Scheu, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Scheu · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Scheu‹ als Letztglied: ↗Arbeitsscheu · ↗Ehescheu · ↗Kontaktscheu · ↗Lichtscheu · ↗Menschenscheu · ↗Risikoscheu · ↗Wasserscheu · ↗Weiberscheu · ↗Öffentlichkeitsscheu
eWDG, 1974

Bedeutung

von Menschen   durch Furcht, Schüchternheit, Scham bedingtes banges Gefühl, das einen von etw., jmdm. fernhält, zurückhält
Beispiele:
eine achtungsvolle, abergläubische, anerzogene, angeborene, ehrfurchtsvolle, geheime, kindische, kindliche, merkwürdige, törichte, unerklärliche, uneingestandene Scheu
vor etw., jmdm. Scheu empfinden, haben
(keine) Scheu zeigen
etw., jmd. flößt jmdm. Scheu ein
seine Scheu unterdrücken
bald hatte er seine anfängliche, erste Scheu abgelegt, überwunden
wo es zu helfen gilt, da ist falsche Scheu fehl am Platze
aus, vor Scheu etw. unterlassen, nicht tun
jmdn. ohne Scheu anblicken
ohne Scheu anzügliche Witze erzählen
Scheu vor der Übernahme einer Aufgabe, eines Amtes
Mit einer heiligen Scheu (= Ehrfurcht) trat ich bei ihr ein [RennKindheit199]
von Tieren   Anlage, die Nähe des Menschen zu meiden und sofort zu fliehen
Beispiele:
die Tiere kamen ohne Scheu und ließen sich füttern
die Tiere des Tierparks haben keine Scheu vor dem Menschen
Das Tier verliert viel von seiner Scheu und wird ... zahmer [Urania1968]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheu · Scheu · scheuen · Scheusal
scheu Adj. ‘schüchtern, zurückhaltend, furchtsam’. Mhd. schiech, schiehe, schie ‘verzagt, abschreckend, häßlich’ (noch obd. mundartlich ↗schiech, s. d.), aengl. scēoh, engl. shy und (mit Ablaut und grammatischem Wechsel von h und g) mnd. schǖ(we), schügge, schūwe, mnl. scū, scou, nl. schuw, schwed. skygg führen auf germ. *skeuhwa-, *skūhwa-, *skugwa-. Setzt man danach ie. *skeuk- ‘gehetzt’ an, so kann dies als eine Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *skē̌u- ‘werfen, schießen, stoßen’ (wozu auch ↗schieben und ↗schießen, s. d.) angesehen werden. Die heutige Form scheu (vgl. schew, scheuch bei Luther, schüch im 15. Jh.) hat sich lautlich an das Verb scheuen (s. unten) angelehnt. Scheu f. ‘Schüchternheit, (furchtsame) Zurückhaltung’, mhd. schiuhe ‘(Ab)scheu, Schreckbild’, frühnhd. Schew (Luther; noch Scheue im 18. Jh.), mnd. schǖwe, schū(w)e. S. dazu ↗Abscheu, ↗abscheulich. scheuen Vb. ‘zurückfahren, stutzen’, auch transitiv ‘aus Bangigkeit zu vermeiden suchen’ und reflexiv ‘Furcht, Widerwillen empfinden, sich zurückhalten’, ahd. skiuhen ‘sich entsetzen, meiden’ (8. Jh.), mhd. schiuhen, schiuwen, schūen ‘scheu machen, erschrecken, meiden, sich entsetzen, scheuchen, verjagen’, mnd. schǖwen, schū(w)en, mnl. scūwen, scouwen, nl. schuwen, gebildet zum Adjektiv. Scheusal n. ‘Schreckbild, grauenerregendes Wesen’, mhd. schiuwesal, frühnhd. schusel (15. Jh.), gebildet mit dem Suffix ↗-sal, ↗-sel (s. d.) zum Substantiv (s. oben) in seiner frühen Bedeutung ‘Schreckbild’ oder zum Verb im Sinne von ‘(Ab)scheuerregendes’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Angst · ↗Angstgefühl · ↗Bedenken · ↗Bedrohungsgefühl · ↗Befürchtung · ↗Beklemmung · ↗Beklommenheit · ↗Furcht · Scheu · ↗Sorge  ●  ↗Bammel  ugs. · ↗Flattermann  ugs. · ↗Fracksausen  ugs. · Manschetten  ugs. · ↗Muffe  ugs. · ↗Muffensausen  ugs. · ↗Schiss  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Berührungsangst Ehrfurcht Fremden Körperkontakt Neugier Pathos Scham Schüchternheit Tabu abergläubisch ablegen anfänglich angeboren begreiflich ehrfurchtsvoll ehrfürchtig fromm gewiss heilig instinktiv mädchenhaft natürlich schwinden tiefsitzend unerklärlich unüberwindlich verständlich Ängstlichkeit ängstlich überwinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Scheu‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Warum haben wir diese Scheu, dieses wunderschöne Lied zu singen?
Die Welt, 28.10.2005
Wirkte auch hier die Scheu, zu vorschnell zu erklären, zu deuten, zu richten?
Der Tagesspiegel, 16.04.1997
Dazu kommt eine ausgesprochene Scheu, sich über religiöse Fragen zu äußern, und leicht wird der Ernst ironisch überspielt.
Götting, F.: Goethe. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 16265
Schon empfinde ich selber auch gar keine Scheu mehr vor den Gräbern.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 257
Doch mit herkömmlicher Scheu wird er überall der Vater aller Wissenschaften genannt.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 20332
Zitationshilfe
„Scheu“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Scheu>, abgerufen am 19.06.2019.

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