Schelle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schelle · Nominativ Plural: Schellen
Aussprache
WorttrennungSchel-le (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Schelle‹ als Erstglied: ↗Schellenbaum · ↗Schellendaus · ↗Schellengeklingel · ↗Schellengeläut · ↗Schellengeläute · ↗Schellenkappe · ↗Schellenklang · ↗Schellenknopf · ↗Schellenkönig · ↗Schellenober · ↗Schellentrommel · ↗Schellenunter
 ·  mit ›Schelle‹ als Letztglied: ↗Kuhschelle · ↗Küchenschelle · ↗Maulschelle · ↗Narrenschelle · ↗Schlittenschelle
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
kugeliges metallenes Glöckchen mit schlitzartigen Öffnungen, das blechern hell klingt, wenn es geschüttelt wird
Beispiele:
Die Narrenkappe schwingen, sodass die Schellen an ihr klingen
wir hörten die Schellen eines vorbeijagenden Pferdeschlittens
der Lärm von Becken, Schellen und Trompeten
2.
landschaftlich kleine, meist von der Hand bewegte Glocke
Beispiele:
der Eisverkäufer, Straßenhändler schwingt seine Schelle, um Kunden anzulocken
Der Florentiner hatte auf allen Plätzen mit der Schelle verkündigen lassen [C. F. MeyerHochzeit d. Mönchs3,248]
»Grausam und falsch ist deine Rede ... nicht besser als eine klingende Schelle ...« [Th. MannJoseph2,469]
übertragen
Beispiel:
der Katze die Schelle umhängen (= für andere eine heikle Aufgabe übernehmen)
3.
landschaftlich (elektrische) Klingel, besonders an der Haustür, Wohnungstür
Beispiele:
die Schelle geht, schlägt an
die Schelle läuten, ziehen
4.
nur im Plural, ohne Artikel
durch 1 gekennzeichnete Farbe der deutschen Spielkarten
Beispiele:
ich spiele Schellen
Schellen ausspielen, zugeben
5.
landschaftlich, umgangssprachlich Ohrfeige
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schelle1 · Schellenkappe · Schellenbaum · schellen · Schelle2 · Maulschelle
Schelle1 f. ‘Glöckchen, Klingel’, ahd. skella (11. Jh.), mhd. mnd. schelle, mnl. scelle, nl. schel (germ. *skellō f.) steht als Verbalsubstantiv zu dem im 17. Jh. untergegangenen starken Verb ahd. skellan ‘tönen, lärmen, schallen, klingen’ (um 1000; vgl. irskellan ‘ertönen, erklingen’, 9. Jh.), mhd. mnd. frühnhd. schellen, mnl. scellen, anord. skjalla (germ. *skellan). Daneben begegnet ein (im Nhd. ebenfalls untergegangenes) Kausativum ahd. skellen (um 1000), mhd. frühnhd. schellen ‘erklingen lassen’, aengl. scillan, anord. skella (germ. *skaljan). Das starke und das schwache Verb sind im Dt. jedoch bewahrt in der Präfixbildung ↗zerschellen (s. d.). Nächstverwandt ist ↗Schall (s. d.). Außergerm. läßt sich vielleicht russ. (mundartlich) skólit’ (сколить) ‘winseln, heulen’ (von Hund und Wolf) heranziehen. Es handelt sich offensichtlich um schallnachahmende Bildungen, die an ie. *skel- (wozu auch ↗schelten, s. d.), eine mit s- anlautende Variante der Wurzel ie. *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. ↗hell), angeschlossen werden können. Schellenkappe f. ‘mit Glöckchen besetzte Narrenkappe’ (18. Jh.). Schellenbaum m. auf die Janitscharenmusik zurückgehendes Musikinstrument, dessen Querstangen mit Schellen (Glöckchen) bestückt sind (19. Jh.), heute Repräsentationszeichen der Militärmusik. schellen Vb. ‘klingeln, läuten’, Neubildung (17. Jh.) zum Substantiv (s. oben). Schelle2 f. ‘Schlag ins Gesicht, Ohrfeige’ (18. Jh.), gekürzt aus älterem gleichbed. Maulschelle f. (16. Jh.), eigentlich ‘schallender Schlag aufs Maul’, gebildet zu frühnhd. schellen ‘schallen, klingen’ (s. oben).

Schelle3 · Handschelle
Schelle3 f. ‘ringförmige (Metall)fessel’ (Anfang 17. Jh.), Handschelle f. (18. Jh.), in der Handwerkersprache ‘Befestigungsriegel, -bügel, ringförmige Klammer’. Vielleicht ist anzuknüpfen an ahd. fuoʒscal ‘Riegel’ (um 800), dessen Grundwort, ausgehend von einer Bedeutung ‘abgespaltener Pfahl, Pflock’, zu der unter ↗Schale, ↗Schale (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *(s)kel- ‘schneiden’ gestellt werden kann.

Thesaurus

Synonymgruppe
Glocke · ↗Klingel · Läute · Schelle
Unterbegriffe
  • Fahrradglocke · Fahrradklingel · Fahrradschelle
Assoziationen
Synonymgruppe
Clipschelle · ↗Klemme · Schelle · Taschenklemme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Becken Bein Erz Glocke Hals Klang Klapper Narrenkappe Pauke Rassel Triangel Trommel Zimbel anbringen anhängen befestigen behängen golden hangen klingeln klingend schütteln tönend umhängen verpassen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schelle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schon früh am Morgen klingen Tausende kleine Schellen durch die Straßen der nordafghanischen Stadt.
Die Welt, 24.12.2003
Nun hängt es ihm wie eine Schelle um den Hals für den Rest seines Lebens.
Die Zeit, 29.09.1972, Nr. 39
Sie rissen die Schelle ab, schrien laut, hämmerten gegen das schmiedeeiserne Tor.
Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 57
Die Mäuse beschließen, der Katze, um von ihr nicht beschlichen zu werden, eine Schelle umzuhängen.
Röhrich, Lutz: Katze. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 23079
In Mozarts Drei deutschen Tänzen von 1791 sind dagegen abgestimmte Schellen vorgeschrieben.
Günther, Robert u. a.: Schlaginstrumente. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 9293
Zitationshilfe
„Schelle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schelle#1>, abgerufen am 16.10.2019.

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Schelle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schelle · Nominativ Plural: Schellen
Aussprache
WorttrennungSchel-le (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Schelle‹ als Letztglied: ↗Halteschelle · ↗Handschelle · ↗Rohrschelle
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Technik Ring, Klammer, Bügel, besonders zur Befestigung, Abdichtung von Leitungen, Rohren
Beispiel:
die Schellen um das Gasrohr fest verschrauben
2.
stählerne, verschließbare Fessel um die Handgelenke, Fußgelenke
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schelle1 · Schellenkappe · Schellenbaum · schellen · Schelle2 · Maulschelle
Schelle1 f. ‘Glöckchen, Klingel’, ahd. skella (11. Jh.), mhd. mnd. schelle, mnl. scelle, nl. schel (germ. *skellō f.) steht als Verbalsubstantiv zu dem im 17. Jh. untergegangenen starken Verb ahd. skellan ‘tönen, lärmen, schallen, klingen’ (um 1000; vgl. irskellan ‘ertönen, erklingen’, 9. Jh.), mhd. mnd. frühnhd. schellen, mnl. scellen, anord. skjalla (germ. *skellan). Daneben begegnet ein (im Nhd. ebenfalls untergegangenes) Kausativum ahd. skellen (um 1000), mhd. frühnhd. schellen ‘erklingen lassen’, aengl. scillan, anord. skella (germ. *skaljan). Das starke und das schwache Verb sind im Dt. jedoch bewahrt in der Präfixbildung ↗zerschellen (s. d.). Nächstverwandt ist ↗Schall (s. d.). Außergerm. läßt sich vielleicht russ. (mundartlich) skólit’ (сколить) ‘winseln, heulen’ (von Hund und Wolf) heranziehen. Es handelt sich offensichtlich um schallnachahmende Bildungen, die an ie. *skel- (wozu auch ↗schelten, s. d.), eine mit s- anlautende Variante der Wurzel ie. *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. ↗hell), angeschlossen werden können. Schellenkappe f. ‘mit Glöckchen besetzte Narrenkappe’ (18. Jh.). Schellenbaum m. auf die Janitscharenmusik zurückgehendes Musikinstrument, dessen Querstangen mit Schellen (Glöckchen) bestückt sind (19. Jh.), heute Repräsentationszeichen der Militärmusik. schellen Vb. ‘klingeln, läuten’, Neubildung (17. Jh.) zum Substantiv (s. oben). Schelle2 f. ‘Schlag ins Gesicht, Ohrfeige’ (18. Jh.), gekürzt aus älterem gleichbed. Maulschelle f. (16. Jh.), eigentlich ‘schallender Schlag aufs Maul’, gebildet zu frühnhd. schellen ‘schallen, klingen’ (s. oben).

Schelle3 · Handschelle
Schelle3 f. ‘ringförmige (Metall)fessel’ (Anfang 17. Jh.), Handschelle f. (18. Jh.), in der Handwerkersprache ‘Befestigungsriegel, -bügel, ringförmige Klammer’. Vielleicht ist anzuknüpfen an ahd. fuoʒscal ‘Riegel’ (um 800), dessen Grundwort, ausgehend von einer Bedeutung ‘abgespaltener Pfahl, Pflock’, zu der unter ↗Schale, ↗Schale (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *(s)kel- ‘schneiden’ gestellt werden kann.

Thesaurus

Synonymgruppe
Glocke · ↗Klingel · Läute · Schelle
Unterbegriffe
  • Fahrradglocke · Fahrradklingel · Fahrradschelle
Assoziationen
Synonymgruppe
Clipschelle · ↗Klemme · Schelle · Taschenklemme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Becken Bein Erz Glocke Hals Klang Klapper Narrenkappe Pauke Rassel Triangel Trommel Zimbel anbringen anhängen befestigen behängen golden hangen klingeln klingend schütteln tönend umhängen verpassen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schelle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schon früh am Morgen klingen Tausende kleine Schellen durch die Straßen der nordafghanischen Stadt.
Die Welt, 24.12.2003
Nun hängt es ihm wie eine Schelle um den Hals für den Rest seines Lebens.
Die Zeit, 29.09.1972, Nr. 39
Sie rissen die Schelle ab, schrien laut, hämmerten gegen das schmiedeeiserne Tor.
Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 57
Die Mäuse beschließen, der Katze, um von ihr nicht beschlichen zu werden, eine Schelle umzuhängen.
Röhrich, Lutz: Katze. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 23079
In Mozarts Drei deutschen Tänzen von 1791 sind dagegen abgestimmte Schellen vorgeschrieben.
Günther, Robert u. a.: Schlaginstrumente. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 9293
Zitationshilfe
„Schelle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schelle#2>, abgerufen am 16.10.2019.

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