Schaffner, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schaffners · Nominativ Plural: Schaffner
Aussprache
WorttrennungSchaff-ner (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Schaffner‹ als Erstglied: ↗Schaffnerin · ↗Schaffnersitz · ↗Schaffnerwanne · ↗schaffnerlos
 ·  mit ›Schaffner‹ als Letztglied: ↗Bahnschaffner · ↗Beiwagenschaffner · ↗Busschaffner · ↗Eisenbahnschaffner · ↗Omnibusschaffner · ↗Schlafwagenschaffner · ↗Straßenbahnschaffner · ↗Trambahnschaffner
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
im Fahrdienst tätiger Angestellter von Verkehrsbetrieben, der Fahrgeld kassiert, Fahrkarten kontrolliert
Beispiele:
den Fahrschein beim Schaffner lösen
der Schaffner knipste, entwertete die Fahrkarte, den Fahrschein
der Schaffner verlangte, kontrollierte die Fahrkarten
dem Schaffner die Fahrkarte vorzeigen
2.
veraltet Verwalter, Aufseher
Beispiele:
der Schaffner eines Klosters, Schlosses, Gutes
Ein ... ergreister Schaffner räumte das Tischgeräte weg [C. F. Meyer4,13]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schaffen · abschaffen · anschaffen · beschaffen1 · beschaffen2 · erschaffen · nachschaffen · Schaffe · Schaffner · Geschöpf · Schöpfer2 · schöpferisch · Schöpfung
schaffen Vb. ‘in eigener Leistung hervorbringen, gestalten’ und (besonders südd.) ‘arbeiten, zustande bringen’. Das stark flektierende Verb (mit j-Präsens) ahd. skephen ‘(er)schaffen, (be)wirken, gestalten, ordnen, festsetzen’ und auch ‘(Wasser) schöpfen’ (8. Jh.) entwickelt (aus der Partizipialform giscaffan) einen neuen Präsensstamm mit dem Infinitiv mhd. schaffen, nhd. schaffen (schuf, geschaffen). Verwandt sind asächs. skeppian ‘(er)schaffen, bestimmen’, aengl. scieppan ‘(er)schaffen, bilden anordnen, machen’, got. gaskapjan ‘erschaffen’, ferner ↗schaben, ↗Schaff, ↗Schaft, ↗Scheffel (s. d.) und die dort genannten Wortformen, so daß, ausgehend von einer Bedeutung ‘schnitzend gestalten’, Anschluß an die Variante ie. *skā̌b(h)- der Wurzel ie. *(s)kē̌p-, *(s)kō̌p-, *(s)kā̌p- ‘mit scharfem Werkzeug schneiden, spalten’ möglich ist. Neben dem starken Verb ahd. skephen (s. oben) steht ein gleichlautendes schwaches jan-Verb ahd. skephen ‘(er)schaffen, gestalten, bilden’ und ‘(Wasser) schöpfen’ (8. Jh.); beide Verben haben sich anscheinend semantisch miteinander vermischt (Weiteres s. ↗schöpfen). Weiterhin steht zum starken Verb die schwach flektierende Intensivbildung ahd. scaffōn ‘tun, bilden, zustande bringen, anordnen’ (8. Jh.), mhd. schaffen, nhd. schaffen ( schaffte, geschafft), deren Infinitiv- und Präsensformen im Mhd. und Nhd. mit denen des oben genannten starken Verbs zusammenfallen. Für das starke Verb ist heute von einer Grundbedeutung ‘etw. hervorbringen, bewirken’, für das schwache Verb von einer Grundbedeutung ‘einrichten, ordnen’ (weiter ‘anordnen, tätig sein, arbeiten, herbei-, wegbringen’) auszugehen. Starke und schwache Flexion zeigen entsprechend mnd. scheppen, mnl. sceppen und engl. to shape (mit dem Part. Prät. shaped und, allerdings selten und älter, shapen). Zum schwachen Verb stellen sich (auch bei teilweise starker Flexion bis ins 16. Jh.) abschaffen Vb. ‘aufheben, beseitigen’, mhd. abeschaffen (14. Jh.), südd. auch ‘sich abarbeiten’; anschaffen Vb. ‘etw. in seinen Besitz bringen, sich aneignen’ (16. Jh.), ‘anordnen, verursachen’ (15. Jh.); beschaffen1 Vb. ‘herbeiholen, besorgen’ (15. Jh.); vgl. ahd. biscaffōn ‘gestalten, bilden’ (8. Jh.); dagegen beschaffen2 Part.adj. ‘geartet, geformt, befindlich’ (15. Jh.), mhd. ‘vorhanden, durch das Schicksal bestimmt’, zu (vorwiegend stark flektierendem) mhd. beschaffen ‘(er)schaffen, bestimmt oder zugeteilt sein, ordnen, verwalten, herbeibringen’. Zum starken Verb gehören erschaffen Vb. ‘entstehen lassen, gestalten, formen’, geläufig seit dem 16. Jh.; nachschaffen Vb. ‘gestaltend nachbilden’ (18. Jh.), ‘nachträglich anschaffen’ (17. Jh.). Schaffe f. ‘Leistung, (großartige) Angelegenheit’, neugebildetes Verbalabstraktum der Jugendsprache (20. Jh.); zuvor (ohne direkte Nachfolge) mhd. schaffe ‘Anordnung, Befehl’. Schaffner m. ‘Besorger, Ordner, Aufseher, Verwalter’, mhd. schaffenære, scheffenære, nach voraufgehendem schaffære, scheffære, ahd. scaffāri (um 1000). Seit dem 19. Jh. fast nur noch für das Bedienungs- und Aufsichtspersonal bei Bahn und Post, vgl. Postschaffner, Eisenbahnschaffner. Den alten Stammsilbenvokal des starken Verbs (nach ahd. skephen) bewahren (zu ö gerundet) Geschöpf n. ‘das Erschaffene, Geformte’ (15. Jh.), anfangs auch Vorgangsbezeichnung im Sinne von ‘Erschaffung’; Schöpfer2 m. ‘wer etw. erschafft, gestaltet’, auch Bezeichnung des christlichen Gottes als des Erschaffers der Welt, ahd. skephāri (9. Jh.), mhd. schepfære, schephære (vgl. früher bezeugtes ahd. skepho, 8. Jh.); schöpferisch Adj. ‘gestaltend, Neues erschaffend’ (18. Jh.); Schöpfung f. ‘Vorgang und Ergebnis des Gestaltens’, mhd. schepfunge, schepfenunge im Sinne des göttlichen Erschaffens der Welt, seit dem 18. Jh. ‘Gesamtheit von Natur und Welt’, auch ‘geistiges, künstlerisches Schaffen und sein Produkt’.

Thesaurus

Eisenbahn
Synonymgruppe
Kontrolleur · ↗Kundenbetreuer · Schaffner · ↗Zugbegleiter  ●  ↗Kondukteur  schweiz. · KiN  fachspr. · Zub  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Zugchef · ↗Zugführer  ●  Zugsführer  österr. · Oberschaffner  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abteil Bahnsteig Briefträger Busfahrer Eisenbahn Fahrer Fahrgast Fahrkarte Fahrschein Heizer Kellner Kontrolldienst Kontrolleur Lokführer Lokomotivführer Reisende Schaffnerin Schlafwagen Straßenbahn Uniform Waggon Zug Zugbegleiter Zugführer alarmieren gestresst kontrollieren lochen mitfahren pfeifen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schaffner‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um aber mehr Geld einzufahren hat die Bahn den Plan lanciert, künftig keine Schaffner mehr mitreisen zu lassen.
Süddeutsche Zeitung, 06.09.2002
Doch wann der Zug abgeht, wissen selbst die Schaffner noch nicht.
Die Zeit, 21.01.1980, Nr. 03
Der Schaffner kann nichts tun, als uns aus der Bahn zu weisen.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 440
Mit Hilfe eines Schaffners trug der Herr den Rest der Habe zusammen.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 168
Du machst dich ebenso wie der Schaffner, der es nicht verhindert, dadurch strafbar.
Franken, Konstanze von [d.i. Stoekl, Helene]: Handbuch des guten Tones, Berlin: Hesse 1936, S. 185
Zitationshilfe
„Schaffner“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schaffner>, abgerufen am 17.08.2019.

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