Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Schicksal, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Schicksals · Nominativ Plural: Schicksale
Aussprache 
Worttrennung Schick-sal
eWDG

Bedeutungen

1.
Gesamtheit dessen, was dem Menschen unabhängig von seinem Willen (durch naturgegebene Umstände, durch den Ablauf der Ereignisse) widerfährt und sein Leben entscheidend beeinflusst, Lebensweg
Beispiele:
ein freundliches, schweres, tragisches, trauriges Schicksal
sie haben beide das gleiche Schicksal durchgemacht, erlebt
sich mit seinem Schicksal abfinden
sein Schicksal selbst bestimmen, meistern
dem Schicksal einen anderen Lauf geben
gehobenmit seinem Schicksal hadern
in sein Schicksal (= Verderben) rennen
jmdn. seinem Schicksal überlassen (= jmdm. nicht helfen)
umgangssprachlichdass sie mich nicht liebt, das ist eben Schicksal (= das kann ich nicht ändern)
Nachforschungen über das Schicksal (= den Verbleib) eines entlaufenen Kindes anstellen
die Schicksale des Meisters von seiner Verhaftung am 7. Juni 1525 über seine Folterung bis zur Haftentlassung [ WeismantelRiemenschneider289]
2.
nach abergläubischen Vorstellungen   eine jenseitige Macht, der der Mensch angeblich bedingungslos ausgeliefert ist und die alles bestimmt, was im Leben vor sich geht
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
das blinde, grausame, unabwendbare, unerbittliche Schicksal
ein gütiges Schicksal bewahrte ihn vor dem Schlimmsten
die Gunst, Ungunst, eine Laune, ein Wink des Schicksals
vom Schicksal geschlagen, gezeichnet
das Schicksal sucht jmdn. heim, geht seine eigenen Wege
das Schicksal hat ihn hart geprüft
[der Vater] fühlte sich Mächten ausgeliefert, von denen er glaubte, sie seien das unentrinnbare Schicksal [ Johoin: Hammer und Feder211]
Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal [ FrischHomo faber25]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schicken · anschicken · Schicksal
schicken Vb. ‘senden’, reflexiv ‘sich fügen, einrichten, abfinden, geziemen’. Das nur im Dt. (seit dem 12. Jh.) und Nl. belegte Verb mhd. schicken ‘machen, daß etw. geschieht, bewirken, ausrichten, gestalten, (an)ordnen, zurechtlegen, bereiten, rüsten, zuwenden, verschaffen, bewegen, richten, abordnen, senden’, mnd. schicken, mnl. scicken, nl. schikken ist wohl eine kausative Bildung (‘jmdn., etw. schnell fortgehen machen’) zu dem in ahd. skehan ‘umherstreifen, eilen’, mhd. schehen ‘jagen, rennen, eilen’ (s. geschehen) vorliegenden Verb. Die im Mhd. entwickelte Bedeutungsvielfalt ist im Nhd. erheblich reduziert; vorherrschend wird der Gebrauch im Sinne von ‘senden’ (seit dem 16. Jh.). anschicken Vb. reflexiv ‘sich vorbereiten, daranmachen’ (15. Jh.), in älterer Sprache (bis ins 18. Jh.) auch transitiv ‘anordnen, anweisen, vorbereiten’. Schicksal n. ‘Gesamtheit dessen, was dem Menschen widerfährt, Fügung, Los, Geschick’ (18. Jh.), Schicksel (17. Jh.), Übernahme von nl. (älter) schicksel (für lat. apparātus, ōrdo, dispositio, fātum); 1644 von dem Oberdeutschen M. Zeiller als nl. bezeichnet und als Entsprechung für dt. Geschick empfunden. Zur Bildungsweise s. -sal, -sel. Häufig wird Schicksal personifiziert gebraucht sowie (in christlicher Vorstellung) als ‘von Gott Geschicktes’ verstanden.

Thesaurus

Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Schicksal‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schicksal‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schicksal‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur so kann man sich vor dem Schicksal schützen, ständig ihr Opfer zu werden. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 606]
So blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich in ihr »Schicksal« zu fügen. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 89]
Wie wenig diese Lösung Kants im philosophischen Sinne als Lösung anerkannt werden darf, zeigt das Schicksal seiner Lehre. [Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewußtsein, Neuwied u. a.: Leuchterhand 1970 [1923], S. 334]
Er wäre nicht er selbst gewesen, wenn er nicht versucht hätte, das Schicksal zu zwingen. [Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Vierter Teil: Neuzeit, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 4108]
Entscheidend ist für uns aber das Schicksal der Deutschen hier in diesem Raume. [o. A.: Kundgebung in Warschau anlässlich der Eröffnung des Kriegswinterhilfswerks 1940/41 im Generalgouvernement, 05.10.1940]
Zitationshilfe
„Schicksal“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schicksal>.

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