Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schablone, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schablone · Nominativ Plural: Schablonen
Aussprache 
Worttrennung Scha-blo-ne · Schab-lo-ne
Wortbildung  mit ›Schablone‹ als Erstglied: Schablonendenken · Schablonendruck · schablonenhaft · schablonieren · schablonisieren
 ·  mit ›Schablone‹ als Letztglied: Blechschablone · Holzschablone · Pappschablone · Radierschablone · Schriftschablone · Stimmzettelschablone · Zeichenschablone
Herkunft aus gleichbedeutend Schabbelunnd < schaplūnmnd, schampeliōnmnd ‘Muster, Form, Modell’ < gleichbedeutend schampelioenmnl < eschantillonafrz ‘Richtmaß, Eichmaß’ (échantillonfrz ‘Probestück, Muster, Modell’)
eWDG

Bedeutungen

1.
ausgeschnittene oder ausgestanzte Vorlage zum beliebig häufigen Übertragen einer bestimmten Umrisslinie, besonders eines Musters, einer Schrift auf einen Untergrund
Beispiele:
eine Schablone verwenden
mit einer Schablone arbeiten
nur Ziffern, mit einer Schablone aufgezeichnet, sind auf den Kreuzen [ Kisch2,1,430]
2.
übertragen Klischee, Schema, erstarrte Form
Beispiele:
nach einer Schablone handeln, urteilen
er dachte nur in Schablonen
die Häuser waren häßlich. Sie waren alle nach einer Schablone (= einförmig) gebaut [ OelfkenTraum216]
Gertrud Eysoldt … war eine der eigenwilligsten und absonderlichsten Schauspielerinnen, fern aller Schablone [ WintersteinLeben2,138]
der Kampf … gegen Phrase und Schablone, gegen Klischees und Schema [ Becher5,242]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schablone f. ‘(ausgeschnittene) Vorlage, Muster, althergebrachte erstarrte Form, Routine’, Entlehnung (18. Jh.) von nd. Schabbelun. Voraufgehendes mnd. schampeliōn, schaplūn ‘Muster, Form, Modell’ stammt aus gleichbed. mnl. nl. schampelioen, das im 15. Jh. am Niederrhein aus afrz. eschantillon ‘Richtmaß, Eichmaß’, frz. échantillon ‘Probestück, Muster, Modell’ entlehnt ist (nl. sjablone erst im 19. Jh. nach dt. Schablone). Die Entstehung der lautlichen Form ist unklar; man erwägt Anlehnung an mnl. schampen ‘streifen, (ab)gleiten’ (woraus -mp-), später an nhd. schaben (woraus -b-). Das frz. Substantiv wird auf vlat. *scandīculum zurückgeführt, die Bezeichnung für eine Art ‘Hohlmaß’, an dessen Innenseite die Maßeinheiten durch horizontale Striche (gleichsam aufsteigend) eingetragen sind, zu lat. scandere ‘steigen’. Das -t- (statt -d-) der frz. Formen mag sich aus dem Einfluß bedeutungsnaher Bildungen innerhalb der technischen Fachsprache erklären, die sich an lat. cant(h)us ‘eiserner Reifen um ein Rad, Radschiene, Augenwinkel’ anschließen. Schablone lebt vor allem im Bereich handwerklicher Massenproduktion und serienmäßiger technischer Herstellung. Hieraus erklärt sich der pejorative übertragene Gebrauch im Sinne des erstarrten Althergebrachten, der gedankenlosen Wiederholung und Routine (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Schablone · Vorlage  ●  Template  engl.
Synonymgruppe
Abklatsch · Attrappe · Falsifikat · Fälschung · Imitat · Imitation · Klischee · Kopie · Nachahmung · Nachbildung · Plagiat · Schablone · Simulation · Simulierung · Vorspiegelung falscher Tatsachen · Vortäuschung falscher Tatsachen · potemkinsches Dorf  ●  Fake  ugs., engl. · Mimikry  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) landläufige Vorstellung · (die) übliche Vorstellung · Klischee · Klischeevorstellung · Schablone · Schublade · Stereotyp · Vorurteil
Assoziationen
Synonymgruppe
Kategorie · Muster · Raster · Schablone · Schublade · Syndrom

Typische Verbindungen zu ›Schablone‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schablone‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schablone‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Anzeigen wichen vielmehr von der üblichen Schablone erheblich ab. [Reklame-Praxis, 1928, Nr. 9, Bd. 4]
Das Programm bietet seit der Version 4 auch sogenannte Skins – eine Art Schablone, durch deren Austausch man das Aussehen der Oberfläche ändern kann. [C't, 1999, Nr. 14]
Gewandt, spitzzüngig, praxisnah – der Mann paßt nicht in die Schablone. [o. A.: Bernhard Korte Der Mathematiker als Weltmann. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1999 [1998]]
Mit Hilfe dieser Schablone kann man beliebig viele Objekte (also reale Radios) produzieren. [C't, 1995, Nr. 8]
Zu deren Design kann der Benutzer auf öffentliche Banken als Schablone zurückgreifen. [C't, 1991, Nr. 9]
Zitationshilfe
„Schablone“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schablone>.

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