Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Scheu, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Scheu · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Scheu‹ als Letztglied: Arbeitsscheu · Ehescheu · Kontaktscheu · Lichtscheu · Menschenscheu · Risikoscheu · Wasserscheu · Weiberscheu · Öffentlichkeitsscheu
eWDG

Bedeutung

von Menschen   durch Furcht, Schüchternheit, Scham bedingtes banges Gefühl, das einen von etw., jmdm. fernhält, zurückhält
Beispiele:
eine achtungsvolle, abergläubische, anerzogene, angeborene, ehrfurchtsvolle, geheime, kindische, kindliche, merkwürdige, törichte, unerklärliche, uneingestandene Scheu
vor etw., jmdm. Scheu empfinden, haben
(keine) Scheu zeigen
etw., jmd. flößt jmdm. Scheu ein
seine Scheu unterdrücken
bald hatte er seine anfängliche, erste Scheu abgelegt, überwunden
wo es zu helfen gilt, da ist falsche Scheu fehl am Platze
aus, vor Scheu etw. unterlassen, nicht tun
jmdn. ohne Scheu anblicken
ohne Scheu anzügliche Witze erzählen
Scheu vor der Übernahme einer Aufgabe, eines Amtes
Mit einer heiligen Scheu (= Ehrfurcht) trat ich bei ihr ein [ RennKindheit199]
von Tieren   Anlage, die Nähe des Menschen zu meiden und sofort zu fliehen
Beispiele:
die Tiere kamen ohne Scheu und ließen sich füttern
die Tiere des Tierparks haben keine Scheu vor dem Menschen
Das Tier verliert viel von seiner Scheu und wird … zahmer [ Urania1968]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheu · Scheu · scheuen · Scheusal
scheu Adj. ‘schüchtern, zurückhaltend, furchtsam’. Mhd. schiech, schiehe, schie ‘verzagt, abschreckend, häßlich’ (noch obd. mundartlich schiech, s. d.), aengl. scēoh, engl. shy und (mit Ablaut und grammatischem Wechsel von h und g) mnd. schǖ(we), schügge, schūwe, mnl. scū, scou, nl. schuw, schwed. skygg führen auf germ. *skeuhwa-, *skūhwa-, *skugwa-. Setzt man danach ie. *skeuk- ‘gehetzt’ an, so kann dies als eine Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *skē̌u- ‘werfen, schießen, stoßen’ (wozu auch schieben und schießen, s. d.) angesehen werden. Die heutige Form scheu (vgl. schew, scheuch bei Luther, schüch im 15. Jh.) hat sich lautlich an das Verb scheuen (s. unten) angelehnt. Scheu f. ‘Schüchternheit, (furchtsame) Zurückhaltung’, mhd. schiuhe ‘(Ab)scheu, Schreckbild’, frühnhd. Schew (Luther; noch Scheue im 18. Jh.), mnd. schǖwe, schū(w)e. S. dazu Abscheu, abscheulich. scheuen Vb. ‘zurückfahren, stutzen’, auch transitiv ‘aus Bangigkeit zu vermeiden suchen’ und reflexiv ‘Furcht, Widerwillen empfinden, sich zurückhalten’, ahd. skiuhen ‘sich entsetzen, meiden’ (8. Jh.), mhd. schiuhen, schiuwen, schūen ‘scheu machen, erschrecken, meiden, sich entsetzen, scheuchen, verjagen’, mnd. schǖwen, schū(w)en, mnl. scūwen, scouwen, nl. schuwen, gebildet zum Adjektiv. Scheusal n. ‘Schreckbild, grauenerregendes Wesen’, mhd. schiuwesal, frühnhd. schusel (15. Jh.), gebildet mit dem Suffix -sal, -sel (s. d.) zum Substantiv (s. oben) in seiner frühen Bedeutung ‘Schreckbild’ oder zum Verb im Sinne von ‘(Ab)scheuerregendes’.

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
Angst · Angstgefühl · Bedenken · Bedrohungsgefühl · Befürchtung · Beklemmung · Beklommenheit · Furcht · Scheu · Sorge  ●  Bammel  ugs. · Flattermann  ugs. · Fracksausen  ugs. · Manschetten  ugs. · Muffe  ugs. · Muffensausen  ugs. · Schiss  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Scheu‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Scheu‹.

Verwendungsbeispiele für ›Scheu‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ellas Scheu vor dem Lesen erwies sich dann als unbegründet. [o. A.[Autorenkollektiv am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin]: Sozialistische Projektarbeit im Berliner Schülerladen Rote Freiheit. Frankfurt: Fischer Bücherei 1971, S. 261]
Scheu blickt er durch das Fenster auf das festliche Bild. [Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 144]
Oft haben fromme Männer um sich eine eigene Scheu verbreitet. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 3, Berlin: Aufbau-Verl. 1956, S. 410]
Dazu kommt eine ausgesprochene Scheu, sich über religiöse Fragen zu äußern, und leicht wird der Ernst ironisch überspielt. [Götting, F.: Goethe. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 16265]
Sie wissen schon vom Zuschauen her, wie man vor einer Kamera agiert, und sie kennen keine Scheu. [Die Zeit, 09.03.2000, Nr. 11]
Zitationshilfe
„Scheu“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Scheu>.

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