Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Scham, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Scham · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Scham‹ als Erstglied: Schambein · Schambereich · Schamberg · Schamdreieck · Schamesröte · Schamfrist · Schamgefühl · Schamgegend · Schamglied · Schamgrenze · Schamhaar · Schamhügel · Schamlippe · Schamröte · Schamteil · schamhaft · schamlos · schamrot · schamverletzend · schamvoll
 ·  mit ›Scham‹ als Letztglied: Flugscham · Kollektivscham  ·  formal verwandt mit: gschamig · gschämig
eWDG

Bedeutungen

1.
quälendes Gefühl der Verlegenheit, das durch Reue, Bloßgestelltsein, durch die Erkenntnis des eigenen Versagens oder durch etw. Unanständiges, Unehrenhaftes, Lächerliches ausgelöst wird
Beispiele:
(keine) Scham spüren, fühlen, zeigen, erkennen lassen, besitzen
umgangssprachlichkeine Scham im Leibe haben
seine, alle Scham ablegen, unterdrücken
die letzte Scham abwerfen
die aufsteigende Scham überwinden
beißende, brennende, mädchenhafte Scham
sie empfand tiefe Scham, weil sie versagt hatte
falsche (= in der gegebenen Situation unangebrachte) Scham
falsche Scham vor einer Belobigung
umgangssprachlichnur keine falsche Scham! (= zier dich nicht!)
aus falscher Scham schweigen, etw. verschweigen
aus falscher Scham nicht zum Arzt gehen
etw. ohne Scham sagen, tun
voll(er) Scham dachte er an seine Fehler, Misserfolge
vor Scham rot werden, die Augen niederschlagen, senken
gehobenvor Scham erröten
ich möchte, könnte vor Scham vergehen, mich verkriechen, in die Erde (ver)sinken
jmdm. Scham und Schande bereiten
Die Scham stand am Beginn ihrer Lust, und am Ende ihrer Lust stand sie auch [ J. RothHiob35]
Das Frauenzimmer hat nicht einmal die Scham (= scheut sich nicht), [mit dem Abstreifen der Bluse] zu warten, bis ich draußen bin [ SeghersDie Toten6,85]
2.
gehoben, veraltend Schamröte
Beispiele:
die Scham stieg ihr ins Gesicht
Und ihre Wangen färbt die zücht'ge Scham [ SchillerJungfr. v. OrleansIII 4]
3.
gehoben, verhüllend die äußeren Geschlechtsteile des Menschen
Beispiel:
die Scham bedecken, verhüllen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scham · schämen · beschämen · verschämt · unverschämt · schamhaft · schamlos
Scham f. ‘das Gefühl, bloßgestellt zu werden oder zu sein, Scheu, Verlegenheit’, ahd. scama ‘Beschämung, Zerknirschung, Bestürzung, Schande’ (8. Jh.), mhd. schame, auch ‘Ärgernis’ und (verhüllend, wie noch heute) ‘Geschlechtsteile’, asächs. skama, mnd. schām(e), mnl. scāme, aengl. sc(e)amu, engl. shame (germ. *skamō f.) und das schwache Verb got. skaman ‘sich schämen’ haben keine sicheren Anknüpfungen außerhalb des Germ., so daß die Etymologie ungeklärt bleibt. Eine Herleitung von der Wurzel ie. *k̑em- ‘bedecken, verhüllen’ (s. Hemd) ist wenig wahrscheinlich. schämen Vb. reflexiv ‘Scham empfinden’, ahd. scamēn (8. Jh.), scamōn (9. Jh.), mhd. schamen, schemen, schämen, auch ‘schmähen, schänden’. beschämen Vb. ‘Schamgefühl bereiten, verlegen machen’, mhd. beschemen ‘in Schmach oder Scham bringen, schänden’. verschämt Part.adj. ‘scheu, voller Schamgefühl’ (18. Jh.), ‘schamlos, voller Schande’ (16. Jh.); vgl. mhd. verschemen, verschamen ‘in Scham, Schande versinken’ und ahd. firscamēn ‘aufhören, sich zu schämen’ (um 1000). unverschämt Part.adj. ‘ohne Schamgefühl, frech’, spätmhd. unverschamet. schamhaft Adj. ‘voller Scham, scheu, schüchtern’, ahd. scamahaft (8. Jh.), mhd. schamehaft. schamlos Adj. ‘ohne Schamgefühl, frech’, ahd. scamalōs (10. Jh.), mhd. scham(e)lōs.

Thesaurus

Synonymgruppe
Scham · Schamgefühl
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Intimbereich · Scham · Schamgegend  ●  (Gegend) im Schritt  verhüllend · Schambereich  Hauptform · Schrittbereich  verhüllend

Typische Verbindungen zu ›Scham‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Scham‹.

Verwendungsbeispiele für ›Scham‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir haben längst die Scham verloren, uns so zu geben, wie wir sind. [Hildebrandt, Dieter: Der Anbieter, Berlin: Verl. Volk und Welt 1994, S. 112]
Er sah sie genau an, sie stand sehr sicher vor ihm, ohne Scham. [Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 37]
Es war vielleicht eine Art Scham, die schwer zu definieren ist. [Der Spiegel, 27.03.2000]
Ich hätte sterben können vor Scham, das dürfen Sie mir glauben! [C't, 1999, Nr. 13]
Und er schämt sich, christlich auch darin, für seine Scham. [Die Zeit, 03.09.1998, Nr. 37]
Zitationshilfe
„Scham“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Scham>.

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