Scherbengericht, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungScher-ben-ge-richt (computergeneriert)
WortzerlegungScherbeGericht2
eWDG, 1974

Bedeutung

veraltend harte Abrechnung, strenge Verurteilung, vernichtendes Urteil
Beispiel:
In der preußischen Richtervereinigung / […] beschloß man, / Zwecks radikaler Bereinigung, / Ein Scherbengericht gegen Großmann [WeinertZwischensp.266]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scherbe · Scherbengericht
Scherbe f. ‘Stück zerschlagenes Geschirr, Bruchstück’, ahd. skirbī(n) f. (9. Jh.), mhd. schirbe, scherbe m. f., schirben f. ‘Stück zerschlagenes Geschirr, Topf’, asächs. haƀanskerƀin n. ‘Topfscherbe’, mnd. scherve f., scherven n. ‘Scherbe’, mnl. scerf, sceerf m. n., scerve f. ‘Bruchstück, Brocken, Topf, Münzstückchen’, nl. scherf sind verwandt mit mnd. scharf ‘Scherbe’, mnl. scarf m. n. ‘Bruchstück, Brocken, Topf, Münze’, anord. skarfr ‘schräg abgehauenes Balkenende’ und ahd. scarbōn ‘zerschneiden, zerstückeln’ (10. Jh.), aengl. (ge)sceorfan, (ge)scearfian ‘abschneiden, kratzen, zerfetzen’ (germ. *skarbōn) sowie den unter ↗Scherflein (s. d.) behandelten Formen. Außergerm. vergleichen sich aind. karparaḥ ‘Schale, Topf’, auch ‘Hirnschale’, griech. karpós (χαρπός) ‘Frucht, Feldfrucht, Ertrag’ (s. ↗Herbst), lat. carpere ‘rupfen, (ab)pflücken, zerteilen’, kslaw. črěpъ, črěpica ‘Scherbe, irdenes Gefäß, Schale’, russ. čérep (череп) ‘Schädel, Schale (besonders der Schaltiere)’. Zugrunde liegt ie. *(s)kerp-, *(s)krep-, eine Labialerweiterung (s. auch verwandtes ↗scharf) der Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’ (s. ↗scheren). Als Ausgangsbedeutung ergibt sich ‘scharf schneidend’. Scherbengericht n. (18. Jh.), Übersetzung von griech. ostrakismós (ὀστρακισμός) im antiken Athen ‘öffentliche Abstimmung, Verurteilung durch Scherben bzw. Tontäfelchen’, auf denen der Name jener Bürger geschrieben war, von denen man glaubte, daß ihr hohes Ansehen die Demokratie gefährden könne, und die darum aus der Stadt zu verweisen seien; zu griech. óstrakon (ὄστρακον) ‘Scherbe, irdenes Gefäß, Schale’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

abhalten tagen veranstalten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Scherbengericht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sein Gutachten ist ein Scherbengericht für die Regierung in Tel Aviv.
Süddeutsche Zeitung, 10.07.2004
Hier geht es mir, wie man sieht, nicht um ein Scherbengericht.
Der Spiegel, 16.05.1983
Ein solches Scherbengericht hatten sie noch nie über sich ergehen lassen müssen.
Die Zeit, 20.04.1973, Nr. 17
In welcher Funktion sie das erwartete Scherbengericht jedoch verlassen wird, weiß sie selbst nicht.
Die Welt, 25.09.2002
Aber wenn je, so war hier der Anlaß gegeben, zu dem altbewährten Mittel des Scherbengerichtes zu greifen.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,2. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 11438
Zitationshilfe
„Scherbengericht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Scherbengericht>, abgerufen am 25.04.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Scherben
scherbeln
Scherbe
Scherbaum
Scher
scherbengespickt
Scherbenhaufen
Scherbenkobalt
Scherbett
Scherblatt