Schildpatt, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungSchild-patt
Wortbildung mit ›Schildpatt‹ als Erstglied: ↗Schildpattspange
eWDG, 1974

Bedeutung

gemusterte, gelbbraune bis schwarz geflammte Platte aus dem Hornschild der Seeschildkröte
Beispiel:
ein Kamm, eine Brosche aus Schildpatt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schild1 · Schild2 · Schildbürger · Schilddrüse · Schildkröte · Schildpatt · Schildwache · Schilderhaus
Schild1 m. gewölbte, plattenartige Schutzwaffe (zur Abwehr von Hieb, Stich und Schleudergeschossen) aus Holz (mit Lederüberzug) oder Metall (Plur. Schilde), ahd. skilt (8. Jh.), mhd. mnd. schilt, auch ‘Heerschild’ als Rangordnung lehnsrechtlicher und militärischer Art, ‘Wappen(schild)’, asächs. skild, mnl. scilt, nl. schild, afries. skeld, aengl. sc(i)eld, engl. shield, anord. skjǫldr, schwed. sköld, got. skildus (germ. *skeldu-) steht wie lit. skìltis ‘Scheibe’ als Dentalerweiterung zu der unter ↗Schale1, ↗Schale2 genannten Wurzel ie. *(s)kel- ‘schneiden’ mit einer Ausgangsbedeutung ‘abgespaltenes, abgeschnittenes Holzstück, Brett’, da der Schild ursprünglich wohl aus durch einen Metallring zusammengehaltenen Holzteilen besteht. Redensartlich etw. im Schilde führen ‘eine bestimmte Absicht verfolgen’ (16. Jh.), eigentlich ‘ein auf den Schild gemaltes Wappen als Kennzeichen tragen’. Den Schutz- und Wappenschilden werden Abzeichen, Handwerks- und Gewerbesymbole, Hinweistafeln nachgebildet, für deren Bezeichnung das Substantiv allmählich neutrales Genus annimmt (zuerst im Mnd., 15. Jh., dann allgemein, obwohl von Adelung mißbilligt), so daß vom 18. Jh. an Schild2 n. ‘Platte, Tafel, Blatt mit einem Zeichen oder einer Aufschrift’ (Plur. Schilder) im Dt. üblich wird. Schildbürger m. eigentlich ‘mit einem Schild bewaffneter Stadtbewohner’ (16. Jh.; wohl als Spottname des Rittertums für die waffentragenden Stadtbewohner entstanden, vgl. auch ↗Spießbürger, s. d.), erhält durch Bezug auf die Bürger von Schilda(u), deren Streiche in einem Schwankbuch (1598) behandelt werden, die Bedeutung ‘wer so töricht oder unvernünftig handelt, daß der beabsichtigte Zweck verfehlt wird’. Daher Schildbürgerstreich (Wieland). Schilddrüse f. am Schildknorpel (aus zwei schildartigen Platten bestehend) des Kehlkopfes sitzende Drüse (18. Jh.). Schildkröte f. mit einem gewölbten Panzer versehenes Reptil, mhd. schiltkrote (s. ↗Kröte). Schildpatt n. Hornschale der Seeschildkröte (18. Jh.), mnd. schildepadde ‘Schildkröte’, nd. Schildpadde, auch ‘Schildkrötenschale, -panzer’ (zu mnd. mnl. padde ‘Kröte’, s. ↗Padde). Schildwache f. ‘das Wachestehen’, mhd. schiltwache, -waht(e) ‘die Wache mit dem Schilde’ (d. h. in voller Rüstung), im 17. Jh. auf die Wachmannschaft bzw. den Wachposten übertragen. Schilderhaus n. ‘Schutzhäuschen für den Wachposten’ (17. Jh.), zu schildern, auch (mit Assimilation) schillern, soldatensprachlich ‘Wache stehen’ (17. Jh.)

Typische Verbindungen zu ›Schildpatt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ebenholz Elfenbein Gold Messing Perlmutt Silber verzieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schildpatt‹.

Verwendungsbeispiele für ›Schildpatt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Film erregte damals großes Aufsehen, denn er zeigte, unter welch grausamen Bedingungen Meeresschildkröten bei lebendigem Leib das Schildpatt herausgeschnitten bekommen.
Süddeutsche Zeitung, 04.10.1994
Schön waren nur die noch von maurischen Arbeitern aus schwarzem Holz mit eingelegtem Schildpatt, Silber und Perlmutter hergestellten Wandschränke.
Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 01.03.1907
In den prachtvoll gemusterten Türen wurde Elfenbein und Schildpatt verbaut.
Bild, 13.09.2003
Außerdem wurden damals Türen beschlagnahmt, weil dort Schildpatt und Elfenbein verarbeitet wurde.
Die Welt, 03.06.2004
Auch späterhin verwendete man für den Resonanzkörper, in dessen Mitte sich das Schalloch befand, eine Schildkrötenschale oder ein Holzgehäuse, das außen mit Schildpatt belegt wurde.
o. A.: Lexikon der Kunst - L. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 23266
Zitationshilfe
„Schildpatt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schildpatt>, abgerufen am 28.02.2020.

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