Scherge, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schergen · Nominativ Plural: Schergen
Aussprache
WorttrennungScher-ge
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
gehoben, abwertend Person, die unter Anwendung von Gewalt die Aufträge besonders einer politischen Macht vollstreckt, Büttel, Häscher, Handlanger
Beispiele:
den Schergen in die Hände fallen, entkommen
vor den Schergen fliehen
[er war] von einem Schergen der Wachmannschaft zerschlagen [JohoinHammer u. Feder225]
Man mußte ein Sprachrohr haben, das vor den Schergen (= Spitzeln) des Preußenkönigs sicher war [VictorSchriften3, 503]
2.
veraltet Gerichtsdiener
Beispiel:
unter den erzürnten Richtern, die zugleich den Schergen und den Profoß spielten [CramerKonzessionen70]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scherge m. ‘Gerichtsdiener, Henker, Denunziant’, ahd. skerio ‘Anführer einer Schar, Scharmeister’ (8. Jh.), mhd. scherge, scherje ‘Gerichtsdiener, -bote, Büttel, Henkersknecht’, seit dem 13. Jh. bair.-öst. Bezeichnung für die Gerichtsbeamten vom Amtsvorsteher bis zum Henker, später (16. Jh.) auch Schimpfwort, ist Nomen agentis (jan-Ableitung) zu ahd. scara ‘Heeresabteilung’ (s. ↗Schar). Durch Übergang von j nach r in g entsteht nhd. Scherge (wie entsprechend bei Ferge, s. ↗Fähre).

Thesaurus

Synonymgruppe
Büttel · Scherge · käuflicher Verräter  ●  ↗Fänger  veraltet · ↗Häscher  veraltet · ↗Henkersknecht  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Komplize · ↗Kumpan · Scherge · ↗Spießgeselle  ●  und Konsorten  abwertend
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Apartheid Büttel Diktator Diktatur Gestapo Machthaber Militärdiktatur NS-Diktatur Regime abholen arg ausliefern bewaffnet braun brutal entgehen entkommen ermorden erschießen foltern hinrichten nationalsozialistisch römisch schleppen serbisch umbringen verhaften verschleppen vertreiben übel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Scherge‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Schergen folterten ihn nicht, die Haft währte meist nur kurze Zeit.
Süddeutsche Zeitung, 08.06.2002
Z. aber „wollte es wissen“ und die Schergen zwingen, Farbe zu bekennen.
Die Zeit, 26.07.1956, Nr. 30
Sie befinden sich mit den anonymen Schergen diesseits der Schattenlinie.
Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 91
Im Wechsel der päpstlichen Politik nach Frankreich hin wurde er im Heiligen Jahr 1500 durch Schergen Cesares im vatikanischen Palast umgebracht.
o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 21278
Aber dies schloß ihren Schergen die Tore; und auch anderswo begann jetzt das Gewissen zu schlagen über die Vergreifung am nationalen Tempelgut.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. V. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 12347
Zitationshilfe
„Scherge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Scherge>, abgerufen am 16.02.2019.

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