Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schauspiel, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Schauspiels · Nominativ Plural: Schauspiele
Aussprache 
Worttrennung Schau-spiel
Wortzerlegung schauen Spiel
Wortbildung  mit ›Schauspiel‹ als Erstglied: Schauspielbühne · Schauspieldirektor · Schauspielführer · Schauspielhaus · Schauspielkunst · Schauspielregisseur
 ·  mit ›Schauspiel‹ als Letztglied: Naturschauspiel
eWDG

Bedeutungen

1.
dramatische Kunstform, in der die Handlung unmittelbar gegenwärtig durch die Darstellung auf der Bühne zur Anschauung gebracht wird
Beispiele:
ein Schauspiel schreiben, verfassen, inszenieren, aufführen, spielen
ein geistreiches, modernes, klassisches, romantisches, historisches, revolutionäres Schauspiel
der Held, Konflikt, die Dialoge des Schauspiels
die Gliederung des Schauspiels in Akte und Szenen
2.
ernstes Bühnenstück mit einer für den Helden günstigen Lösung der gestalteten Konflikte
Beispiele:
das Schauspiel steht zwischen dem Lustspiel und dem Trauerspiel
Lessings ›Nathan‹ und Goethes ›Iphigenie‹ sind Schauspiele
3.
übertragen eindrucksvoller Anblick, beeindruckende Szene
Beispiele:
ein ergötzliches, einmaliges, herrliches, großartiges, phantastisches Schauspiel
das Schauspiel der langsam im Meer versinkenden Sonne
bei Gewitter pflegte sie ans Fenster zu treten und sich [Dativ] das Schauspiel anzusehen
abwertendjmd. gibt, bietet (jmdm.) ein abgeschmacktes, unerfreuliches, klägliches Schauspiel
abwertender wollte den Anwesenden nicht das Schauspiel eines Streites mit seiner Frau geben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schauen · Schau · Schauer1 · anschauen · anschaulich · veranschaulichen · Anschauung · beschauen · Beschauer · beschaulich · zuschauen · Zuschauer · Schaufenster · Schauplatz · Schauspiel · Schauspieler · schauspielern
schauen Vb. ‘den Blick auf etw. richten, betrachten, achtgeben, sich kümmern um, innerlich erblicken, erfassen, erkennen’, ahd. scouwōn (8. Jh.), mhd. schouwen, asächs. skauwon, mnd. schouwen, schau(w)en, mnl. scouwen, nl. schouwen, afries. skāwia, skōwia, aengl. scēawian, engl. to show (germ. *skauwōn). Verwandt sind weiter (unsicheres) got. unskaus (für *usskaus?) ‘nüchtern, vorsichtig’ (d. i. -skaus ‘schauend’), griech. thyoskóos (θυοσκόος, aus *-σκοϝός) ‘Opferschauer’ sowie das unter schön (s. d.) behandelte Adjektiv, auch (ablautend) anord. skoða ‘schauen, untersuchen’, schwed. skåda und (mit nord. Entwicklung zum Guttural) anord. skygn ‘scharfsehend, klug’, skygna ‘schauen, spähen’. Alle Formen lassen sich auf eine mit s- anlautende Variante ie. *skeu- der Wurzel ie. *kē̌u- ‘worauf achten, beobachten, schauen’, auch ‘hören, fühlen, merken’ (wozu hören, s. d. weitere Verwandte) zurückführen. Schau f. ‘(prüfendes) Ansehen, intuitives Erleben, Erfassen, Blickpunkt, Sichtweise’, mhd. schouwe, schowe, schou ‘suchendes, prüfendes Schauen’ (erhalten in Brautschau), ‘Blick, das Anschauen, Anblick, was angesehen wird, Gestalt’ (bis ins 17. Jh. auch m.); vgl. die Wendungen zur Schau stellen, zur Schau tragen ‘öffentlich zeigen, vorführen’ (18. Jh.). In neuerer Zeit (unter dem Einfluß von engl. show) häufig in Komposita für ‘Ausstellung’ (Blumen-, Leistungs-, Moden-, Tierschau) oder für eine ‘öffentliche, auf optische Wirkung ausgerichtete Veranstaltung’ (Bühnen-, Fernseh-, Superschau). In der Folge tritt das Simplex Schau oft für aus dem Engl. entlehntes Show (s. d.) ein. Schauer1 m. ‘Betrachter, Besichtiger, Prüfer’, ahd. scouwāri (um 1000), mhd. schouwære, schower ‘Betrachter, Münzprüfer, Fleischbeschauer’, frühnhd. auch ‘Seher, Prophet’. anschauen Vb. ‘ansehen, prüfend betrachten’, ahd. anascouwōn (9. Jh.), mhd. aneschouwen; anschaulich Adj. ‘leicht, optisch gut vorstellbar, bildhaft’, mhd. anschouwelich ‘in religiöse Betrachtung versunken’; veranschaulichen Vb. ‘durch Bilder, Vergleiche u. dgl. vorstellbar, deutlich machen’ (um 1800); Anschauung f. ‘das Sehen, Anblick’ (15. Jh.), ‘Betrachtungsweise, Vorstellung, Gesichtspunkt, Meinung’ (18. Jh.), ahd. anascouwunga ‘das Ausschauhalten, geistige Betrachtung’ (8. Jh.), mhd. anschouwunge ‘geistige, kontemplative Betrachtung’. beschauen Vb. ‘(prüfend, eingehend) betrachten, besehen’, ahd. biscouwōn ‘schauen, (an)sehen, berücksichtigen’ (8. Jh.), mhd. beschouwen; Beschauer m. ‘Prüfer’, ahd. biscouwāri ‘Betrachter, Beobachter’ (10. Jh.), mhd. beschouwære ‘(obrigkeitlicher) Besichtiger, Prüfer’; beschaulich Adj. ‘betrachtend, kontemplativ’, spätmhd. beschouwelich; vgl. besonders beschawlich leben (1460). zuschauen Vb. ‘den Blick auf einen Punkt richten, hin-, zusehen’ (16. Jh.); Zuschauer m. ‘wer auf etw. hinsieht, einer Vorführung zusieht’ (16. Jh.). Schaufenster n. ‘Fenster, in dem etw. zur öffentlichen Ansicht ausgestellt wird’ (19. Jh.). Schauplatz m. ‘öffentlicher Platz, auf dem Schauspiele aufgeführt werden, Theater’ (16. Jh.), ‘Platz, auf dem sich etw. abspielt, wo etw. geschieht’ (17. Jh.), vgl. Kriegsschauplatz. Schauspiel n. ‘jedes vor Zuschauern öffentlich gezeigte Spiel’, besonders ‘dramatische Dichtung und deren szenische Aufführung’ (Ende 15. Jh.), neben häufigerem Komödie, Tragödie; vom 18. Jh. an geläufig und Lustspiel und Trauerspiel ausdrücklich zusammenfassend. Schauspieler m. ‘wer in szenischen Aufführungen auftritt’ (16. Jh.), danach ‘darstellende Person auf dem Theater’, neben Komödiant (s. d.), dieses jedoch vom 18. Jh. an zurückdrängend. schauspielern Vb. ‘anderen etw. vormachen, vortäuschen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Schauspiel · Spektakel
Synonymgruppe
Bühnenstück · Repertoirestück · Schauspiel · Spiel · Stück · Theaterstück  ●  Drama  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Darstellung · Imitation · Maskerade · Mime · Schauspiel · Verkörperung
Assoziationen
Synonymgruppe
Schauspiel  ●  Theater (Gattung)  Hauptform
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Schauspiel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schauspiel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schauspiel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gleichzeitig sah man das Schauspiel auch an anderen Türmen der Stadt. [Welt und Wissen, 1929, Nr. 3, Bd. 18]
Nach fast zwanzig Tagen erlebte ich nun ein recht interessantes Schauspiel. [Welt und Wissen, 1927, Nr. 2, Bd. 16]
Das Schauspiel ging erst gegen vier Uhr morgens zu Ende. [Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 468]
Auch das Schauspiel bleibt Spiel, d.h. es hat die Struktur des Spiels, eine in sich geschlossene Welt zu sein. [Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 97]
Der grauhaarige Alte mit dem verschmitzten Grinsen beginnt sein Schauspiel. [Die Zeit, 02.07.1998, Nr. 28]
Zitationshilfe
„Schauspiel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schauspiel>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Schauseite
Schausammlung
Schaurigkeit
Schauraum
Schauprozess
Schauspielbühne
Schauspieldirektor
Schauspieler
Schauspielerbande
Schauspielerbegabung