Schelm, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schelm(e)s · Nominativ Plural: Schelme
Aussprache
Wortbildung mit ›Schelm‹ als Erstglied: ↗Schelmengeschichte · ↗Schelmenroman · ↗Schelmenstreich · ↗Schelmenstück · ↗schelmenhaft
 ·  mit ›Schelm‹ als Letztglied: ↗Erzschelm
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
zu Scherz, Neckerei, lustigen und mutwilligen Streichen aufgelegter Mensch, Schalk, Spaßvogel
Beispiele:
der alte Parkwächter ist als Schelm bekannt
Sie ist ein Schelm; ich muß sehen, daß sie Respekt vor mir bekommt [FrenssenBaas466]
vertraulich Schlingel, Frechdachs
Beispiel:
du bist schon ein rechter kleiner Schelm
bildlich
Beispiele:
in jmds. Augen sitzt der Schelm (= jmd. ist zu lustigen, mutwilligen Streichen aufgelegt, ist übermütig)
der Schelm sieht jmdm. aus den Augen
den Schelm im Nacken (sitzen) haben
2.
veraltet ehrloser, unehrlicher Mensch, Betrüger, Dieb
Beispiele:
ein verlogener, zungenfertiger Schelm
Ein Schelm gibt mehr, als er hat [FontaneStechlin5,293]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schelm · schelmisch · Schelmenstreich
Schelm m. ‘Spaßvogel, schalkhaftes Kind, Schlingel’. Ahd. scalmo (9. Jh.), scalm (11. Jh.), skelmo (Hs. 12. Jh.), mhd. schalm(e), schelm(e) ‘Pest, Seuche’ nimmt in mhd. Zeit auch die Bedeutung ‘toter Körper, Aas’ an, entwickelt sich von da aus zum Schimpfwort im Sinne von ‘Bösewicht, Schurke, Betrüger, Dieb, Verräter’ und zum Beinamen des als unehrbar geltenden Scharfrichters und Schinders; vgl. noch Ende 18. Jh.: dein Vater ist zum Schelm (‘Verräter’) an mir geworden (Schiller). Im 17. Jh. beginnt diese pejorative Bedeutung sich zu ‘armer Kerl, bemitleidenswerter Mensch’ und dann zu ‘loser, neckischer Mensch’ abzuschwächen, und Schelm kann sogar den Charakter eines Kosewortes erhalten (vgl. kleiner Schelm, 18. Jh.). Die Herkunft des nur im Dt. auftretenden Substantivs (anord. skelmir ‘Teufel’ und die entsprechenden nl. schwed. dän. norw. Formen sind Entlehnungen aus mnd. schelm) ist ungewiß; Anschluß (mit Nasalsuffix) an die Wurzel ie. *(s)kel- ‘schneiden’ (s. ↗Schale, ↗Schale, ↗Schild) stößt auf semantische Schwierigkeiten. schelmisch Adj. ‘fröhlich, neckisch, zu Schabernack bereit’ (18. Jh.), älter ‘abgestorben, tot, schurkisch, betrügerisch’ (16. Jh.), ‘ansteckend’ (15. Jh.); vgl. voraufgehendes mhd. schelmec, schelmic ‘pestisch, verpestet (von gefallenen Tieren), an einer Seuche leidend’, frühnhd. schelmig. Schelmenstreich m. ‘lustiger Streich, Schabernack’, zuvor ‘Diebes-, Schurkentat’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bengel · ↗Flegel · ↗Frechling · ↗Lausbub · ↗Lausbube · ↗Lausebengel · Schelm · ↗Schlingel · ↗Strolch  ●  ↗Fratz  süddt. · ↗Lorbass  ostpreußisch · ↗Range  veraltet · ↗Bazi  ugs., österr., bair. · ↗Dreikäsehoch  ugs. · ↗Frechdachs  ugs. · Frechmops  ugs. · ↗Früchtchen  ugs. · ↗Knilch  ugs. · ↗Lauser  ugs. · ↗Lümmel  ugs., veraltend · ↗Pülcher  ugs., österr. · ↗Racker  ugs. · ↗Rotzbengel  ugs. · Rotzblag  ugs., ruhrdt. · Rotzbubi  ugs. · ↗Rotzgöre  ugs. · ↗Rotzjunge  ugs. · ↗Rotzlöffel  ugs. · ↗Rotznase  ugs. · Schliffel  ugs., veraltet, altbairisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Clown · ↗Harlekin · ↗Hofnarr · ↗Kasper · ↗Komiker · ↗Narr · ↗Possenreißer · ↗Schalk · Schelm · ↗Schäker · Schäkerer · ↗Ulknudel  ●  ↗Faxenmacher  ugs. · ↗Scherzbold  ugs. · ↗Scherzkeks  ugs. · Spaßkanone  ugs. · ↗Spaßmacher  ugs. · ↗Spaßvogel  ugs., Hauptform · ↗Vokativus  geh., veraltet, lat. · ↗Witzbold  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Berg Dichter Dieb Held Maske Narr Schelm arg arm göttlich listig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schelm‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manchmal ist er auch ein kleiner Schelm und wählt nicht den kürzesten Weg.
Die Zeit, 18.10.2012, Nr. 43
Wer riet euch, ihr armen Schelme, die Finger in solch einen Handel zu stecken?
Perutz, Leo: Die dritte Kugel, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988 [1915], S. 376
Einige Schelme konnten Stücke vortragen, die sie gelernt hatten, oder aus der Luft griffen.
Frenssen, Gustav: Peter Moors Fahrt nach Südwest, Berlin: Grote 1920 [1906], S. 13
Sie werden jedoch noch übertroffen durch die Oper Ero der Schelm.
Cvetko, Dragotin: Gotovac. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1956], S. 29850
Mesic hingegen profitiert von seinem Image als volksnaher Held und geistreicher Schelm.
Die Welt, 07.02.2000
Zitationshilfe
„Schelm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schelm>, abgerufen am 08.12.2019.

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