Schläfe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Schläfe · Nominativ Plural: Schläfen
Aussprache
WorttrennungSchlä-fe (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Schläfe‹ als Erstglied: ↗Schläfenbein · ↗Schläfenhaar
eWDG, 1976

Bedeutung

Teil des Schädels zwischen Ohr und Stirn
Beispiele:
sie presste beide Hände an die Schläfen
sich [Dativ] eine Kugel durch, in die Schläfe schießen (= sich erschießen)
umgangssprachlich sich [Dativ] eine Kugel durch, in die Schläfe jagen (= sich erschießen)
einen Druck in den Schläfen verspüren
das Blut hämmerte in seinen Schläfen
ein Herr mit grauen, graumelierten Schläfen (= grauem, graumeliertem Haar an den Schläfen)
Boger drückte ihr ... / eine Pistole an die Schläfe [P. WeissErmittlung15]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlafen · Schlaf · Schläfe · beschlafen · entschlafen · schläfern · einschläfern · schläf(e)rig · zweischläfrig · Beischlaf · Schlafmütze · Schlafrock
schlafen Vb. ‘sich in einem (physiologisch bedingten) Ruhezustand befinden, in dem die Wahrnehmung der Umwelt stark herabgesetzt, nahezu ausgeschaltet ist’. Das starke, ursprünglich reduplizierende Verb ahd. slāfan (um 800), mhd. slāfen, asächs. slāpan, mnd. mnl. slāpen, nl. slapen, afries. slēpa, aengl. slǣpan, engl. to sleep, got. slēpan (germ. *slēpan) gehört zu einer im Germ. reich entwickelten Wortgruppe. Sie schließt sich an die unter ↗Lappen (s. d.) genannte Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’ an, die hier, wie auch in ↗schlapp, ↗schlaff (s. d.), mit anlautendem s- auftritt. Dazu stellen sich lat. lābī ‘hin-, herabgleiten, sinken’ (s. ↗labil, ↗Lapsus, ↗kollabieren), lat. labor ‘Mühe, Anstrengung, Arbeit’ (s. ↗laborieren) und mit anlautendem s- lit. slõbti ‘schwach werden’, aslaw. slabъ, russ. slábyj (слабый) ‘schwach’. schlafen ist ursprünglich ‘schlaff sein’. Schlaf m. ‘Zustand des Schlafens’, ahd. (8. Jh.), mhd. slāf, asächs. mnd. slāp, mnl. slaep, nl. slaap, afries. slēp, aengl. slēp, slǣp, engl. sleep, got. slēps (germ. *slēpa-). Demgegenüber sind anord. svefn, schwed. sömn, dän. søvn, aengl. swefn (germ. *swefna-) ebenso wie die Bezeichnungen des Schlafes in anderen ie. Sprachen aind. svápnaḥ, griech. hýpnos (ὕπνος) (s. ↗hypnotisch), lat. somnus (s. ↗somnambul), aslaw. sъnъ, russ. son (сон) Fortsetzungen eines alten r/n-Stammes zur Wurzelerweiterung ie. *su̯ep-, *sup- ‘schlafen’, zu der ebenso mhd. swep (Genitiv swebes) ‘Schlaf, Schlummer’, aengl. swefan, anord. sofa, schwed. sova, dän. sove ‘schlafen’ gehören. Spätmhd. slāf wird auch Bezeichnung für ‘Schläfe’. Vielleicht als ‘Stirnseite, auf der der Schlafende ruht’? Vgl. mnd. slāp, mnl. slaep, nl. slaap ‘Schlaf, Schläfe’. Der in dieser Bedeutung auftretende Plural wird im 18. Jh. zum Singular Schläfe f. beschlafen Vb. ‘mit einer Frau schlafen’, mhd. beslāfen, auch ‘schwängern’; ‘eine Nacht Bedenkzeit verstreichen lassen, ehe ein Beschluß gefaßt wird’ (16. Jh.). entschlafen Vb. ‘sterben’, ahd. intslāfan (9. Jh.), mhd. entslāfen ‘einschlafen, sterben’. schläfern Vb. ‘müde, schläfrig sein’, mhd. slāfern ‘schläfrig werden, einschlafen’; heute selten und meist unpersönlich es schläfert mich; dazu einschläfern Vb. ‘müde, schläfrig machen, in Schlaf versetzen’ (17. Jh.), heute besonders ‘(Tiere) durch Medikamente schmerzlos töten’, auch ‘narkotisieren, betäuben’; älter einschläfen, zu mhd. slæfen ‘schläfrig machen’. schläf(e)rig Adj. ‘müde’, auch ‘träge’ (16. Jh.), ahd. slāf(e)rag (9. Jh.), mhd. slāferic, slæferic. zweischläfrig Adj. ‘für zwei Schläfer passend’ (18. Jh.). Beischlaf m. ‘das Miteinanderschlafen’ (15. Jh.); dafür ahd. mitislāf (um 1000). Schlafmütze f. ‘Mütze, die im Bett aufgesetzt wird’ (17. Jh.), ‘langsamer, träger Mensch’ (18. Jh.). Schlafrock m. ‘bequemer, zum Schlafengehen und im Haus zu tragender Mantel, Morgenrock’, mhd. slāfroc (14. Jh.); nicht aus Schlaufrock (‘zum Hineinschlüpfen’) herzuleiten (s. ↗Schlaufe).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ader Einschussloch Gaspistole Golfball Handfläche Pfefferminzöl Pistole Platzwunde Revolver Schläfe Schreckschusspistole Stirn Strähne Trommelrevolver Wange angegraut eingefallen ergrauen ergraut grau graumeliert hämmern massieren meliert pochen pochend pressen rasiert silbergrau wegtönen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schläfe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Regisseur tippte sich mit zwei Fingern lässig gegen die Schläfe.
Boie, Kirsten: Skogland, Ort: Hamburg 2005, S. 66
Graue Schläfen bei Männern gelten mal als sexy, mal als seriös.
Süddeutsche Zeitung, 28.12.2004
Das Herz schlägt schneller, in den Schläfen pocht der Puls.
Die Zeit, 17.06.1994, Nr. 25
Sein Hals wird dick vor Wut, Adern tanzen auf der Schläfe.
Knef, Hildegard: Der geschenkte Gaul, Berlin: Ullstein 1999 [1970], S. 167
Nein, der Kopf ist kalt, aber der Schweiß steht ihm an den Schläfen.
Bobrowski, Johannes: Levins Mühle, Frankfurt a. M.: Fischer 1964, S. 84
Zitationshilfe
„Schläfe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schläfe>, abgerufen am 23.07.2019.

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