Schlaf, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Schlaf(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Grundformschlafen
Wortbildung mit ›Schlaf‹ als Erstglied: ↗Schlaf-wach-Rhythmus · ↗Schlafphase · ↗Schlafrhythmus · ↗Schläfchen · ↗schlafbedürftig · ↗schlaftrunken · ↗schlafwandeln
 ·  mit ›Schlaf‹ als Letztglied: ↗Beischlaf · ↗Bärenschlaf · ↗Dauerschlaf · ↗Dornröschenschlaf · ↗Dämmerschlaf · ↗Halbschlaf · ↗Heilschlaf · ↗Mittagschlaf · ↗Mittagsschlaf · ↗Morgenschlaf · ↗Nachmittagsschlaf · ↗Nachtschlaf · ↗Todesschlaf · ↗Totenschlaf · ↗Winterschlaf
 ·  formal verwandt mit: ↗schläfern
eWDG, 1976

Bedeutung

siehe auch Schläfchen
1.
völliger Ruhezustand des Organismus, besonders des Nervensystems, der durch eine auf bestimmte Abschnitte des Gehirns sich ausbreitende Hemmung eintritt
Beispiele:
ein tiefer, fester, leiser, leichter, (un)ruhiger, gesunder, erholsamer, erquickender, traumloser, bleierner, schwerer Schlaf
gehoben, verhüllend der ewige Schlaf (= Tod)
der Schlaf überkam, überfiel, übermannte, überwältigte ihn
gehoben der Schlaf flieht ihn (= er kann nicht schlafen)
in Schlaf fallen, (ver)sinken
umgangssprachlich den Schlaf des Gerechten (= tief und fest) schlafen
er verfiel in einen todesähnlichen Schlaf
jmdn. in einen künstlichen, hypnotischen Schlaf versetzen, versenken
ein Kind in den Schlaf singen, wiegen
einen guten Schlaf haben
süddeutsch, österreichisch (einen) Schlaf haben (= müde, schläfrig sein)
keinen Schlaf finden
stundenlang lag sie wach und wartete auf Schlaf
gegen den Schlaf ankämpfen
den Schlaf vertreiben, verscheuchen
versäumten Schlaf nachholen
jmdn. um den wohlverdienten Schlaf bringen
jmd., etw. raubt, nimmt jmdm. den Schlaf
im ersten Schlaf liegen
aus dem Schlaf aufwachen, erwachen, auffahen, emporfahren, hochfahren, aufschrecken
umgangssprachlich jmdn. aus dem Schlaf wecken, klingeln, holen, reißen
die Menschen wurden im Schlaf von der Sturmflut überrascht
im Schlaf (= während des Schlafens) sprechen
er war noch halb im Schlaf (= war noch nicht völlig munter), als er das sagte
bildlich
Beispiel:
Er [Lenin] rührte an den Schlaf der Welt (= er rüttelte die Welt auf) [Becher1,151]
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
das kann ich im Schlaf (= beherrsche ich völlig, kann ich auswendig)
das fällt mir nicht im Schlafe ein (= ich denke gar nicht daran, das zu tun)
nicht im Schlafe (= keinesfalls) werde ich kommen
2.
umgangssprachlich körnige oder klebrige Substanz, die sich während 1 in den Augenwinkeln absetzt
Beispiele:
Schlaf in den Augen haben
den Schlaf aus den Augenwinkeln wischen
sich [Dativ] den Schlaf aus den Augen wischen, reiben (= sich durch Reiben der Augen munter machen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlafen · Schlaf · Schläfe · beschlafen · entschlafen · schläfern · einschläfern · schläf(e)rig · zweischläfrig · Beischlaf · Schlafmütze · Schlafrock
schlafen Vb. ‘sich in einem (physiologisch bedingten) Ruhezustand befinden, in dem die Wahrnehmung der Umwelt stark herabgesetzt, nahezu ausgeschaltet ist’. Das starke, ursprünglich reduplizierende Verb ahd. slāfan (um 800), mhd. slāfen, asächs. slāpan, mnd. mnl. slāpen, nl. slapen, afries. slēpa, aengl. slǣpan, engl. to sleep, got. slēpan (germ. *slēpan) gehört zu einer im Germ. reich entwickelten Wortgruppe. Sie schließt sich an die unter ↗Lappen (s. d.) genannte Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’ an, die hier, wie auch in ↗schlapp, ↗schlaff (s. d.), mit anlautendem s- auftritt. Dazu stellen sich lat. lābī ‘hin-, herabgleiten, sinken’ (s. ↗labil, ↗Lapsus, ↗kollabieren), lat. labor ‘Mühe, Anstrengung, Arbeit’ (s. ↗laborieren) und mit anlautendem s- lit. slõbti ‘schwach werden’, aslaw. slabъ, russ. slábyj (слабый) ‘schwach’. schlafen ist ursprünglich ‘schlaff sein’. Schlaf m. ‘Zustand des Schlafens’, ahd. (8. Jh.), mhd. slāf, asächs. mnd. slāp, mnl. slaep, nl. slaap, afries. slēp, aengl. slēp, slǣp, engl. sleep, got. slēps (germ. *slēpa-). Demgegenüber sind anord. svefn, schwed. sömn, dän. søvn, aengl. swefn (germ. *swefna-) ebenso wie die Bezeichnungen des Schlafes in anderen ie. Sprachen aind. svápnaḥ, griech. hýpnos (ὕπνος) (s. ↗hypnotisch), lat. somnus (s. ↗somnambul), aslaw. sъnъ, russ. son (сон) Fortsetzungen eines alten r/n-Stammes zur Wurzelerweiterung ie. *su̯ep-, *sup- ‘schlafen’, zu der ebenso mhd. swep (Genitiv swebes) ‘Schlaf, Schlummer’, aengl. swefan, anord. sofa, schwed. sova, dän. sove ‘schlafen’ gehören. Spätmhd. slāf wird auch Bezeichnung für ‘Schläfe’. Vielleicht als ‘Stirnseite, auf der der Schlafende ruht’? Vgl. mnd. slāp, mnl. slaep, nl. slaap ‘Schlaf, Schläfe’. Der in dieser Bedeutung auftretende Plural wird im 18. Jh. zum Singular Schläfe f. beschlafen Vb. ‘mit einer Frau schlafen’, mhd. beslāfen, auch ‘schwängern’; ‘eine Nacht Bedenkzeit verstreichen lassen, ehe ein Beschluß gefaßt wird’ (16. Jh.). entschlafen Vb. ‘sterben’, ahd. intslāfan (9. Jh.), mhd. entslāfen ‘einschlafen, sterben’. schläfern Vb. ‘müde, schläfrig sein’, mhd. slāfern ‘schläfrig werden, einschlafen’; heute selten und meist unpersönlich es schläfert mich; dazu einschläfern Vb. ‘müde, schläfrig machen, in Schlaf versetzen’ (17. Jh.), heute besonders ‘(Tiere) durch Medikamente schmerzlos töten’, auch ‘narkotisieren, betäuben’; älter einschläfen, zu mhd. slæfen ‘schläfrig machen’. schläf(e)rig Adj. ‘müde’, auch ‘träge’ (16. Jh.), ahd. slāf(e)rag (9. Jh.), mhd. slāferic, slæferic. zweischläfrig Adj. ‘für zwei Schläfer passend’ (18. Jh.). Beischlaf m. ‘das Miteinanderschlafen’ (15. Jh.); dafür ahd. mitislāf (um 1000). Schlafmütze f. ‘Mütze, die im Bett aufgesetzt wird’ (17. Jh.), ‘langsamer, träger Mensch’ (18. Jh.). Schlafrock m. ‘bequemer, zum Schlafengehen und im Haus zu tragender Mantel, Morgenrock’, mhd. slāfroc (14. Jh.); nicht aus Schlaufrock (‘zum Hineinschlüpfen’) herzuleiten (s. ↗Schlaufe).

Thesaurus

Synonymgruppe
Nachtruhe · ↗Ruhe · Schlaf · ↗Schlummer
Assoziationen
Synonymgruppe
Augensteine · Schlafkörnchen · Traumsand  ●  ↗Augenbutter  fachspr. · Augenschleim  fachspr. · Knies(t) inne Augen  ugs., rheinisch · Matzel  ugs., pfälzisch · ↗Sand (in den Augen)  ugs., fig. · Schlaf  ugs. · Schlaf in den Augen  ugs. · Schlafsand  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Auge · ↗Sehwerkzeug  ●  Glubscher  ugs. · ↗Gucker  ugs. · Oculus  fachspr. · ↗Sehorgan  fachspr.
  • Meibom-Drüse · Tarsaldrüse

Typische Verbindungen
computergeneriert

Erwachen Gerechter Traum Vernunft aufschrecken bleiern erholsam erwachen ewig gebären gesund hochschrecken hundertjährig klingeln rauben reiben reißen ruhig rütteln schrecken stören tief traumlos ungestört unruhig versinken wecken wiegen übermannen überraschen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Schlaf‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manchmal habe ich auch schon im Schlaf um mich geschlagen.
Die Zeit, 21.06.2012, Nr. 26
Nachts spreche ich jetzt oft im Schlaf in gebrochenem Deutsch.
Wallraff, Günter: Ganz unten, Berlin: Aufbau-Verl.1986 [1985], S. 98
Und dann gibt es auch noch unbewußte Unterbrechungen wie den Schlaf.
konkret, 1985
Nur der Bub bringt es nicht fertig, für die Dauer von ein paar Stunden Schlaf aus dem sibirischen Schicksal auszusteigen.
Bauer, Josef Martin: So weit die Füße tragen, Frankfurt a.M: Fischer 1960 [1955], S. 21
Er fiel jeden Abend in den Schlaf wie ein Stein in den tiefen Brunnen.
Koeppen, Wolfgang: Der Tod in Rom. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1954], S. 393
Zitationshilfe
„Schlaf“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schlaf>, abgerufen am 22.10.2019.

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