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Schöpfung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schöpfung · Nominativ Plural: Schöpfungen
Aussprache
WorttrennungSchöp-fung
Wortzerlegungschöpfen-ung
Wortbildung mit ›Schöpfung‹ als Erstglied: ↗Schöpfungsakt · ↗Schöpfungsbericht · ↗Schöpfungsgeschichte · ↗Schöpfungshöhe · ↗Schöpfungslehre · ↗Schöpfungsprozess
 ·  mit ›Schöpfung‹ als Letztglied: ↗Geldschöpfung · ↗Lehnschöpfung · ↗Nachschöpfung · ↗Neuschöpfung · ↗Sprachschöpfung · ↗Tonschöpfung · ↗Weltschöpfung · ↗Wertschöpfung · ↗Wortschöpfung
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
das Erschaffen
entsprechend der Bedeutung von schöpfen (Lesart 6)
a)
gehoben
Beispiele:
für die Schöpfung dieses Kunstwerkes wurde er mit einem Preis ausgezeichnet
Das erste klassische Beispiel für eine Großtat, die solcher Arbeitsteilung entsprungen ist, bildet die Schöpfung der Spektralanalyse [PlanckSinn25]
b)
Religion
Beispiel:
die Schöpfung der Erde
2.
das Geschaffene
a)
Werk, Kunstwerk
Beispiele:
gehoben diese Plastik ist die bedeutendste, eine reife Schöpfung des Künstlers
gehoben Seine [Bachs] gewaltigen, zuweilen auch gewaltsamen Schöpfungen waren ihr zu schwer [H. FranckJ. S. Bach500]
Modell
Beispiele:
die neuesten Schöpfungen der Mode
auf der Automobilausstellung sind die jüngsten Schöpfungen der Autoindustrie vorgestellt worden
b)
Religion alles, was nach dem christlichen Glauben von Gott geschaffen worden ist
Beispiele:
die Krone der Schöpfung (= der Mensch)
spöttisch die Krone der Schöpfung (= die Frau, der Mann)
umgangssprachlich, scherzhaft die Herren der Schöpfung (= die Männer)
Man kann sozusagen Gottes Schöpfung dabei [an einem Kieselstein] ebenso bewundern, aber ich bewunder sie lieber beim Matterhorn [BrechtFlüchtlingsgespräche72]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schaffen · abschaffen · anschaffen · beschaffen1 · beschaffen2 · erschaffen · nachschaffen · Schaffe · Schaffner · Geschöpf · Schöpfer2 · schöpferisch · Schöpfung
schaffen Vb. ‘in eigener Leistung hervorbringen, gestalten’ und (besonders südd.) ‘arbeiten, zustande bringen’. Das stark flektierende Verb (mit j-Präsens) ahd. skephen ‘(er)schaffen, (be)wirken, gestalten, ordnen, festsetzen’ und auch ‘(Wasser) schöpfen’ (8. Jh.) entwickelt (aus der Partizipialform giscaffan) einen neuen Präsensstamm mit dem Infinitiv mhd. schaffen, nhd. schaffen (schuf, geschaffen). Verwandt sind asächs. skeppian ‘(er)schaffen, bestimmen’, aengl. scieppan ‘(er)schaffen, bilden anordnen, machen’, got. gaskapjan ‘erschaffen’, ferner ↗schaben, ↗Schaff, ↗Schaft, ↗Scheffel (s. d.) und die dort genannten Wortformen, so daß, ausgehend von einer Bedeutung ‘schnitzend gestalten’, Anschluß an die Variante ie. *skā̌b(h)- der Wurzel ie. *(s)kē̌p-, *(s)kō̌p-, *(s)kā̌p- ‘mit scharfem Werkzeug schneiden, spalten’ möglich ist. Neben dem starken Verb ahd. skephen (s. oben) steht ein gleichlautendes schwaches jan-Verb ahd. skephen ‘(er)schaffen, gestalten, bilden’ und ‘(Wasser) schöpfen’ (8. Jh.); beide Verben haben sich anscheinend semantisch miteinander vermischt (Weiteres s. ↗schöpfen). Weiterhin steht zum starken Verb die schwach flektierende Intensivbildung ahd. scaffōn ‘tun, bilden, zustande bringen, anordnen’ (8. Jh.), mhd. schaffen, nhd. schaffen ( schaffte, geschafft), deren Infinitiv- und Präsensformen im Mhd. und Nhd. mit denen des oben genannten starken Verbs zusammenfallen. Für das starke Verb ist heute von einer Grundbedeutung ‘etw. hervorbringen, bewirken’, für das schwache Verb von einer Grundbedeutung ‘einrichten, ordnen’ (weiter ‘anordnen, tätig sein, arbeiten, herbei-, wegbringen’) auszugehen. Starke und schwache Flexion zeigen entsprechend mnd. scheppen, mnl. sceppen und engl. to shape (mit dem Part. Prät. shaped und, allerdings selten und älter, shapen). Zum schwachen Verb stellen sich (auch bei teilweise starker Flexion bis ins 16. Jh.) abschaffen Vb. ‘aufheben, beseitigen’, mhd. abeschaffen (14. Jh.), südd. auch ‘sich abarbeiten’; anschaffen Vb. ‘etw. in seinen Besitz bringen, sich aneignen’ (16. Jh.), ‘anordnen, verursachen’ (15. Jh.); beschaffen1 Vb. ‘herbeiholen, besorgen’ (15. Jh.); vgl. ahd. biscaffōn ‘gestalten, bilden’ (8. Jh.); dagegen beschaffen2 Part.adj. ‘geartet, geformt, befindlich’ (15. Jh.), mhd. ‘vorhanden, durch das Schicksal bestimmt’, zu (vorwiegend stark flektierendem) mhd. beschaffen ‘(er)schaffen, bestimmt oder zugeteilt sein, ordnen, verwalten, herbeibringen’. Zum starken Verb gehören erschaffen Vb. ‘entstehen lassen, gestalten, formen’, geläufig seit dem 16. Jh.; nachschaffen Vb. ‘gestaltend nachbilden’ (18. Jh.), ‘nachträglich anschaffen’ (17. Jh.). Schaffe f. ‘Leistung, (großartige) Angelegenheit’, neugebildetes Verbalabstraktum der Jugendsprache (20. Jh.); zuvor (ohne direkte Nachfolge) mhd. schaffe ‘Anordnung, Befehl’. Schaffner m. ‘Besorger, Ordner, Aufseher, Verwalter’, mhd. schaffenære, scheffenære, nach voraufgehendem schaffære, scheffære, ahd. scaffāri (um 1000). Seit dem 19. Jh. fast nur noch für das Bedienungs- und Aufsichtspersonal bei Bahn und Post, vgl. Postschaffner, Eisenbahnschaffner. Den alten Stammsilbenvokal des starken Verbs (nach ahd. skephen) bewahren (zu ö gerundet) Geschöpf n. ‘das Erschaffene, Geformte’ (15. Jh.), anfangs auch Vorgangsbezeichnung im Sinne von ‘Erschaffung’; Schöpfer2 m. ‘wer etw. erschafft, gestaltet’, auch Bezeichnung des christlichen Gottes als des Erschaffers der Welt, ahd. skephāri (9. Jh.), mhd. schepfære, schephære (vgl. früher bezeugtes ahd. skepho, 8. Jh.); schöpferisch Adj. ‘gestaltend, Neues erschaffend’ (18. Jh.); Schöpfung f. ‘Vorgang und Ergebnis des Gestaltens’, mhd. schepfunge, schepfenunge im Sinne des göttlichen Erschaffens der Welt, seit dem 18. Jh. ‘Gesamtheit von Natur und Welt’, auch ‘geistiges, künstlerisches Schaffen und sein Produkt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Entwicklung · ↗Erfindung · ↗Erschaffung · ↗Kreation · ↗Planung · Schöpfung  ●  ↗Hervorbringung  geh.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewahrung Ehrfurcht Erlösung Evolution Geheimnis Geschöpf Gott Grammatik Herr Kreatur Krone Krönung Nichts Schönheit Schöpfer Sündenfall Wunder architektonisch bedeutend dichterisch geistig genial großartig göttlich künstlerisch original originell originär ureigen verfehlt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schöpfung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es hat sich als sinnvoll erwiesen, unkontrollierbare Teile der Schöpfung sprachlich einzuzäunen.
Die Zeit, 23.08.2010, Nr. 34
Richtig zufrieden können die Vereinten Nationen mit ihrer Schöpfung dennoch nicht sein.
Süddeutsche Zeitung, 07.04.2004
Kritik in beiden Lagern muß heute wertkonservativ sein, das heißt, interessiert an der Erhaltung der Schöpfung.
Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 204
Kein Schwanken aber gibt es bezüglich der Schöpfung aus dem Nichts.
Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 4743
Sein Empire ist eine Schöpfung von französischem Blute, aber englischem Stil.
Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 185
Zitationshilfe
„Schöpfung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schöpfung>, abgerufen am 20.07.2019.

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