Scham, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Scham · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Scham‹ als Erstglied: ↗Schambein · ↗Schambereich · ↗Schamberg · ↗Schamesröte · ↗Schamgefühl · ↗Schamgegend · ↗Schamhaar · ↗Schamlippe · ↗Schamröte · ↗Schamteil · ↗schamhaft · ↗schamlos · ↗schamrot · ↗schamvoll
 ·  mit ›Scham‹ als Letztglied: ↗Kollektivscham  ·  formal verwandt mit: ↗gschamig · ↗gschämig
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
quälendes Gefühl der Verlegenheit, das durch Reue, Bloßgestelltsein, durch die Erkenntnis des eigenen Versagens oder durch etw. Unanständiges, Unehrenhaftes, Lächerliches ausgelöst wird
Beispiele:
(keine) Scham spüren, fühlen, zeigen, erkennen lassen, besitzen
umgangssprachlich keine Scham im Leibe haben
seine, alle Scham ablegen, unterdrücken
die letzte Scham abwerfen
die aufsteigende Scham überwinden
beißende, brennende, mädchenhafte Scham
sie empfand tiefe Scham, weil sie versagt hatte
falsche (= in der gegebenen Situation unangebrachte) Scham
falsche Scham vor einer Belobigung
umgangssprachlich nur keine falsche Scham! (= zier dich nicht!)
aus falscher Scham schweigen, etw. verschweigen
aus falscher Scham nicht zum Arzt gehen
etw. ohne Scham sagen, tun
voll(er) Scham dachte er an seine Fehler, Misserfolge
vor Scham rot werden, die Augen niederschlagen, senken
gehoben vor Scham erröten
ich möchte, könnte vor Scham vergehen, mich verkriechen, in die Erde (ver)sinken
jmdm. Scham und Schande bereiten
Die Scham stand am Beginn ihrer Lust, und am Ende ihrer Lust stand sie auch [J. RothHiob35]
Das Frauenzimmer hat nicht einmal die Scham (= scheut sich nicht), [mit dem Abstreifen der Bluse] zu warten, bis ich draußen bin [SeghersDie Toten6,85]
2.
gehoben, veraltend Schamröte
Beispiele:
die Scham stieg ihr ins Gesicht
Und ihre Wangen färbt die zücht'ge Scham [SchillerJungfr. v. OrleansIII 4]
3.
gehoben, verhüllend die äußeren Geschlechtsteile des Menschen
Beispiel:
die Scham bedecken, verhüllen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scham · schämen · beschämen · verschämt · unverschämt · schamhaft · schamlos
Scham f. ‘das Gefühl, bloßgestellt zu werden oder zu sein, Scheu, Verlegenheit’, ahd. scama ‘Beschämung, Zerknirschung, Bestürzung, Schande’ (8. Jh.), mhd. schame, auch ‘Ärgernis’ und (verhüllend, wie noch heute) ‘Geschlechtsteile’, asächs. skama, mnd. schām(e), mnl. scāme, aengl. sc(e)amu, engl. shame (germ. *skamō f.) und das schwache Verb got. skaman ‘sich schämen’ haben keine sicheren Anknüpfungen außerhalb des Germ., so daß die Etymologie ungeklärt bleibt. Eine Herleitung von der Wurzel ie. *k̑em- ‘bedecken, verhüllen’ (s. ↗Hemd) ist wenig wahrscheinlich. schämen Vb. reflexiv ‘Scham empfinden’, ahd. scamēn (8. Jh.), scamōn (9. Jh.), mhd. schamen, schemen, schämen, auch ‘schmähen, schänden’. beschämen Vb. ‘Schamgefühl bereiten, verlegen machen’, mhd. beschemen ‘in Schmach oder Scham bringen, schänden’. verschämt Part.adj. ‘scheu, voller Schamgefühl’ (18. Jh.), ‘schamlos, voller Schande’ (16. Jh.); vgl. mhd. verschemen, verschamen ‘in Scham, Schande versinken’ und ahd. firscamēn ‘aufhören, sich zu schämen’ (um 1000). unverschämt Part.adj. ‘ohne Schamgefühl, frech’, spätmhd. unverschamet. schamhaft Adj. ‘voller Scham, scheu, schüchtern’, ahd. scamahaft (8. Jh.), mhd. schamehaft. schamlos Adj. ‘ohne Schamgefühl, frech’, ahd. scamalōs (10. Jh.), mhd. scham(e)lōs.

Thesaurus

Synonymgruppe
Scham · ↗Schamgefühl
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Intimbereich · Scham · ↗Schambereich · ↗Schamgegend · ↗Schritt
Assoziationen
  • (männliche) Genitalien · (männliche) Geschlechtsorgane · (männliche) Sexualorgane · Penis und Hodensack · ↗Weichteile · männliche Geschlechtsteile  ●  ↗Gemächt(e)  veraltet · edle Teile  ironisch · ↗(das) Gehänge  vulg., ironisch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angst Betroffenheit Demut Demütigung Ekel Entsetzen Erdboden Erniedrigung Nacktheit Peinlichkeit Reue Schamlosigkeit Schande Scheu Schmerz Schuld Schuldgefühl Stolz Trauer Unwissenheit Verlegenheit Verzweiflung Wut Zorn bedecken erröten falsch prometheisch verkriechen versinken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Scham‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie schweigen aus Scham, sie spielen ihren Partnern im Bett etwas vor.
Bild, 12.08.2003
Viele müssten erst ihre Scham überwinden, so lange zugesehen zu haben, ohne etwas zu tun.
Der Tagesspiegel, 06.02.2001
Es war vielleicht eine Art Scham, die schwer zu definieren ist.
Der Spiegel, 27.03.2000
Und die neu aufgepeitschte Scham wühlte dann immer noch tagelang.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 478
Und überdies glaubte er, bei ihnen die Scham zu vermissen.
Musil, Robert: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1983 [1906], S. 378
Zitationshilfe
„Scham“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Scham>, abgerufen am 16.12.2018.

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