Schicksal, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Schicksal(e)s · Nominativ Plural: Schicksale
Aussprache
WorttrennungSchick-sal
Wortbildung mit ›Schicksal‹ als Erstglied: ↗Schicksalsdrama · ↗Schicksalsfrage · ↗Schicksalsfügung · ↗Schicksalsgefährte · ↗Schicksalsgemeinschaft · ↗Schicksalsgenosse · ↗Schicksalsglaube · ↗Schicksalsglauben · ↗Schicksalsgöttin · ↗Schicksalsschlag · ↗Schicksalstragödie · ↗Schicksalsweg · ↗Schicksalswende · ↗schicksalhaft · ↗schicksallos · ↗schicksalsbedingt · ↗schicksalsbestimmend · ↗schicksalshaft · ↗schicksalsschwer · ↗schicksalsträchtig · ↗schicksalsvoll
 ·  mit ›Schicksal‹ als Letztglied: ↗Einzelschicksal · ↗Emigrantenschicksal · ↗Flüchtlingsschicksal · ↗Frauenschicksal · ↗Lebensschicksal · ↗Menschenschicksal · ↗Parallelschicksal
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Gesamtheit dessen, was dem Menschen unabhängig von seinem Willen (durch naturgegebene Umstände, durch den Ablauf der Ereignisse) widerfährt und sein Leben entscheidend beeinflusst, Lebensweg
Beispiele:
ein freundliches, schweres, tragisches, trauriges Schicksal
sie haben beide das gleiche Schicksal durchgemacht, erlebt
sich mit seinem Schicksal abfinden
sein Schicksal selbst bestimmen, meistern
dem Schicksal einen anderen Lauf geben
gehoben mit seinem Schicksal hadern
in sein Schicksal (= Verderben) rennen
jmdn. seinem Schicksal überlassen (= jmdm. nicht helfen)
umgangssprachlich dass sie mich nicht liebt, das ist eben Schicksal (= das kann ich nicht ändern)
Nachforschungen über das Schicksal (= den Verbleib) eines entlaufenen Kindes anstellen
die Schicksale des Meisters von seiner Verhaftung am 7. Juni 1525 über seine Folterung bis zur Haftentlassung [WeismantelRiemenschneider289]
2.
nur im Singular
nach abergläubischen Vorstellungen   eine jenseitige Macht, der der Mensch angeblich bedingungslos ausgeliefert ist und die alles bestimmt, was im Leben vor sich geht
Beispiele:
das blinde, grausame, unabwendbare, unerbittliche Schicksal
ein gütiges Schicksal bewahrte ihn vor dem Schlimmsten
die Gunst, Ungunst, eine Laune, ein Wink des Schicksals
vom Schicksal geschlagen, gezeichnet
das Schicksal sucht jmdn. heim, geht seine eigenen Wege
das Schicksal hat ihn hart geprüft
[der Vater] fühlte sich Mächten ausgeliefert, von denen er glaubte, sie seien das unentrinnbare Schicksal [JohoinHammer u. Feder211]
Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal [FrischHomo faber25]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schicken · anschicken · Schicksal
schicken Vb. ‘senden’, reflexiv ‘sich fügen, einrichten, abfinden, geziemen’. Das nur im Dt. (seit dem 12. Jh.) und Nl. belegte Verb mhd. schicken ‘machen, daß etw. geschieht, bewirken, ausrichten, gestalten, (an)ordnen, zurechtlegen, bereiten, rüsten, zuwenden, verschaffen, bewegen, richten, abordnen, senden’, mnd. schicken, mnl. scicken, nl. schikken ist wohl eine kausative Bildung (‘jmdn., etw. schnell fortgehen machen’) zu dem in ahd. skehan ‘umherstreifen, eilen’, mhd. schehen ‘jagen, rennen, eilen’ (s. ↗geschehen) vorliegenden Verb. Die im Mhd. entwickelte Bedeutungsvielfalt ist im Nhd. erheblich reduziert; vorherrschend wird der Gebrauch im Sinne von ‘senden’ (seit dem 16. Jh.). anschicken Vb. reflexiv ‘sich vorbereiten, daranmachen’ (15. Jh.), in älterer Sprache (bis ins 18. Jh.) auch transitiv ‘anordnen, anweisen, vorbereiten’. Schicksal n. ‘Gesamtheit dessen, was dem Menschen widerfährt, Fügung, Los, Geschick’ (18. Jh.), Schicksel (17. Jh.), Übernahme von nl. (älter) schicksel (für lat. apparātus, ōrdo, dispositio, fātum); 1644 von dem Oberdeutschen M. Zeiller als nl. bezeichnet und als Entsprechung für dt. Geschick empfunden. Zur Bildungsweise s. ↗-sal, ↗-sel. Häufig wird Schicksal personifiziert gebraucht sowie (in christlicher Vorstellung) als ‘von Gott Geschicktes’ verstanden.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bestimmung · ↗Fatum · ↗Fügung · ↗Geschick · ↗Karma (buddh.) · ↗Kismet (islam.) · ↗Los · ↗Prädestination · Schicksal · ↗Schickung · ↗Vorbestimmung · ↗Vorherbestimmung · ↗Vorsehung · ↗Zufall
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Flüchtling Ironie Jude Volk Zufall abhängen besiegeln bestimmen drohen eigen entgehen entscheiden ereilen erleiden fügen gleich grausam hadern individuell menschlich persönlich schildern teilen tragisch traurig ungewiß verbinden verknüpfen ähnlich überlassen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schicksal‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In den "kommenden Stunden, in den kommenden Tagen" werde sich das Schicksal des Landes entscheiden.
Die Zeit, 15.08.2013 (online)
Unser Volk hat das Recht, sein Schicksal nach eigenem Willen zu bestimmen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1967]
Ein Schicksal wächst mit Dir auf - wir haben darüber keine Macht.
Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 05.03.1926
Wie wenig diese Lösung Kants im philosophischen Sinne als Lösung anerkannt werden darf, zeigt das Schicksal seiner Lehre.
Lukács, Georg: Geschichte und Klassenbewußtsein, Neuwied u. a.: Leuchterhand 1970 [1923], S. 334
Jo grollt seinem Schicksal, weil es ihm verwehrt geblieben ist, inhaftiert, verhört und geschlagen worden zu sein.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 48
Zitationshilfe
„Schicksal“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schicksal>, abgerufen am 14.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Schicklichkeit
schicklicherweise
schicklich
Schickimicki
schickern
schicksalergeben
schicksalhaft
schicksallos
Schicksalsanalyse
schicksalsbedingt