Schippe, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schippe · Nominativ Plural: Schippen
Aussprache  [ˈʃɪpə]
Worttrennung Schip-pe
Wortbildung  mit ›Schippe‹ als Erstglied: Schippchen · Schippendame  ·  mit ›Schippe‹ als Letztglied: Kohlenschippe · Müllschippe · Ofenschippe · Schneeschippe
 ·  mit ›Schippe‹ als Grundform: schippen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [D , besonders D-Nordost , D-Mittelost , D-Mittelwest , umgangssprachlich] Synonym zu Schaufel (1)
    1. ● [salopp, übertragen] ⟨jmd. macht, zieht eine Schippe⟩
  2. 2. [übertragen, umgangssprachlich] in Redewendungen
    1. a) ⟨jmd. nimmt jmdn., etw. auf die Schippe⟩, ⟨jmd. lädt jmdn., etw. auf die Schippe⟩
    2. b) [oft übertragen] ⟨jmd. springt jmdm., etw. von der Schippe⟩
    3. c) ⟨jmd., etw. legt, packt noch eine (ordentliche) Schippe (da)zu, drauf o. Ä.⟩
  3. 3. [Kartenspiel, landschaftlich, umgangssprachlich] Synonym zu Pik1, Grün (4)
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
D , besonders D-Nordost , D-Mittelost , D-Mittelwest , umgangssprachlich Synonym zu Schaufel (1)
Kollokationen:
in Koordination: mit Besen, Eimer, Schubkarre, Spaten und Schippe
Beispiele:
Eine Ladung Erde folgt der anderen, noch ein paar volle Schippen und dann ist es geschafft. [Der Prignitzer, 30.04.2021]
Da hat allerhöchstens mal die Straßenmeisterei eine Schippe Asphalt in die schlimmsten Schlaglöcher geschmiert, was dann auch nicht lange gehalten hat. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 01.06.2021]
Sie sind derzeit so gefragt, wie das Klopapier im Lockdown: Schneeschieber und Schippen. [Leipziger Volkszeitung, 09.02.2021]
Und schon ergriff W[…] Schippe und Spaten und machte die Wege sauber. [Allgemeine Zeitung, 25.01.2021]
Er war mal bei einem weihnachtlichen Einsatz dabei, bei dem eine ältere Frau eine Schippe mit glühenden Kohlen für den Kachelofen aus Vergesslichkeit in den Kühlschrank legen wollte. [Norddeutsche Neueste Nachrichten, 23.12.2020]
Schweren Herzens packe ich der Kleinsten im Bunde ein Badehandtuch und Schwimmwindeln ein, dazu aber auch noch ihr nagelneues Eimerchen und die Schippe. [Rhein-Zeitung, 19.06.2015]
salopp, übertragen
Phrasem:
jmd. macht, zieht eine Schippe (= die Unterlippe mürrisch oder missmutig vorschieben)
Beispiele:
Stimmt es, dass zwischen Hunsrück und Eifel ein »Batscheler« kein akademischer Abschluss, sondern eine Quasselstrippe ist? Und dass dort beleidigte Leberwürste die besten Schippen machen? [Rhein-Zeitung, 07.03.2016]
»So ’n Muul mook man!«, mag eine Mutter etwas ungehalten ihrem Sprössling sagen, wenn er einen Flunsch zieht oder eine Schippe macht. [Hamburger Abendblatt, 31.10.2015]
Mienen ziehen bedeutete [früher] eine Schippe machen; im Süden der Heide heißt es auch einen Flunsch ziehen, also traurig‑böse gucken. [Leipziger Volkszeitung, 29.06.2015]
Während ein einjähriges Menschenkind bei Hunger eine klassische Schippe zieht, lässt Amari in der Situation überhaupt nicht mehr mit sich spaßen. [Thüringer Allgemeine, 08.06.2006]
»Moritz hat am letzten Tag in Florida eine Schippe gezogen«, erinnert sie sich. [Leipziger Volkszeitung, 10.05.2002]
2.
übertragen, umgangssprachlich in Redewendungen
a)
Phraseme:
jmd. nimmt jmdn., etw. auf die Schippe (= Witze über jmdn., etw. machen, jmdn. zum Spaß täuschen, verspotten)
D-Mittelost (Sachsen) jmd. lädt jmdn., etw. auf die Schippe (= Witze über jmdn., etw. machen, jmdn. zum Spaß täuschen, verspotten)
Beispiele:
Seine Ansagen sind oft von einer Art Einfalt, die einen rätseln läßt, ob man nun genußvoll auf die Schippe geladen wird oder ob der Meister dann doch lieber nur singen will. [Leipziger Volkszeitung, 21.04.1999]
Hochwitzig, hochmusikalisch und intelligent, was die Briten hier abliefern, wie sie alle heilige US‑amerikanische Musikkultur dieses Jahrhunderts genüßlich auf die Schippe laden und dann lässig über die Schulter werfen. [Leipziger Volkszeitung, 23.02.1998]
b)
oft übertragen
Phrasem:
jmd. springt jmdm., etw. von der Schippe (= eine tödliche Gefahr, Erkrankung lebend überstehen) (= knapp überleben)
Beispiele:
Schauen Sie sich mal an, wo Angela Merkel nach der Bundestagswahl 2005 gestanden hat, gerade mal so dem politischen Ende von der Schippe gesprungen. [Süddeutsche Zeitung, 21.02.2020]
Da haben wir die vergangenen Jahre schon viel gehofft und Richtung Saisonende ging das große Zittern los. Man kann nicht immer dem Abstieg von der Schippe springen. [Welt am Sonntag, 08.07.2018]
Wenn die Menschen, die wie meine Mutter in Berlin versteckt das Dritte Reich überlebt haben, nicht diesen Optimismus gehabt hätten, dieses »ich werde denen von der Schippe springen«, dann hätte sie es nicht geschafft. [Welt am Sonntag, 21.04.2019]
Die Welser Damen sind dem Final‑K.‑o. gerade noch von der Schippe gesprungen. Sie mussten in Klosterneuburg gewinnen und taten dies, obwohl sie zur Pause schon 39:45 zurückgelegen waren. [Neues Volksblatt, 17.04.2003]
Er röchelte schwer, unterbrach sich jedoch nur kurz. »Ich bin dem Totengräber von der Schippe gesprungen. Aber der Windisch, das soll er mir büßen …« [Neutsch, Erik: Spur der Steine. Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 716]
c)
Phrasem:
jmd., etw. legt, packt noch eine (ordentliche) Schippe (da)zu, drauf o. Ä. (= etw. steigern, erhöhen)
Beispiele:
»Die Länder müssen beim sozialen Wohnungsbau noch eine Schippe draufpacken«, fordert die Ministerin […]. [Die Welt, 18.07.2017]
Anstatt die Kommunikation bis hin zum Maximum zu reduzieren, wird dann einfach noch eine Schippe draufgelegt. [Süddeutsche Zeitung, 08.03.2021]
Auch beim Bauen will L[…] noch eine Schippe zulegen: »Ziel ist es, die Baustellen künftig zu optimieren und die Bauzeit zu verkürzen.« [Basler Zeitung, 28.10.2016]
Nach dem Handelsschluss in Europa hatte die Wall Street noch einmal eine Schippe draufgelegt und damit für eine gute Vorgabe gesorgt. Der Auswahlindex Nasdaq 100 schloss so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. [APA-Meldungen digital, 03.11.2015]
Wir können in der Mannschaft nur Spielerinnen gebrauchen, die voll hinter der Sache stehen und noch eine Schippe draufpacken können, wenn es darauf ankommt. [Die Welt, 03.06.1999]
3.
Kartenspiel, landschaftlich, umgangssprachlich Synonym zu Pik¹, Grün (4)
Beispiele:
Die Bezeichnung der Spielfarben [beim Binokel] variiert regional und wird typischerweise Eichel (Kreuz), Schippen (Blatt, Pik, Grün, Laub), Herz und Schellen (Bollen, Karo) genannt. [Binokel und seine Regeln, aufgerufen am 07.07.2021]
Wenn das Wetter passt, spielt unser Stammtisch gerne draußen Poker. Gestern war ich Gastgeber, mir fehlte aber ein geeigneter Strahler, um nach Sonnenuntergang Herz von Schippe zu unterscheiden – das haben wir vergangene Woche festgestellt. [Aachener Zeitung, 07.08.2019]
Das französische Blatt besteht aus den vier Farben Kreuz (auch Treff oder frz. trèfle), Pik (auch Schippen, Schippe, Schüppen; frz. pique), Herz (auch Rot; frz. coeur oder rouge) und Karo (auch Eckstein; frz. carreau); jeweils mit den Karten Sieben, Acht, Neun, Zehn, Bube, Dame, König und Ass. Beim deutschen Blatt ersetzen Unter die Buben und die Ober die Damen. [Thüringer Allgemeine, 21.03.2018]
Kein Problem, müsste der Preuße ja den Unterschied zwischen Karo, Herz, Schippe und Kreuz gegenüber Eichel, Herz, Grün und Schellen kennen. [Fränkischer Tag, 11.11.2014]
Mit Herz, Schippe, Kreuz oder Schelle bei der Sache: Wer sich im Nationalspiel der Württemberger, dem Binokel, messen möchte, ist am Freitag, 8. Februar, im Nehrener Sportheim richtig. [Reutlinger General-Anzeiger, 07.02.2008]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schippe · schippen
Schippe f. Bezeichnung für ein schaufelartiges Gerät. Mnd. schüppe, nd. Schuppe, Schüppe, md. Schüpp, Schöpp, Schippe (16. Jh.), mnl. scoppe, scuppe, nl. schop ‘Spaten’ wird im 17. Jh. in der entrundeten md. Form Schippe in die Literatursprache aufgenommen; vgl. mit hd. Lautung mhd. schipfe ‘Schaufel, Grabscheit’. Das Substantiv gehört zur Intensivbildung (obd.) schupfen, (md. nd.) schuppen, schüppen ‘heftig stoßen’ und weiter (wie Schaufel, s. d.) als ‘Gerät, mit dem oder auf das etw. geschoben wird’ zu der unter schieben (s. d.) angeführten Wurzelerweiterung ie. *skeub(h)- ‘(flink) dahinschießen, schieben, stoßen’. Dazu in neuerer Zeit die umgangssprachliche Redensart jmdn. auf die Schippe nehmen ‘ihn verspotten, aufziehen’; vgl. jmdm. die Schippe geben ‘ihn fortjagen’ (18. Jh.), wohl zu Schippe in der Bedeutung ‘Wippe, Gerät zum Fortschleudern’ (mhd. schupfe, schuppe ‘Wippe’). schippen Vb. ‘mit der Schippe arbeiten, wegschaffen’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Schaufel · Schippe  ●  Schippe  ugs., regional · Schüppe  ugs., regional
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Schmollmund  ●  Schippe  ugs.
Synonymgruppe
Pik (Farbe im Kartenspiel)  Hauptform · Schaufel  süddt. · Schippe(n)  rheinisch · Schüppe(n)  rheinisch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Schippe‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schippe‹.

Zitationshilfe
„Schippe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schippe>.

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