süddeutsche Zeitung, 22.05.1998
Wenn er sagt, daß es nicht so schlimm sei, gilt das als Schönfärberei.
Die Zeit, 11.04.1997, Nr. 16
Schon 1955 kündigte ein ZK-Beschluß den »energischen Kampf gegen die immer noch vorhandenen Tendenzen der Schönfärberei« an.
Herbst, Andreas u. a.: Lexikon der Organisationen und Institutionen - S. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 5087
Die Mißstände werden offen aufgezeigt, das Gute wird ohne Schönfärberei herausgestellt.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1940, S. 464
Dabei schrecken die offizielle Öffentlichkeit und ihre Institutionen vor keiner statistischen Fälschung, keiner Schönfärberei und keinem durchsichtigen Retuschieren der marktwirtschaftlichen Armut zurück.
Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 83
Zitationshilfe
„Schönfärberei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schönfärberei>, abgerufen am 20.03.2019.

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