Schande, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schande · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungSchan-de (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Schande‹ als Erstglied: ↗Schandbalg · ↗Schandfleck · ↗Schandkerl · ↗Schandmal · ↗Schandmaul · ↗Schandpfahl · ↗Schandpreis · ↗Schandschnauze · ↗Schandtat · ↗Schandvertrag · ↗Schandweib · ↗Schandzeichen · ↗schandenhalber · ↗schandhaft
 ·  mit ›Schande‹ als Letztglied: ↗Affenschande · ↗Kulturschande
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Zustand des Verachtetseins, Bloßgestelltseins, in den man durch (eigenes) schuldhaftes Tun geraten ist
Beispiele:
das, es ist eine (große) Schande!
etw. macht, bringt jmdm., seinem Namen große Schande
jmd. macht seiner Familie, den Eltern Schande, tut ihnen Schande an
scherzhaft mach mir keine Schande! (= blamier mich nicht!)
jmdn. mit Schimpf und Schande davonjagen
umgangssprachlich, scherzhaft zu meiner Schande muss ich gestehen, sei es gesagt (= es ist mir peinlich, es zuzugeben), dass ich mich nicht gut benommen, dass ich es völlig vergessen habe
gehoben etw. gereicht jmdm. zur Schande
gehoben Schmach und Schande über dich! (= Verwünschung)
gehoben, veraltend in Schande geraten (= entehrt werden)
seine Familie, sich mit (Schmach und) Schande bedecken
Schande über jmdn. bringen
jmdn. vor Schande bewahren
sprichwörtlich der Horcher an der Wand hört seine eigne Schandʼ
Morgen ... bist du zum Untersuchungsrichter zur Vernehmung vorgeladen. Die Mutter darf nichts erfahren, sie würde die Schande nicht überleben [BecherAbschied4,254]
gehoben, veraltend Wenn sich in Berlin ein Mädchen in der Spree ersäuft, das ein reicher, vornehmer Herr bei Hofe in Schande gebracht hat [KlabundBracke52]
2.
umgangssprachlich etw. ist eine Schandeetw. ist empörend, unerhört
Beispiele:
die harten Urteile in diesem Prozess waren eine Schande
es ist eine (wahre, einzige) Schande, wie du dich benimmst, aufführst, herumläufst, dass du dich so gehen lässt
das ist doch keine Schande (= ist doch nicht so schlimm), wenn man sich mal betrinkt
dieses Räubervolk ... eine wahre Schande für unser Dorf, hat ihn [den Ring] gestohlen [TurekWende156]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schande · schänden · schandbar · schändlich
Schande f. ‘etw. Beschämendes, Schmach, Schimpf, Unehre, Verachtetsein’, ahd. scanta (8. Jh.), mhd. schande ‘schämenswertes Tun, Laster’, auch ‘Schamteile’, mnd. schande, mnl. scande, nl. schande, afries. skonde, skande, aengl. scand, got. skanda (germ. *skamdō) steht mit Dentalsuffix neben den unter ↗Scham, ↗schämen (s. d.) behandelten Wörtern mit Übergang von -m- vor Dental zu -n-. Vgl. auch (mit Partizipialsuffix gebildet) ahd. scant Adj. ‘beschämt’ (9. Jh.), aengl. scand ‘Schurke’. Als Ausgangsbedeutung der Abstraktbildung ergibt sich ‘Verletzung, Verminderung der Ehre, des Ansehens’. Hierzu die Wendung (mit erstarrtem Dativ Plur.) zuschanden werden ‘vernichtet werden’, vgl. ahd. zi scantōn werdan ‘beschämt werden’ (um 1000), mhd. ze schanden werden. Oft als erstes Kompositionsglied (bereits im Mhd. einsetzend, danach sehr produktiv bis in die Gegenwart) für etw., das als häßlich und schmähend, als abschreckend, empörend, verabscheuungswürdig gekennzeichnet werden soll, vgl. Schandbuch, -fleck, -lied, -maul, -pfahl, -schnauze, -tat. schänden Vb. ‘in Schande bringen’, ahd. giskenten (8. Jh.), skenten (9. Jh.), mhd. schenden ‘entehren, beschimpfen, lästern, schimpfen, verfluchen, tadeln’. schandbar Adj. ‘Schande bringend, abscheulich’, mhd. schandebære. schändlich Adj. ‘mit Schande behaftet, unehrenhaft, abscheulich’, ahd. scantlīh (8. Jh.), mhd. schantlich, schentlich ‘schämenswert, entehrend, schmachvoll’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Affäre · ↗Aufsehen · Schande · ↗Skandal
Unterbegriffe
  • HS-30-Skandal · Hispano-Suiza-Skandal
  • Fichenaffäre · Fichenskandal
  • Iran-Contra-Affäre · Irangate
  • Barschel-Affäre · Barschel-Pfeiffer-Affäre · Kieler Affäre · Waterkantgate
  • Mason-und-Slidell-Affäre · Trent-Affäre
  • Kent-Fall · Kent-Wolkoff-Affäre · Tyler-Kent-Affäre
  • Lohmann-Affäre · Phoebus-Skandal
  • Kölner Spendenaffäre · Müllaffäre
  • Abgeordnetenaffäre · Beschäftigungsaffäre · Familienaffäre · Gehaltsaffäre · Verwandtenaffäre
  • CDU-Spendenaffäre · ↗Schwarzgeldaffäre
Assoziationen
Synonymgruppe
Blamage · ↗Bloßstellung · ↗Gesichtsverlust · ↗Kompromittierung · ↗Peinlichkeit · Schande · ↗Schmach · ↗Verächtlichmachung  ●  ↗Affenschande  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dauerpräsentation Dauerrepräsentation Demütigung Feigheit Hinfallen Instrumentalisierung Menschheit Monumentalisierung Ruhm Scham Schande Schimpf Schmach Sünde Verrat Vorhaltung Zwecke abwaschen bedecken davonjagen empfinden ersparen gereichen gestehen jagen national tilgen unauslöschlich unvergänglich verjagen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schande‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist eine Schande für diese Regierung, solche Gesetze zuzulassen.
Bild, 11.02.2004
Wenn es mit der Regierung nicht klappt, sei der aufrechte Gang in die Opposition keine Schande.
Der Tagesspiegel, 09.09.1999
Ein leerer Becher wäre eine Schande für das ganze Dorf.
Jentzsch, Kerstin: Seit die Götter ratlos sind, München: Heyne 1999 [1994], S. 288
Die Schande, die er auf sich geladen hat, besudelt alle.
o. A.: Zweihundertvierzehnter Tag. Donnerstag, 29. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 32166
Ich rechne es dir nicht als Schande ", redete der junge Bauer in stiller Güte weiter.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 79
Zitationshilfe
„Schande“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schande>, abgerufen am 16.07.2019.

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