Schindmähre, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungSchind-mäh-re (computergeneriert)
WortzerlegungschindenMähre
eWDG, 1974

Bedeutung

abwertend altes, verbrauchtes, mageres Pferd
Beispiele:
eine dürre Schindmähre
die beiden schönen Rappen, die man ihm zu Unrecht zu Schindmähren gemacht hat [Feuchtw.Oppermann198]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schinden · Schinder · Leuteschinder · Schindluder · Schindmähre
schinden Vb. ‘Viehkadaver abhäuten, jmdn. quälen, ausbeuten, (sich) abplagen’. Das ursprünglich schwache, in mhd. Zeit starke Flexion entwickelnde Verb ahd. skinten (9. Jh.), mhd. schinden, schinten ‘die Haut, die Rinde abziehen, enthäuten, schälen, berauben, peinigen, mißhandeln’, mnd. schinden ‘enthäuten, plündern, rauben’, mnl. scinden ‘mißhandeln, rauben’ (vgl. asächs. biskindan ‘sich abschälen’) ist abgeleitet von frühnhd. schint f. ‘Obstschale’ (15. Jh.), mnd. schinne f. ‘Kopfschuppe’, nl. (mundartlich) schinde ‘Fell, Baumrinde’, schin ‘Kopfschuppe’, anord. skinn n. ‘abgezogene Haut’, schwed. skinn ‘Haut, Fell’, wozu sich (außergerm.) bret. skant (aus *skṇto-) ‘Schuppen’ (Kollektivum) stellt. Auszugehen ist von einer mit to- bzw. tā-Suffix gebildeten Partizipialform ie. *skento-, *skentā ‘Abgespaltenes’ (z. B. ‘Haut, Schuppe, Rinde’) zu ie. *(s)ken- ‘abspalten’, wohl eine Nasalerweiterung der Wurzel ie. *sē̌k- ‘schneiden’ (s. ↗Säge, ↗Segel und ↗Messer). Dazu (mit Ablaut) auch anord. skān ‘Borke’, schwed. (mundartlich) skån ‘Schorf’. Aus der Bedeutung ‘die Haut abziehen’ (von Tieren, auch in literarischer Vorstellung als grausame Hinrichtungsart von Menschen) entwickelt sich in mhd. Zeit übertragener Gebrauch im Sinne von ‘quälen, mißhandeln, plagen’ (dazu reflexiv ‘sich plagen, sich abmühen’, 18. Jh.), dann ‘berauben, ausplündern’ und ‘bedrücken, aussaugen, erpressen’ (15. Jh.); in der Studentensprache ‘sich etw. verschaffen, ohne dafür zu zahlen, sich freihalten lassen’ (18. Jh.). Schinder m. ‘Abdecker, Henker’, frühnhd. schinder ‘Rindenschäler, Abdecker, Peiniger, Straßenräuber’ (15. Jh.). Leuteschinder m. ‘wer seine Untergebenen übermäßig beansprucht, roh behandelt, ausbeutet’ (16. Jh.). Schindluder n. Schimpfwort (18. Jh.), eigentlich ‘gefallenes Vieh, Aas’ (s. ↗Luder); besonders in der Redensart mit jmdm. Schindluder treiben ‘ihn verspotten, zum Narren halten’ (um 1800). Schindmähre f. ‘mageres, altes Pferd’, das nur noch für den Schinder taugt (17. Jh.); s. ↗Mähre.

Thesaurus

Synonymgruppe
schlechtes Pferd  Hauptform · Brauereigaul  derb, abwertend · ↗Gaul  ugs., abwertend · ↗Klepper  derb, abwertend · ↗Kracke  ugs., abwertend · ↗Mähre  derb, abwertend · ↗Schabracke  ugs., abwertend · Schindmähre  ugs., abwertend
Oberbegriffe
  • Einhufer · ↗Gaul · ↗Ross  ●  ↗Pferd  Hauptform · ↗Rössel  regional · Rössli  schweiz. · (der) Zosse(n)  ugs. · ↗Hottehü  ugs., Kindersprache · Hottemax  ugs., Kindersprache

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im diesem Fall galoppierte ein schönes und wildes Pferd vorne ins Studio hinein, als traurige Schindmähre trottete es hinten wieder heraus.
Die Welt, 12.07.2001
Stefani ist in diesem Sinne eine Schindmähre, kurzum ein peinlicher Politiker, der gestern freilich noch glauben konnte, im Zentrum der politischen Sehnsüchte zu stehen.
Die Zeit, 13.08.2003, Nr. 33
Der Rhythmus galoppiert wie eine Schindmähre, der man Viagra in den Hafer gemischt hat.
Die Zeit, 06.05.1999, Nr. 19
Zitationshilfe
„Schindmähre“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schindmähre>, abgerufen am 11.11.2019.

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