Scharte, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Scharte · Nominativ Plural: Scharten
Aussprache
WorttrennungSchar-te (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Scharte‹ als Erstglied: ↗schartig  ·  mit ›Scharte‹ als Letztglied: ↗Alpenscharte · ↗Deichscharte · ↗Hasenscharte · ↗Schießscharte
eWDG, 1974

Bedeutung

tiefer, meist unregelmäßiger Einschnitt
a)
Einschnitt in einer Schneide; schadhafte Stelle in einer Schneide
Beispiele:
eine tiefe, große, kleine Scharte in einer Klinge
das Messer, Stemmeisen hat (viele) Scharten (bekommen)
Als der Büttnerbauer haltmachte im Hauen, weil seine Sense gegen einen Stein geschlagen und er die Scharte auswetzen mußte [PolenzBüttnerbauer1,134]
übertragen
Beispiel:
eine Scharte (wieder) auswetzen (= einen Schaden wiedergutmachen)
b)
umgangssprachlich Einschnitt in der Haut, besonders an der Lippe; Riss
Beispiel:
Bei jedem Schluck bleibt ein Fetzen Haut der Lippen am Aluminium hängen und der Wind beißt sich in die offenen Scharten [E. ClaudiusGrüne Oliven258]
c)
Einschnitt zwischen zwei Berggipfeln; schmaler Bergsattel
Beispiele:
der Gebirgsgrat hatte mehrere tiefe Scharten
[der Adler] rauschte empor aus einer Scharte im Kamm des Gebirges [H. LebertinÖsterr. Erzähler2,92]
d)
Einschnitt in Festungsmauern, im Wehrgang einer Burg, der als Schussloch oder Beobachtungsloch diente
Beispiele:
die Scharten des Burgwalls
Alles Licht kam durch schmale, nur handbreite Scharten, die von fünf Schritt zu fünf Schritt das dicke Mauerwerk durchbrachen [FontanePetöfy124]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scharte · schartig
Scharte f. ‘Kratzer, Riß, Kerbe, spaltähnliche Öffnung’, übertragen ‘Fehler, Mißerfolg’, mhd. schart(e) ‘durch Schneiden, Hauen oder Bruch hervorgebrachte Vertiefung oder Öffnung, ausgebrochenes oder ausgehauenes Stück’, mnd. schārt ‘Riß, Spalte, Öffnung, Scherbe’, mnl. scaert, scart, nl. schaarde, aengl. sceard ‘Scharte, Bruchstück, Scherbe’, engl. shard ‘Scherbe’, anord. skarð ‘Scharte, Kluft, Mangel’ sind Substantivierungen der Adjektive ahd. -scart (in liduscart ‘verstümmelt’, 9. Jh.; vgl. ahd. lid ‘Glied’), mhd. schart ‘zerhauen, schartig, verletzt, verwundet’, asächs. skard, aengl. sceard, anord. skarðr (germ. *skarda-), mit Dentalsuffix zu der unter ↗scheren (s. d.) genannten Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’ gebildet. Redensartlich eine Scharte auswetzen ‘einen Mißerfolg, Fehler, Schaden wiedergutmachen’ (15. Jh.). S. auch ↗Hasenscharte. schartig Adj. ‘mit Scharten versehen’ (16. Jh.), frühnhd. schertig, mhd. scherteht.

Thesaurus

Militär
Synonymgruppe
Scharte · ↗Schießscharte
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Einschnitt · ↗Inzision · ↗Kerbe · Scharte · ↗Spalt · ↗Spalte
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Niederlage Vorjahr ausmerzen auswetzen bös tief wettmachen wetzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Scharte‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Beim nächsten Aufeinandertreffen müssen wir diese Scharte ums Verrecken auswetzen.
Bild, 08.04.2003
Da, war ich mir sicher, würde ich die Scharte wieder auswetzen.
Der Tagesspiegel, 22.02.2002
Ich blickte durch ein schmales Fenster, kaum mehr als eine Scharte, ins Lokal.
Rothmann, Ralf: Stier, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1991 [1991], S. 58
Frankreich hofft mit der ganzen Kraft einer alten soldatischen Nation, die Scharte von 1870 auszuwetzen.
o. A.: Der große Krieg - Eine Chronik von Tag zu Tag, (1914) Nr. 10, S. 6137
Die Tore sind versperrt, aus Fenstern und Scharten drohen Flintenläufe, Maschinengewehre.
Toller, Ernst: Eine Jugend in Deutschland, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1985 [1933], S. 73
Zitationshilfe
„Scharte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Scharte>, abgerufen am 26.08.2019.

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