Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schauplatz, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schauplatzes · Nominativ Plural: Schauplätze
Aussprache 
Worttrennung Schau-platz
Wortzerlegung Schau Platz
Wortbildung  mit ›Schauplatz‹ als Letztglied: Hauptschauplatz · Kriegsschauplatz · Nebenschauplatz · Originalschauplatz

Bedeutungsübersicht+

  1. Ort, an dem etw. Bestimmtes geschieht, stattgefunden hat
    1. [bildlich] ...
    2. [gehoben, verhüllend, übertragen] ...
eWDG

Bedeutung

Ort, an dem etw. Bestimmtes geschieht, stattgefunden hat
Beispiele:
das Stadion war schon oft Schauplatz internationaler Wettkämpfe
der Schauplatz eines Verbrechens, Unglücks
die Schauplätze eines Krieges, einer Revolution
bildlich
Beispiele:
seinen Schauplatz wechseln (= den Ort seiner öffentlichen Tätigkeit, Wirksamkeit wechseln)
auf den Schauplatz treten (= in den Gesichtskreis treten) (= in der Öffentlichkeit tätig, wirksam werden)
vom Schauplatz abtreten (= aus dem Gesichtskreis verschwinden) (= sich von öffentlicher Tätigkeit, Wirksamkeit zurückziehen)
gehoben, verhüllend, übertragen
Beispiel:
vom Schauplatz (des Lebens) abtreten (= sterben)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schauen · Schau · Schauer1 · anschauen · anschaulich · veranschaulichen · Anschauung · beschauen · Beschauer · beschaulich · zuschauen · Zuschauer · Schaufenster · Schauplatz · Schauspiel · Schauspieler · schauspielern
schauen Vb. ‘den Blick auf etw. richten, betrachten, achtgeben, sich kümmern um, innerlich erblicken, erfassen, erkennen’, ahd. scouwōn (8. Jh.), mhd. schouwen, asächs. skauwon, mnd. schouwen, schau(w)en, mnl. scouwen, nl. schouwen, afries. skāwia, skōwia, aengl. scēawian, engl. to show (germ. *skauwōn). Verwandt sind weiter (unsicheres) got. unskaus (für *usskaus?) ‘nüchtern, vorsichtig’ (d. i. -skaus ‘schauend’), griech. thyoskóos (θυοσκόος, aus *-σκοϝός) ‘Opferschauer’ sowie das unter schön (s. d.) behandelte Adjektiv, auch (ablautend) anord. skoða ‘schauen, untersuchen’, schwed. skåda und (mit nord. Entwicklung zum Guttural) anord. skygn ‘scharfsehend, klug’, skygna ‘schauen, spähen’. Alle Formen lassen sich auf eine mit s- anlautende Variante ie. *skeu- der Wurzel ie. *kē̌u- ‘worauf achten, beobachten, schauen’, auch ‘hören, fühlen, merken’ (wozu hören, s. d. weitere Verwandte) zurückführen. Schau f. ‘(prüfendes) Ansehen, intuitives Erleben, Erfassen, Blickpunkt, Sichtweise’, mhd. schouwe, schowe, schou ‘suchendes, prüfendes Schauen’ (erhalten in Brautschau), ‘Blick, das Anschauen, Anblick, was angesehen wird, Gestalt’ (bis ins 17. Jh. auch m.); vgl. die Wendungen zur Schau stellen, zur Schau tragen ‘öffentlich zeigen, vorführen’ (18. Jh.). In neuerer Zeit (unter dem Einfluß von engl. show) häufig in Komposita für ‘Ausstellung’ (Blumen-, Leistungs-, Moden-, Tierschau) oder für eine ‘öffentliche, auf optische Wirkung ausgerichtete Veranstaltung’ (Bühnen-, Fernseh-, Superschau). In der Folge tritt das Simplex Schau oft für aus dem Engl. entlehntes Show (s. d.) ein. Schauer1 m. ‘Betrachter, Besichtiger, Prüfer’, ahd. scouwāri (um 1000), mhd. schouwære, schower ‘Betrachter, Münzprüfer, Fleischbeschauer’, frühnhd. auch ‘Seher, Prophet’. anschauen Vb. ‘ansehen, prüfend betrachten’, ahd. anascouwōn (9. Jh.), mhd. aneschouwen; anschaulich Adj. ‘leicht, optisch gut vorstellbar, bildhaft’, mhd. anschouwelich ‘in religiöse Betrachtung versunken’; veranschaulichen Vb. ‘durch Bilder, Vergleiche u. dgl. vorstellbar, deutlich machen’ (um 1800); Anschauung f. ‘das Sehen, Anblick’ (15. Jh.), ‘Betrachtungsweise, Vorstellung, Gesichtspunkt, Meinung’ (18. Jh.), ahd. anascouwunga ‘das Ausschauhalten, geistige Betrachtung’ (8. Jh.), mhd. anschouwunge ‘geistige, kontemplative Betrachtung’. beschauen Vb. ‘(prüfend, eingehend) betrachten, besehen’, ahd. biscouwōn ‘schauen, (an)sehen, berücksichtigen’ (8. Jh.), mhd. beschouwen; Beschauer m. ‘Prüfer’, ahd. biscouwāri ‘Betrachter, Beobachter’ (10. Jh.), mhd. beschouwære ‘(obrigkeitlicher) Besichtiger, Prüfer’; beschaulich Adj. ‘betrachtend, kontemplativ’, spätmhd. beschouwelich; vgl. besonders beschawlich leben (1460). zuschauen Vb. ‘den Blick auf einen Punkt richten, hin-, zusehen’ (16. Jh.); Zuschauer m. ‘wer auf etw. hinsieht, einer Vorführung zusieht’ (16. Jh.). Schaufenster n. ‘Fenster, in dem etw. zur öffentlichen Ansicht ausgestellt wird’ (19. Jh.). Schauplatz m. ‘öffentlicher Platz, auf dem Schauspiele aufgeführt werden, Theater’ (16. Jh.), ‘Platz, auf dem sich etw. abspielt, wo etw. geschieht’ (17. Jh.), vgl. Kriegsschauplatz. Schauspiel n. ‘jedes vor Zuschauern öffentlich gezeigte Spiel’, besonders ‘dramatische Dichtung und deren szenische Aufführung’ (Ende 15. Jh.), neben häufigerem Komödie, Tragödie; vom 18. Jh. an geläufig und Lustspiel und Trauerspiel ausdrücklich zusammenfassend. Schauspieler m. ‘wer in szenischen Aufführungen auftritt’ (16. Jh.), danach ‘darstellende Person auf dem Theater’, neben Komödiant (s. d.), dieses jedoch vom 18. Jh. an zurückdrängend. schauspielern Vb. ‘anderen etw. vormachen, vortäuschen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Situation  ●  Setting  engl. · (das) Drumherum  ugs. · Rahmen  fachspr. · Schauplatz  fachspr. · Umgebung  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
Drehort · Schauplatz  ●  Location  engl.

Typische Verbindungen zu ›Schauplatz‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schauplatz‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schauplatz‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie waren natürlich einigermaßen erleichtert, wenn diese Elemente beschlossen, den Schauplatz ihrer Tätigkeit nach Übersee zu verlegen. [Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Frankfurt a. M.: Europäische Verl.-Anst. 1957 [1955], S. 299]
Mit ihr hat sinnlich die Geschichte in den Schauplatz sich verzogen. [Benjamin, Walter: Ursprung des deutschen Trauerspiels. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.) Gesammelte Schriften, Bd. 1,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1928], S. 344]
Dabei gilt es, kreuz und quer durch die Schauplätze zu springen. [C't, 1999, Nr. 25]
Dennoch ist es, als hätte sich der Schauplatz mit den künstlichen Bildern infiziert. [Die Zeit, 12.08.1999, Nr. 33]
Wer, wenn nicht sie, stellt den verschönten Schauplatz in ein fahles Licht? [Benjamin, Walter: Goethes Wahlverwandtschaften. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.) Gesammelte Schriften, Bd. 1,2, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1925], S. 124]
Zitationshilfe
„Schauplatz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schauplatz>.

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