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Schauer, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schauers · Nominativ Plural: Schauer
Aussprache
WorttrennungSchau-er (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Schauer‹ als Erstglied: ↗Schauergeschichte · ↗Schauermärchen · ↗Schauerroman · ↗schauerartig · ↗schauererregend · ↗schauerig · ↗schauervoll · ↗schaurig
 ·  mit ›Schauer‹ als Letztglied: ↗Angstschauer · ↗Aprilschauer · ↗Fieberschauer · ↗Gewitterschauer · ↗Graupelschauer · ↗Hagelschauer · ↗Kälteschauer · ↗Meteorschauer · ↗Regenschauer · ↗Schneeschauer · ↗Todesschauer · ↗Wonneschauer
eWDG, 1974

Bedeutungen

I.
1.
das Zittern, Frösteln, das durch eine heftige Empfindung, besonders durch Ehrfurcht, Ergriffenheit, Angst, Entsetzen, oder durch Kälte, Fieber hervorgerufen wird
Beispiele:
ein Schauer durchfährt, überläuft jmdn.
gehoben ein Schauer durchrieselt, überrieselt, überflutet jmdn.
jmdm. läuft, kriecht, rieselt ein Schauer über den Rücken
jmd. kann sich eines (leichten, leisen) Schauers nicht erwehren
(heiße und kalte) Schauer jagten durch den Körper des Fiebernden
die Kälte treibt jmdm. (eisige, eiskalte) Schauer durch die Glieder, über die Haut
die Erregung, Begeisterung, Ergriffenheit, Furcht, das Glück jagt jmdm. Schauer über die Haut
Spät abends dann ... trifft ihn manchmal ein kühler Wind, der aus den Wiesen kommt, und dann geht ein Schauer über seinen erschöpften Körper [SeegerFernsehspiele17]
Schauer des Entzückens rannen Stanislaus den Rücken herab [StrittmatterWundertäter294]
2.
heftige Empfindung, besonders der Ehrfurcht, Ergriffenheit, Angst, des Entsetzens, die jmdn. frösteln lässt
Beispiele:
ein Schauer geht durch jmds. Innerstes
jmd. fühlt einen Schauer der Ergriffenheit, Angst in sich aufsteigen
jmd. empfindet süße, schmerzliche Schauer
dichterisch seltsame Schauer durchwehten ihn
dichterisch Die Wogen der inneren Schauer gingen so hoch, daß er fast gegen seinen Willen vor Freude zu schreien begann [G. Hauptm.Quint1,20]
Grauen, Entsetzen
Beispiel:
Darum ist der Schauer vor dem Selbstmord so tief [KlepperSchatten81]
II.
kurzer, meist sehr intensiver Niederschlag in Form von Regen, Hagel oder Schnee
Beispiele:
ein leichter, kurzer, kräftiger, heftiger Schauer
einzelne gewittrige Schauer
Manchmal jagen die eilig ziehenden Wolken einen raschen Schauer herab [FalladaWolf2,414]
Schwall, Wasserschwall
Beispiele:
dichterisch ein Schauer von Tränen
als gösse ich mit meiner Erzählung angenehme Schauer Wassers auf seine Mühle [HildesheimerParadies125]
bildlich
Beispiel:
gehoben ein Schauer von Vorwürfen, Fragen prasselte auf ihn nieder
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schauen · Schau · Schauer1 · anschauen · anschaulich · veranschaulichen · Anschauung · beschauen · Beschauer · beschaulich · zuschauen · Zuschauer · Schaufenster · Schauplatz · Schauspiel · Schauspieler · schauspielern
schauen Vb. ‘den Blick auf etw. richten, betrachten, achtgeben, sich kümmern um, innerlich erblicken, erfassen, erkennen’, ahd. scouwōn (8. Jh.), mhd. schouwen, asächs. skauwon, mnd. schouwen, schau(w)en, mnl. scouwen, nl. schouwen, afries. skāwia, skōwia, aengl. scēawian, engl. to show (germ. *skauwōn). Verwandt sind weiter (unsicheres) got. unskaus (für *usskaus?) ‘nüchtern, vorsichtig’ (d. i. -skaus ‘schauend’), griech. thyoskóos (θυοσκόος, aus *-σκοϜός) ‘Opferschauer’ sowie das unter ↗schön (s. d.) behandelte Adjektiv, auch (ablautend) anord. skoða ‘schauen, untersuchen’, schwed. skåda und (mit nord. Entwicklung zum Guttural) anord. skygn ‘scharfsehend, klug’, skygna ‘schauen, spähen’. Alle Formen lassen sich auf eine mit s- anlautende Variante ie. *skeu- der Wurzel ie. *kē̌u- ‘worauf achten, beobachten, schauen’, auch ‘hören, fühlen, merken’ (wozu ↗hören, s. d. weitere Verwandte) zurückführen. Schau f. ‘(prüfendes) Ansehen, intuitives Erleben, Erfassen, Blickpunkt, Sichtweise’, mhd. schouwe, schowe, schou ‘suchendes, prüfendes Schauen’ (erhalten in Brautschau), ‘Blick, das Anschauen, Anblick, was angesehen wird, Gestalt’ (bis ins 17. Jh. auch m.); vgl. die Wendungen zur Schau stellen, zur Schau tragen ‘öffentlich zeigen, vorführen’ (18. Jh.). In neuerer Zeit (unter dem Einfluß von engl. show) häufig in Komposita für ‘Ausstellung’ (Blumen-, Leistungs-, Moden-, Tierschau) oder für eine ‘öffentliche, auf optische Wirkung ausgerichtete Veranstaltung’ (Bühnen-, Fernseh-, Superschau). In der Folge tritt das Simplex Schau oft für aus dem Engl. entlehntes ↗Show (s. d.) ein. Schauer1 m. ‘Betrachter, Besichtiger, Prüfer’, ahd. scouwāri (um 1000), mhd. schouwære, schower ‘Betrachter, Münzprüfer, Fleischbeschauer’, frühnhd. auch ‘Seher, Prophet’. anschauen Vb. ‘ansehen, prüfend betrachten’, ahd. anascouwōn (9. Jh.), mhd. aneschouwen; anschaulich Adj. ‘leicht, optisch gut vorstellbar, bildhaft’, mhd. anschouwelich ‘in religiöse Betrachtung versunken’; veranschaulichen Vb. ‘durch Bilder, Vergleiche u. dgl. vorstellbar, deutlich machen’ (um 1800); Anschauung f. ‘das Sehen, Anblick’ (15. Jh.), ‘Betrachtungsweise, Vorstellung, Gesichtspunkt, Meinung’ (18. Jh.), ahd. anascouwunga ‘das Ausschauhalten, geistige Betrachtung’ (8. Jh.), mhd. anschouwunge ‘geistige, kontemplative Betrachtung’. beschauen Vb. ‘(prüfend, eingehend) betrachten, besehen’, ahd. biscouwōn ‘schauen, (an)sehen, berücksichtigen’ (8. Jh.), mhd. beschouwen; Beschauer m. ‘Prüfer’, ahd. biscouwāri ‘Betrachter, Beobachter’ (10. Jh.), mhd. beschouwære ‘(obrigkeitlicher) Besichtiger, Prüfer’; beschaulich Adj. ‘betrachtend, kontemplativ’, spätmhd. beschouwelich; vgl. besonders beschawlich leben (1460). zuschauen Vb. ‘den Blick auf einen Punkt richten, hin-, zusehen’ (16. Jh.); Zuschauer m. ‘wer auf etw. hinsieht, einer Vorführung zusieht’ (16. Jh.). Schaufenster n. ‘Fenster, in dem etw. zur öffentlichen Ansicht ausgestellt wird’ (19. Jh.). Schauplatz m. ‘öffentlicher Platz, auf dem Schauspiele aufgeführt werden, Theater’ (16. Jh.), ‘Platz, auf dem sich etw. abspielt, wo etw. geschieht’ (17. Jh.), vgl. Kriegsschauplatz. Schauspiel n. ‘jedes vor Zuschauern öffentlich gezeigte Spiel’, besonders ‘dramatische Dichtung und deren szenische Aufführung’ (Ende 15. Jh.), neben häufigerem Komödie, Tragödie; vom 18. Jh. an geläufig und Lustspiel und Trauerspiel ausdrücklich zusammenfassend. Schauspieler m. ‘wer in szenischen Aufführungen auftritt’ (16. Jh.), danach ‘darstellende Person auf dem Theater’, neben ↗Komödiant (s. d.), dieses jedoch vom 18. Jh. an zurückdrängend. schauspielern Vb. ‘anderen etw. vormachen, vortäuschen’ (19. Jh.).

Schauer2 · schauerlich · schaurig · schauern
Schauer2 m. ‘kurzer, heftiger Niederschlag, plötzliche Empfindung von Kälte, Angst, Entsetzen’, ahd. scūr (8. Jh.), mhd. schūr(e), schour, schoure ‘Hagel, Ungewitter’, übertragen ‘Leid, Verderben, Vernichtung’, asächs. skūr ‘Ungewitter, Sturm’, aengl. scūr ‘Ungewitter’, engl. shower und anord. skūr f., schwed. skur, got. skūra f. (in skūra windis ‘Sturmwind’), germ. *skūra lassen sich wohl wie armen. c̣urt ‘kalt, Kälte, Schauer’ als ablautende Bildungen mit lat. caurus ‘Nordwestwind’, lit. šiáurė ‘Norden’, šiaũras ‘kalt, nördlich, streng, durchdringend’ (besonders vom Wind), aslaw. sěverъ ‘Norden, Nordwind’, russ. séver (север) ‘Norden’ verbinden und auf ie. *k̑ēu̯er-, *sk̑ūr- ‘Nord(wind)’ zurückführen. Schauer im Sinne von ‘vorübergehendes Zittern des Körpers, Angst, Entsetzen’ und ‘Anfall von Fieber oder Frösteln’ wird im 17. Jh. (wohl unter Einfluß von nicht verwandtem ↗Schauder, s. d.) gebräuchlich. schauerlich Adj. schaurig Adj. (beide 17. Jh.) ‘Entsetzen erregend, fürchterlich, grausig’. schauern Vb. ‘kurz und heftig regnen, hageln, stürmen, gewittern’, spätmhd. schauren ‘heulen’ (vom Sturm), ‘zittern, frösteln’ (16. Jh.), ‘Angst, Entsetzen, Freude, Ehrfurcht empfinden’ (18. Jh.).

Schauer3 · Schauermann
Schauer3 m. Schauermann m. Plur. Schauerleute, ‘Hafenarbeiter’. Aus einem Verb fries. sjouwe (in der fries. Mundart von Hindeloopen seeuwe, gebildet zu seeuw ‘See, Meer’, s. ↗See) ‘mit Anstrengung schleppen, Lasten tragen’ (eigentlich ‘mit Last durch das Wasser, durch die See zu einem Schiff laufen’) entsteht gleichbed. nl. sjouwen. Davon abgeleitetes nl. sjouwer, sjouwerman dringt an der Nordseeküste ostwärts und ergibt nd. Schauermann ‘Hafenarbeiter für das Löschen und Laden der Schiffsfracht’, das in der 1. Hälfte des 19. Jhs. in die Literatursprache aufgenommen wird.

Scheune · Scheuer · Schauer4
Scheune f. ‘Speicherhaus für die eingebrachte Ernte’, ahd. scuginna ‘Schuppen, Obdach’ (10. Jh.), (mit Verlust des g zwischen Vokalen) mhd. schiun(e), mnd. schǖne lassen sich mit den unter ↗Scheuer, ↗Schote, ↗Schuh, wohl auch den unter ↗Schaum (s. d.) genannten Formen und mit aind. skunā́ti ‘bedeckt’, lat. obscūrus ‘dunkel’ auf die Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‘bedecken, umhüllen’ zurückführen, zu der (ohne s-Anlaut) auch ↗Haus, ↗Haut, ↗Hort, ↗Hose (s. d.) u. a. gehören. Von dem in der Literatursprache vorherrschenden Scheune werden die landschaftlichen Wörter Scheuer (s. unten) und ↗Stadel (s. d.) zurückgedrängt. Scheuer f. ‘Scheune’ (besonders südwestd.), ahd. skiura (9. Jh.), scūra (11. Jh.), mhd. schure, schiur(e), schiuwer, asächs. houwiscūra ‘Heuschober’, mnd. schure, schǖre, afries. skūre, mnl. scūre, nl. schuur (germ. *skūra- m., *skūrijō- f.) sind Bildungen zu einem Substantiv, das sich mit r-Suffix an die oben genannte Wurzel anschließt. Daneben steht (aus asächs. skūr?) ahd. scūr (9./10. Jh.), mhd. schūr, ‘Schutz, Obdach’, nhd. Schauer4 m. ‘Schutz-, Wetterdach’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Platzregen · ↗Regenguss · ↗Regenschauer · Schauer · ↗Sturzregen · ↗Wolkenbruch · wolkenbruchartiger Regenfall  ●  ↗Dusche  ugs. · ↗Guss  ugs. · ↗Husche  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (heftig) regnen (es) · in Strömen regnen (es)  ●  Bindfäden regnen (es)  ugs. · ↗gießen (es)  ugs. · ordentlich was runterkommen (es)  ugs. · ↗pladdern (es)  ugs., norddeutsch · plästern (es)  ugs., ruhrdt. · ↗schiffen (es)  ugs. · ↗schütten (es)  ugs. · wie aus Eimern gießen (es)  ugs. · wie aus Eimern schütten (es)  ugs. · wie aus Kübeln gießen (es)  ugs. · wie aus Kübeln schütten (es)  ugs.
  • Strichregen · strichweiser Regen
  • Starkregen · heftige Regenfälle · heftiger Regen · sintflutartiger Regen(fall)
Synonymgruppe
Hafenarbeiter · Schauer · ↗Schauerleute · ↗Schauermann · ↗Stauer
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufheiterung Bewölkung Gewitter Regen Rücken Wolke Wolkenfeld abklingen abwechseln aufkommend bewölken durchrieseln ehrfürchtig einzeln eisig eiskalt gebietsweise gewittrig herunterlaufen hinunterlaufen jagen kalt kräftig niedergehen rieseln vereinzelt wohlig örtlich überkommen überlaufen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schauer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es regnete zwar an 20 Tagen, doch die Schauer waren meist schnell vorbei.
Die Welt, 02.07.2004
Da lief einem auch schon mal bei den surrealistischen Episoden ein kleiner Schauer über den Rücken.
Der Tagesspiegel, 18.01.1999
Als heute Nacht der Sturm die furchtbarsten Töne ringsum hervorbrachte, packte mich wahrhaftig ein abergläubischer Schauer.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1952. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1952], S. 247
Es geht ein Schauer von ihnen zum Bett von Franz.
Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz, Olten: Walter 1961 [1929], S. 232
Das also ist der Ruhm! dachte ich nicht ohne leisen Schauer.
Schnitzler, Arthur: Jugend in Wien, Eine Autobiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1918], S. 40070
Zitationshilfe
„Schauer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schauer#1>, abgerufen am 20.05.2019.

Weitere Informationen …

Dieser Artikel ist nicht auf dem aktuellen Stand. Er wird im Rahmen des DWDS-Projekts von der Redaktion überarbeitet.

Schauer, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungSchau-er (computergeneriert)
GrundformSchauermann
Wortbildung mit ›Schauer‹ als Erstglied: ↗Schauerleute · ↗Schauermann
eWDG, 1974

Bedeutung

Seemannssprache
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schauen · Schau · Schauer1 · anschauen · anschaulich · veranschaulichen · Anschauung · beschauen · Beschauer · beschaulich · zuschauen · Zuschauer · Schaufenster · Schauplatz · Schauspiel · Schauspieler · schauspielern
schauen Vb. ‘den Blick auf etw. richten, betrachten, achtgeben, sich kümmern um, innerlich erblicken, erfassen, erkennen’, ahd. scouwōn (8. Jh.), mhd. schouwen, asächs. skauwon, mnd. schouwen, schau(w)en, mnl. scouwen, nl. schouwen, afries. skāwia, skōwia, aengl. scēawian, engl. to show (germ. *skauwōn). Verwandt sind weiter (unsicheres) got. unskaus (für *usskaus?) ‘nüchtern, vorsichtig’ (d. i. -skaus ‘schauend’), griech. thyoskóos (θυοσκόος, aus *-σκοϜός) ‘Opferschauer’ sowie das unter ↗schön (s. d.) behandelte Adjektiv, auch (ablautend) anord. skoða ‘schauen, untersuchen’, schwed. skåda und (mit nord. Entwicklung zum Guttural) anord. skygn ‘scharfsehend, klug’, skygna ‘schauen, spähen’. Alle Formen lassen sich auf eine mit s- anlautende Variante ie. *skeu- der Wurzel ie. *kē̌u- ‘worauf achten, beobachten, schauen’, auch ‘hören, fühlen, merken’ (wozu ↗hören, s. d. weitere Verwandte) zurückführen. Schau f. ‘(prüfendes) Ansehen, intuitives Erleben, Erfassen, Blickpunkt, Sichtweise’, mhd. schouwe, schowe, schou ‘suchendes, prüfendes Schauen’ (erhalten in Brautschau), ‘Blick, das Anschauen, Anblick, was angesehen wird, Gestalt’ (bis ins 17. Jh. auch m.); vgl. die Wendungen zur Schau stellen, zur Schau tragen ‘öffentlich zeigen, vorführen’ (18. Jh.). In neuerer Zeit (unter dem Einfluß von engl. show) häufig in Komposita für ‘Ausstellung’ (Blumen-, Leistungs-, Moden-, Tierschau) oder für eine ‘öffentliche, auf optische Wirkung ausgerichtete Veranstaltung’ (Bühnen-, Fernseh-, Superschau). In der Folge tritt das Simplex Schau oft für aus dem Engl. entlehntes ↗Show (s. d.) ein. Schauer1 m. ‘Betrachter, Besichtiger, Prüfer’, ahd. scouwāri (um 1000), mhd. schouwære, schower ‘Betrachter, Münzprüfer, Fleischbeschauer’, frühnhd. auch ‘Seher, Prophet’. anschauen Vb. ‘ansehen, prüfend betrachten’, ahd. anascouwōn (9. Jh.), mhd. aneschouwen; anschaulich Adj. ‘leicht, optisch gut vorstellbar, bildhaft’, mhd. anschouwelich ‘in religiöse Betrachtung versunken’; veranschaulichen Vb. ‘durch Bilder, Vergleiche u. dgl. vorstellbar, deutlich machen’ (um 1800); Anschauung f. ‘das Sehen, Anblick’ (15. Jh.), ‘Betrachtungsweise, Vorstellung, Gesichtspunkt, Meinung’ (18. Jh.), ahd. anascouwunga ‘das Ausschauhalten, geistige Betrachtung’ (8. Jh.), mhd. anschouwunge ‘geistige, kontemplative Betrachtung’. beschauen Vb. ‘(prüfend, eingehend) betrachten, besehen’, ahd. biscouwōn ‘schauen, (an)sehen, berücksichtigen’ (8. Jh.), mhd. beschouwen; Beschauer m. ‘Prüfer’, ahd. biscouwāri ‘Betrachter, Beobachter’ (10. Jh.), mhd. beschouwære ‘(obrigkeitlicher) Besichtiger, Prüfer’; beschaulich Adj. ‘betrachtend, kontemplativ’, spätmhd. beschouwelich; vgl. besonders beschawlich leben (1460). zuschauen Vb. ‘den Blick auf einen Punkt richten, hin-, zusehen’ (16. Jh.); Zuschauer m. ‘wer auf etw. hinsieht, einer Vorführung zusieht’ (16. Jh.). Schaufenster n. ‘Fenster, in dem etw. zur öffentlichen Ansicht ausgestellt wird’ (19. Jh.). Schauplatz m. ‘öffentlicher Platz, auf dem Schauspiele aufgeführt werden, Theater’ (16. Jh.), ‘Platz, auf dem sich etw. abspielt, wo etw. geschieht’ (17. Jh.), vgl. Kriegsschauplatz. Schauspiel n. ‘jedes vor Zuschauern öffentlich gezeigte Spiel’, besonders ‘dramatische Dichtung und deren szenische Aufführung’ (Ende 15. Jh.), neben häufigerem Komödie, Tragödie; vom 18. Jh. an geläufig und Lustspiel und Trauerspiel ausdrücklich zusammenfassend. Schauspieler m. ‘wer in szenischen Aufführungen auftritt’ (16. Jh.), danach ‘darstellende Person auf dem Theater’, neben ↗Komödiant (s. d.), dieses jedoch vom 18. Jh. an zurückdrängend. schauspielern Vb. ‘anderen etw. vormachen, vortäuschen’ (19. Jh.).

Schauer2 · schauerlich · schaurig · schauern
Schauer2 m. ‘kurzer, heftiger Niederschlag, plötzliche Empfindung von Kälte, Angst, Entsetzen’, ahd. scūr (8. Jh.), mhd. schūr(e), schour, schoure ‘Hagel, Ungewitter’, übertragen ‘Leid, Verderben, Vernichtung’, asächs. skūr ‘Ungewitter, Sturm’, aengl. scūr ‘Ungewitter’, engl. shower und anord. skūr f., schwed. skur, got. skūra f. (in skūra windis ‘Sturmwind’), germ. *skūra lassen sich wohl wie armen. c̣urt ‘kalt, Kälte, Schauer’ als ablautende Bildungen mit lat. caurus ‘Nordwestwind’, lit. šiáurė ‘Norden’, šiaũras ‘kalt, nördlich, streng, durchdringend’ (besonders vom Wind), aslaw. sěverъ ‘Norden, Nordwind’, russ. séver (север) ‘Norden’ verbinden und auf ie. *k̑ēu̯er-, *sk̑ūr- ‘Nord(wind)’ zurückführen. Schauer im Sinne von ‘vorübergehendes Zittern des Körpers, Angst, Entsetzen’ und ‘Anfall von Fieber oder Frösteln’ wird im 17. Jh. (wohl unter Einfluß von nicht verwandtem ↗Schauder, s. d.) gebräuchlich. schauerlich Adj. schaurig Adj. (beide 17. Jh.) ‘Entsetzen erregend, fürchterlich, grausig’. schauern Vb. ‘kurz und heftig regnen, hageln, stürmen, gewittern’, spätmhd. schauren ‘heulen’ (vom Sturm), ‘zittern, frösteln’ (16. Jh.), ‘Angst, Entsetzen, Freude, Ehrfurcht empfinden’ (18. Jh.).

Schauer3 · Schauermann
Schauer3 m. Schauermann m. Plur. Schauerleute, ‘Hafenarbeiter’. Aus einem Verb fries. sjouwe (in der fries. Mundart von Hindeloopen seeuwe, gebildet zu seeuw ‘See, Meer’, s. ↗See) ‘mit Anstrengung schleppen, Lasten tragen’ (eigentlich ‘mit Last durch das Wasser, durch die See zu einem Schiff laufen’) entsteht gleichbed. nl. sjouwen. Davon abgeleitetes nl. sjouwer, sjouwerman dringt an der Nordseeküste ostwärts und ergibt nd. Schauermann ‘Hafenarbeiter für das Löschen und Laden der Schiffsfracht’, das in der 1. Hälfte des 19. Jhs. in die Literatursprache aufgenommen wird.

Scheune · Scheuer · Schauer4
Scheune f. ‘Speicherhaus für die eingebrachte Ernte’, ahd. scuginna ‘Schuppen, Obdach’ (10. Jh.), (mit Verlust des g zwischen Vokalen) mhd. schiun(e), mnd. schǖne lassen sich mit den unter ↗Scheuer, ↗Schote, ↗Schuh, wohl auch den unter ↗Schaum (s. d.) genannten Formen und mit aind. skunā́ti ‘bedeckt’, lat. obscūrus ‘dunkel’ auf die Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‘bedecken, umhüllen’ zurückführen, zu der (ohne s-Anlaut) auch ↗Haus, ↗Haut, ↗Hort, ↗Hose (s. d.) u. a. gehören. Von dem in der Literatursprache vorherrschenden Scheune werden die landschaftlichen Wörter Scheuer (s. unten) und ↗Stadel (s. d.) zurückgedrängt. Scheuer f. ‘Scheune’ (besonders südwestd.), ahd. skiura (9. Jh.), scūra (11. Jh.), mhd. schure, schiur(e), schiuwer, asächs. houwiscūra ‘Heuschober’, mnd. schure, schǖre, afries. skūre, mnl. scūre, nl. schuur (germ. *skūra- m., *skūrijō- f.) sind Bildungen zu einem Substantiv, das sich mit r-Suffix an die oben genannte Wurzel anschließt. Daneben steht (aus asächs. skūr?) ahd. scūr (9./10. Jh.), mhd. schūr, ‘Schutz, Obdach’, nhd. Schauer4 m. ‘Schutz-, Wetterdach’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Platzregen · ↗Regenguss · ↗Regenschauer · Schauer · ↗Sturzregen · ↗Wolkenbruch · wolkenbruchartiger Regenfall  ●  ↗Dusche  ugs. · ↗Guss  ugs. · ↗Husche  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (heftig) regnen (es) · in Strömen regnen (es)  ●  Bindfäden regnen (es)  ugs. · ↗gießen (es)  ugs. · ordentlich was runterkommen (es)  ugs. · ↗pladdern (es)  ugs., norddeutsch · plästern (es)  ugs., ruhrdt. · ↗schiffen (es)  ugs. · ↗schütten (es)  ugs. · wie aus Eimern gießen (es)  ugs. · wie aus Eimern schütten (es)  ugs. · wie aus Kübeln gießen (es)  ugs. · wie aus Kübeln schütten (es)  ugs.
  • Strichregen · strichweiser Regen
  • Starkregen · heftige Regenfälle · heftiger Regen · sintflutartiger Regen(fall)
Synonymgruppe
Hafenarbeiter · Schauer · ↗Schauerleute · ↗Schauermann · ↗Stauer
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufheiterung Bewölkung Gewitter Regen Rücken Wolke Wolkenfeld abklingen abwechseln aufkommend bewölken durchrieseln ehrfürchtig einzeln eisig eiskalt gebietsweise gewittrig herunterlaufen hinunterlaufen jagen kalt kräftig niedergehen rieseln vereinzelt wohlig örtlich überkommen überlaufen

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Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es regnete zwar an 20 Tagen, doch die Schauer waren meist schnell vorbei.
Die Welt, 02.07.2004
Da lief einem auch schon mal bei den surrealistischen Episoden ein kleiner Schauer über den Rücken.
Der Tagesspiegel, 18.01.1999
Als heute Nacht der Sturm die furchtbarsten Töne ringsum hervorbrachte, packte mich wahrhaftig ein abergläubischer Schauer.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1952. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1952], S. 247
Es geht ein Schauer von ihnen zum Bett von Franz.
Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz, Olten: Walter 1961 [1929], S. 232
Das also ist der Ruhm! dachte ich nicht ohne leisen Schauer.
Schnitzler, Arthur: Jugend in Wien, Eine Autobiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1918], S. 40070
Zitationshilfe
„Schauer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schauer#2>, abgerufen am 20.05.2019.

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