Schieber, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schiebers · Nominativ Plural: Schieber
Aussprache
WorttrennungSchie-ber
Wortbildung mit ›Schieber‹ als Letztglied: ↗Absperrschieber · ↗Börsenschieber · ↗Devisenschieber · ↗Kulissenschieber · ↗Oberschieber · ↗Rechenschieber · ↗Ritzenschieber · ↗Schneeschieber · ↗Sperrschieber · ↗Waffenschieber
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Teil eines Gegenstandes, einer Rohrleitung oder Maschine, mit dem etw. geöffnet oder verschlossen wird
Beispiele:
der Schieber eines Reißverschlusses, an der Gasleitung, am Wasserrohr
den Dampfdruck durch Verstellen des Schiebers regulieren
eine Tür mit einem Schieber öffnen, verriegeln
er blickte durch den Schieber des Guckloches an der Tür
2.
Essgerät für Kinder, mit dem das Essen auf den Löffel geschoben wird
3.
flaches Gefäß zur Aufnahme der Notdurft, das bettlägerigen Kranken untergeschoben wird
4.
abwertend Person, die betrügerische Geschäfte macht, Schleichhandel treibt, Schwarzhändler
Beispiele:
ein skrupelloser Schieber
in diesem Lokal verkehren nur Schieber und Zuhälter
ein Schieber in Rauschgift, Waffen
Aktionen gegen Schieber und Spekulanten
5.
umgangssprachlich Onestep
Beispiel:
einen Schieber tanzen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schieben · Geschiebe · Schieber · Schiebung
schieben Vb. ‘durch Druck bewegen’. Die Herkunft der starken Verben ahd. skioban (um 800), mhd. schieben, aengl. scēofan, got. afskiuban ‘verstoßen, von sich wegstoßen’ (germ. *skeuban) und mnd. schūven, mnl. scūven, nl. schuiven, afries. skuva, aengl. scūfan, engl. to shove (germ. *skuban), ferner schwach flektierender anord. skūfa, skȳfa, norw. skyve ist ungewiß. Vielleicht sind sie verwandt mit ↗Schub, ↗Schaufel, ↗Schippe (s. d.) sowie lit. skùbti ‘anfangen, sich zu beeilen’, skubùs ‘eilig, flink, emsig’, kslaw. skubǫ, russ. (landschaftlich) skubú (скубу) ‘zause, rupfe’ und an ie. *skeub(h)- ‘(flink) dahinschießen, schieben, stoßen’, eine Labialerweiterung der unter ↗schießen (s. d.) angegebenen Wurzel anzuschließen. Die wohl aus der Gaunersprache stammende Bedeutung ‘Waren illegal an andere Besitzer bringen, vertauschen, (auf dem schwarzen Markt) unlautere Geschäfte machen’ (geläufig seit dem ersten Weltkrieg), zuvor in der Börsen- und Kaufmannssprache ‘Wechsel, Hypotheken zum Schein in andere Hände bringen’ (90er Jahre 19. Jh.), wird von Berlin aus verbreitet. Man vermutet, daß in Wendungen wie Kohldampf, Wache schieben ‘Hunger, Wachdienst haben’ nhd. schieben für rotw. schefften ‘sein, sitzen, liegen, machen, tun, arbeiten, gehen’ eingetreten sei; diesem liegt vielleicht jidd. jaschwenen ‘setzen’, hebr. jāšab ‘sitzen, bleiben’ zugrunde, doch dürfte rotw. schefften auf Grund seiner Bedeutungsbreite semantisch von schaffen beeinflußt sein; vgl. Kluge ²¹646. Geschiebe n. bergmannssprachlich ‘Gestein, Geröll’ (17. Jh.), Geschübe (16. Jh.), Kollektivbildung zum Verb. Schieber m. ‘wer schiebt’ (18. Jh.), ‘junger Student, der sich während des Semesters heimlich nach Hause absetzt’ (17. Jh.), in der Technik ‘Werkzeug, mit dem etw. geschoben wird, verschiebbarer Verschluß’ (18. Jh.), aus der Gaunersprache ‘wer unlautere Handelsgeschäfte macht’ (Ende 19. Jh.). Schiebung f. ‘das Schieben’ (17. Jh.), ‘Intrige, Betrug’ (80er Jahre 19. Jh., aus der Gaunersprache), später allgemein ‘unrechtmäßiger Handel, unlautere Geschäfte’, besonders ‘ungerechtfertigte Begünstigung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Hehler · Schieber
Synonymgruppe
Bettpfanne · ↗Bettschüssel · Schieber · Stechbecken · Steckbecken
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Abzocker · ↗Geschäftemacher · ↗Schacherer · Schieber · ↗Spekulant
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Besen Betrüger Betätigen Betätigung Dieb Gauner Geschäftemacher Hehler Händler Kriegsgewinnler Schmuggler Schwarzhändler Schwarzmarkthändler Spekulant Wucherer Zuhälter angebracht betätigen geschlossen klein lieb mechanisch schieben schützen seitlich tanzen verschließen öffnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schieber‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist, an anderer Stelle, auch noch ein "Schieber" kaputt.
Bild, 25.03.2002
Ein kleiner Schieber will auch noch mithalten - macht aber Mist.
Süddeutsche Zeitung, 30.12.1995
Amerikanisches Mehl wird verschoben - nur der Schieber reitet den Sieg!
Tucholsky, Kurt: Osterspaziergang. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 6407
Kleinere Kinder können ohne weiteres lernen, mit Schieber und Löffel zu hantieren.
Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 31
Die Töne werden durch Schieber regiert, die zum Spiel herausgezogen und hineingestoßen werden.
Hortschansky, Klaus u. a.: Orgel. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 41848
Zitationshilfe
„Schieber“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schieber>, abgerufen am 24.08.2019.

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